Mitte Juni feierte das Management Center Innsbruck sein 30-jähriges Bestehen mit einem Festakt. Die Hochschule zählt heute 3.700 Studierende aus rund 70 Ländern und gilt als eine der Erfolgsgeschichten des österreichischen Hochschulsektors. Und doch hing über dem Jubiläum eine „getrübte Feierstimmung“, wie die Südtiroler Wirtschaftszeitung in einem Beitrag treffend formulierte: Einen gemeinsamen Campus-Neubau, über den seit mehr als zwei Jahrzehnten diskutiert wird, gibt es bis heute nicht. Verwaltung, Hörsäle, Seminarräume und Labore sind auf sechs Standorte in der Stadt verteilt, die jährlichen Mietkosten belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro.
Der Fall bleibt umstritten
Im März 2026 beschloss die Tiroler Landesregierung, die sieben Bestandsstandorte des MCI auf vier zu reduzieren, die saniert und erweitert werden sollen, darunter die denkmalgeschützte ehemalige Hauptpost im Eigentum eines privaten Investors, in der das MCI als Dauermieter untergebracht werden soll. Anlässlich des Jubiläums meldeten sich im Juni in der Kronen Zeitung Markus Sint, Klubobmann der Liste Fritz, und der frühere SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer zu Wort. Sint sprach von einem „besonderen politischen Kunststück“: Die Landesregierung unter Landeshauptmann Anton Mattle habe den MCI-Neubau beerdigt, obwohl ihn eigentlich alle wollten. Mehr als 12,5 Millionen Euro Steuergeld seien für Planungen, Architektenwettbewerbe, Siegerprojekte und Berater ausgegeben worden, ohne dass das MCI einen Quadratmeter mehr Fläche bekommen hätte. Dornauer, der selbst zeitweise für den Neubau zuständig war, nannte diesen Weg gar „eine politische Bankrotterklärung“.
Eine Geschichte mit langer Vorgeschichte
Zunächst lief alles nach Plan. Bereits 2002 fiel der Grundsatzbeschluss für einen neuen Campus. 2013 legte die Tiroler Landesregierung das Areal der ehemaligen Fenner-Kaserne als Standort fest. 2016 gewann das Wiener Büro Loudon, Habeler & Kirchweger einen europaweit ausgeschriebenen, zweistufigen Architekturwettbewerb. 88 Projekte wurden eingereicht, die Jury war hochkarätig besetzt: Dietmar Feichtinger, Kjetil Thorsen, Yvonne Farrell und Daniel Marques bewerteten die Einreichungen. Das Siegerprojekt formulierte aus fünf unterschiedlich hohen Bauvolumina einen emblematischen fünfeckigen Baukörper, der sich nach innen zu einem großzügigen, von oben belichteten Atrium öffnet.

Das Architektur & Bau FORUM berichtete damals ausführlich über den Wettbewerb und seine Qualität. Das Verfahren galt als vorbildlich: fair, transparent, fachlich fundiert. Bereits am Tag der Preisverleihung war unter Fachleuten klar, dass der ursprüngliche Kostenrahmen von 80 Millionen Euro zu niedrig angesetzt war. Der Kostenrahmen basierte auf einem BGF/NNF-Faktor von 1,54, bei österreichischen Hochschulbauten ist ein Faktor von 1,8 bis über zwei üblich. Die Wettbewerbssieger hatten von Anfang an darauf hingewiesen. Eine Kostenschätzung im Sommer 2017 ergab bei den Kostengruppen zwei bis sechs eine Überschreitung von rund 30 Prozent. Die Architekten stellten den Vorentwurf und eine detaillierte Kostenermittlung schließlich im Juni 2018 für eine Regierungsvorlage fertig, bei Berücksichtigung von Indexierung und Mehrwertsteuer eine Gesamtsumme von rund 121 Millionen Euro. Was dann folgte, hat das Architektur & Bau Forum 2018 unter dem Titel „Ein Schlachtfeld“ beschrieben.
Ein Schlachtfeld
Landesrat Johannes Tratter stoppte das Projekt im November 2018 überraschend mit der Begründung, die Kosten seien um bis zu 70 Prozent gestiegen. Eine Gesamtsumme von rund 130 Millionen Euro kursierte ohne nachvollziehbare Herleitung. Weder die Architekt*innen noch die Öffentlichkeit erfuhren, wie sie zustande kam. Die Planenden erfuhren vom Projektende über die Medien. Ein Gespräch mit dem Auftraggeber wurde bis heute vermieden. Den Architekt*innen blieb nichts anderes übrig, als einen Teil ihrer Honorare sowie das ihrer Subunternehmer*innen gerichtlich einzufordern. Sie stimmten schließlich einem Vergleich über 500.000 Euro zu, da Budget und Ressourcen für langjährige Gerichtsverfahren fehlten.
Der Neustart und seine Kosten
Es folgte ein Neustart über einen wettbewerblichen Dialog mit Totalunternehmermodell. Im Februar 2021 erhielt eine Arge aus Porr und Ortner den Zuschlag. Ein konkreter Entwurf lag zu diesem Zeitpunkt nicht vor. Im April 2021 gewann das Büro Henning Larsen einen von der Arge ausgeschriebenen Architekturwettbewerb. Die veranschlagten Kosten lagen nun bei rund 135 Millionen Euro, bei geringerer Nutzfläche als im ersten Verfahren. Das Totalunternehmermodell mit seiner versprochenen Zeit- und Kostengarantie erwies sich als nicht belastbar. Im Herbst 2023 stoppte die Tiroler Landesregierung die Planung und rief eine sechsmonatige Nachdenkpause aus. Ende 2024 erklärte Landeshauptmann Anton Mattle den Neubau schließlich für nicht finanzierbar. Aus den ursprünglich kolportierten 80 Millionen Euro waren mehr als 250 Millionen Euro geworden.

Ein Detail, das die Dimension des Desasters verdeutlicht: Ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten des Wiener Vergaberechtsexperten Michael Breitenfeld, das erst nach Mattles Absage öffentlich wurde, kam zum Schluss, dass die Bundesimmobiliengesellschaft den Neubau ohne Neuausschreibung hätte übernehmen können – im Wege einer sogenannten öffentlich-öffentlichen Kooperation, bei der zwei öffentliche Stellen zusammenarbeiten, ohne dass dafür ein Vergabeverfahren durchgeführt werden muss. Der Kurier berichtete am 11. Jänner 2025 darüber: Das auf den 16. Dezember 2024 datierte Gutachten, drei Tage nach Mattles Absage des Projekts am 13. Dezember, sei von der Landesregierung zunächst unter Verschluss gehalten worden. Dornauer hatte die Geheimhaltung damals damit begründet, das Gutachten diene „zur Vorbereitung von Entscheidungen in einer vergaberechtlichen Angelegenheit, deren Geheimhaltung geboten ist“.
Laut einer Anfrage der Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes belaufen sich die frustrierten Kosten allein für die zweite Phase, das Totalunternehmerverfahren, auf knapp neun Millionen Euro, so die Auskunft des Landes Tirol gegenüber der Kammer. Die tatsächlichen Gesamtkosten dürften deutlich höher liegen: Im kammereigenen Magazin „derPlan“ heißt es dazu, das Land habe lediglich die Kosten des Totalunternehmerverfahrens bekannt gegeben, sämtliche weiteren Kosten blieben im Dunkeln.
Warum die Kammer Ost den Fall nicht loslässt
Für das Architektur & Bau FORUM ist eine andere Frage interessanter als die politische Debatte: Was lässt sich aus dem Fall MCI für die Planungskultur und die Vergabepraxis öffentlicher Bauvorhaben lernen? Eine Frage, die wir in einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten der Kammer, Bernhard Sommer klären wollen. Er sieht zehn Jahre nach dem Wettbewerb von 2016 den Fall als mahnendes Beispiel und als Impuls für eine Debatte über Transparenz, Verantwortung und die Rolle von Architekturwettbewerben.

Doch warum beschäftigt ein Tiroler Projekt die Kammer Ost so intensiv? Das Büro Loudon, Habeler & Kirchweger, Sieger des Wettbewerbs von 2016, ist Mitglied der Kammer Ost. Nach dem Projektstopp wandte sich das Büro an die Kammer. Darüber hinaus hätten Kolleginnen und Kollegen aus Tirol die Kammer Ost darum gebeten, sich der Sache anzunehmen, erläutert Vizepräsident Bernhard Sommer, von 2022 bis 2026 Präsident der Kammer Ost. In Tirol sei es für eine Tiroler Institution unmöglich gewesen, sich damit zu befassen.
Die Kammer unterstützte zunächst das Büro im Honorarstreit, erläutert Sommer. Daraus entwickelte sich eine intensive Beschäftigung mit dem gesamten Verfahren. Die Kammer beteiligte sich in der Folge maßgeblich an den juristischen Auseinandersetzungen rund um das Totalunternehmerverfahren: Eine vom Verfahren ausgeschlossene Bietergemeinschaft aus vier Ziviltechnikern aus Wien – ausgeschlossen mit der Begründung, Ausführende und Planende dürften keine gemeinsame Gesellschaft bilden – wurde von der Bundeskammer und Funktionären der Kammer Ost unterstützt und zog vor die Gerichte. Sowohl der Verfassungsgerichtshof als auch das Verwaltungsgericht stellten fest, dass Ziviltechniker:innen sehr wohl als Bietende an solchen Verfahren teilnehmen dürfen. Das Land Tirol verlor und musste die Prozesskosten übernehmen. Noch im März 2026 bestätigte der Verwaltungsgerichtshof in einer weiteren Entscheidung erneut die Rechtmäßigkeit der Teilnahme dieser Bietergemeinschaft.
Der Kipppunkt
Für Bernhard Sommer markiert das Jahr 2018 den eigentlichen Wendepunkt. Nicht das endgültige Aus des Projekts 2024, sondern die Entscheidung, das vorliegende Wettbewerbsergebnis nicht weiterzuverfolgen. „Der entscheidende Fehler war der Abbruch des ersten Projekts“, sagt Sommer. Damals habe ein offenes, transparentes und fachlich abgesichertes Verfahren vorgelegen. Mit dem Projektstopp habe das Land Tirol einen soliden Pfad verlassen. Man habe aufgehört, auf die eigenen gut ausgebildeten Beamten und das hausinterne Know-how zu hören, und sich stattdessen, so Sommer „in die Hände eines umtriebigen Rechtsanwalts begeben.“
Eine zentrale Rolle spielte dabei Herbert Schöpf, Vergaberechtsanwalt aus Innsbruck. Er riet dem zuständigen Landesrat bereits 2018 zum Abbruch des Verfahrens und bekam in der Folge den Auftrag für die Neuausschreibung und die weitere Verfahrensbegleitung. Wie hoch die Auftragssumme genau war, was der Anwalt in Summe aus dem Titel MCI dem Land Tirol in Rechnung stellte, ist nicht bekannt. Schöpf empfahl den Wechsel zu einem wettbewerblichen Dialog mit Totalunternehmermodell. Das Architektur & Bau FORUM berichtete 2020 unter dem Titel „Eine unendliche Geschichte“ ausführlich über die Turbulenzen, die dieser Neustart auslöste. Für Plan B, die nun diskutierte Sanierung bestehender Standorte, wird Schöpf laut Berichten aus dem Landhaus nicht mehr herangezogen.
Das Totalunternehmermodell als Systemfehler
Wer die Debatte rund um das MCI auf die Frage reduziert, warum ein Hochschulbau nicht zustande kam, greift aus Sicht Sommers zu kurz. Die eigentliche Bedeutung des Falls liegt für ihn in der Wahl des Vergabeverfahrens und was diese Wahl über eine breitere Entwicklung im öffentlichen Bauen aussagt. „Bei Architekturprojekten ist das Totalunternehmermodell immer das falsche Verfahren“, sagt Sommer. Der Grund sei nicht mangelndes Vertrauen in die ausführenden Unternehmen. Das Problem liege im System selbst.
Beim wettbewerblichen Dialog handle es sich um ein Instrument für unklare Aufgabenstellungen. Sommer verweist auf die gesetzliche Definition: Es ist dann gerechtfertigt, wenn ein Auftraggeber objektiv nicht in der Lage ist, die Leistung zu beschreiben. Peter Bauer, von 2022 bis 2026 Vizepräsident der Kammer Ost formuliert es im „derPlan“-Beitrag plastisch: Wenn man ein Atomkraftwerk baut, da gibt es in Österreich wenig Erfahrung, das wäre ein Fall dafür. Bei einer Hochschule, einer Gebäudetypologie, die seit Jahrhunderten hundertmal gebaut wurde, wo es jede Menge Richtlinien, Nutzererfahrungen und Normen gibt – das ist keine unklare Aufgabenstellung.
Beim offenen Wettbewerb sind die Spielregeln für alle nachvollziehbar. Aufgabenstellung, Jury, Bewertungskriterien und Siegerprojekt sind öffentlich dokumentiert. Architekturqualität wird unabhängig bewertet. „Jeder kann nachvollziehen, unter welchen Bedingungen ausgeschrieben wurde, wer in der Jury saß, warum entschieden wurde und welches Projekt gewonnen hat“, sagt Bernhard Sommer.
Für ihn ist diese Transparenz kein Nebeneffekt, sondern der eigentliche Wert des Verfahrens. Sie schaffe Nachvollziehbarkeit und ermögliche unabhängige Qualitätskontrolle. Und sie schaffe klare Verantwortlichkeit: Es gebe einen Vertrag, ein definiertes Projekt, einen Maßstab, an dem gemessen werden könne, was geliefert wird.
Wenn Planung und Ausführung in einer Hand liegen, kontrolliert sich das System letztlich selbst.
Bernhard Sommer
Planung und Ausführung trennen
Im Totalunternehmermodell hingegen würden Planung und Ausführung zusammengeführt. Die Planung werde Teil eines wirtschaftlichen Gesamtangebots und damit zwangsläufig Gegenstand von Optimierungen, aber nicht nach dem, was für das Projekt am besten wäre, sondern nach dem, was für das ausführende Unternehmen wirtschaftlich optimal ist. „Wenn Planung und Ausführung in einer Hand liegen, kontrolliert sich das System letztlich selbst“, sagt Sommer.
Sommer spricht von einem „strukturell kompromittierten Verfahren“. Damit meint er keinen individuellen Vorwurf gegen einzelne Unternehmen. Sein Argument ist grundsätzlicher: Ein Totalunternehmer, der gerade freie Kapazitäten im Stahlbau hat, plant eben einen Stahlbau und nicht notwendigerweise das, was für das Projekt und den Nutzer die beste Lösung wäre. Architektonische Qualität, die in einem offenen Wettbewerb unabhängig definiert und beauftragt wurde, wird zur verhandelbaren Größe. Im MCI-Fall zeigt sich das exemplarisch: Im kammereigenen Magazin „derPlan“ heißt es, gerüchteweise seien zentrale architektonische Elemente des Henning-Larsen-Entwurfs – etwa die von der Jury besonders gewürdigte Fassadengestaltung – von Porr und Ortner eigenständig verändert worden, ohne Einbindung der Architektinnen, schlicht um Kosten zu senken.
Kontrollverlust als strukturelles Problem
Ein Begriff zieht sich durch das Gespräch mit Bernhard Sommer wie ein roter Faden: Kontrollverlust. „Über das Geld der öffentlichen Hand sollte man niemals die Kontrolle verlieren.“ Für Sommer beginnt gute Projektsteuerung nicht bei der Bauausführung, sondern bei der Definition der Aufgabe. Öffentliche Auftraggebende müssten genau wissen, welche Qualitäten sie bestellen, welche Funktionen sie erwarten und wie diese überprüft werden können: „Wenn ich die Qualitäten nicht vorher definiere, die Funktionen nicht vorher definiere, dann wird immer nach wirtschaftlichen Optimierungen gesucht werden, die nicht zweckdienlich sind.“
Das sei kein Vorwurf an Unternehmen, sondern die logische Folge eines Systems, in dem unterschiedliche Interessen miteinander konkurrieren. Und der Schaden ist nicht nur finanzieller Natur. Er trifft auch die Planenden selbst: Wo der Totalunternehmer die Planung übernimmt, werden Architektinnen und Architekten zu Subunternehmer*innen. Ihre Rolle verschiebt sich von verantwortlichen Autorinnen hin zu Erfüllungsgehilfinnen. Baukultur wird zur Nebensache.
Sommer sieht darin einen Zeitgeist, der über den Einzelfall hinausgeht. Er beschreibt das Muster mit einem Dreiklang: Trivialisierung, Sparen am falschen Ort, Verantwortungsvermeidung. Wer aus wahltaktischen Gründen komplexe Inhalte scheut, mit öffentlichem Geld nicht sorgfältig umgeht, und zwar gerne auf Fotos ist, aber möglichst nie für etwas verantwortlich sein will, für den ist ein Totalunternehmerverfahren zunächst verführerisch. Man übergibt die Verantwortung, man kauft sich Scheinkomfort, schlüsselfertig, Kostensicherheit versprochen, Risiko angeblich ausgelagert.
„Verantwortung kann man nicht auslagern“, so die Quintessenz seiner Argumentation. Unabhängig vom gewählten Verfahren bleibt die Verantwortung für Qualität, Transparenz und den sinnvollen Einsatz öffentlicher Mittel beim Auftraggeber. Und der Rechnungshof kritisiert Totalunternehmerverfahren regelmäßig, genau deshalb.
Was bleibt?
Ob der ursprüngliche Wettbewerb tatsächlich zu einem besseren Ergebnis geführt hätte, lässt sich nicht mehr beantworten. Dafür sind die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu komplex. Was sich beantworten lässt: Die zweite Phase, das Totalunternehmerverfahren, hat allein laut Auskunft des Landes Tirol neun Millionen Euro gekostet, für ein Gebäude, das nie gebaut wurde. Die tatsächlichen Gesamtkosten des Desasters dürften erheblich höher liegen.
Anstelle des Neubaus setzt die Tiroler Landesregierung nun auf die Sanierung der denkmalgeschützten ehemaligen Hauptpost, die sich in privater Hand befindet. Das MCI soll dort als Dauermieter untergebracht werden – bei einem privaten Investor, der Sanierung und Erweiterung vorfinanziert und diese über entsprechend höhere Mietzahlungen des MCI refinanzieren will. Wie viel diese Lösung kosten wird, ist bislang nicht bekannt.
Der MCI-Fall wird damit zu mehr als einem Tiroler Infrastrukturproblem. Er ist ein Lehrstück über das, was passiert, wenn Transparenz gegen Intransparenz getauscht wird, wenn Verantwortung durch Verfahren verschleiert werden soll, wenn Lobbying stärker wirkt als Fachkompetenz. Und er ist eine Erinnerung daran, dass die Wahl des Verfahrens oft ebenso entscheidend ist wie das Projekt selbst. Nicht die Suche nach Schuldigen steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie öffentliche Bauherren und Bauherrinnen Qualität, Transparenz und Kontrolle sichern können. Und wie verhindert werden kann, dass sich dieser Fall wiederholt.
Während das MCI seinen 30. Geburtstag feierte, bleibt die Campusfrage offen. 2027 wird in Tirol gewählt. Die Frage nach dem MCI wird dabei eine Rolle spielen, das zumindest scheint sicher.
MCI Innsbruck – die wichtigsten Stationen
- 2002: Grundsatzbeschluss für einen neuen MCI-Campus.
- 2013: Die Tiroler Landesregierung legt das Areal der ehemaligen Fenner-Kaserne als Standort fest.
- 2016: EU-weiter Architekturwettbewerb. Das Büro Loudon, Habeler & Kirchweger gewinnt.
- 2018: Das Land Tirol stoppt das Siegerprojekt unter Verweis auf Kostensteigerungen.
- 2018–2021: Neustart über Dialogverfahren und Totalunternehmermodell.
- 2021: Präsentation des neuen Projekts.
- 2024: Landeshauptmann Anton Mattle erklärt den Neubau für nicht finanzierbar.
- 2025: Diskussion über Sanierung, Nachverdichtung und den Ausbau bestehender Standorte.
- 2026: Das MCI feiert sein 30-jähriges Bestehen. Die Standortfrage bleibt ungelöst.