Wolfgang Burianek über das Geschäft im laufenden Jahr:
Das Geschäft entwickelt sich gerade in der Anlagentechnik und bei der Expansionstechnik schwierig. Im ersten Halbjahr ist der Markt in Österreich gemessen am Umsatz um etwa 14 Prozent zurückgegangen. Berücksichtigt man die Preisentwicklung, dürfte das Minus bei den Stückzahlen sogar bei rund 18 Prozent liegen. Das ist beträchtlich. Wir selbst entwickeln uns erfreulicherweise besser als der Markt, spüren die Situation aber natürlich trotzdem. Man muss derzeit um jeden Auftrag kämpfen. Es gibt weniger Baustellen, es wird schlicht deutlich weniger gebaut.
Hochhäuser oder Spitäler
Welche Projekte für Eder Spirotech besonders interessant sind:
Für uns sind größere Gebäude mit viel Heizungswasser im Umlauf besonders relevant – beispielsweise Hochhäuser oder Spitäler. Gleichzeitig gewinnt die Kühlung stark an Bedeutung. Gerade in Städten wird das ein immer wichtigeres Thema, und dort wird auch entsprechend investiert. Ich bin überzeugt, dass Kühlung in den kommenden Jahren ein Wachstumsmarkt sein wird.
Wann er mit einer Erholung der Baukonjunktur rechnet:
Für 2026 bin ich noch zurückhaltend. Und auch 2027 dürfte schwierig werden. Die Entwicklung im Wohnungsbau ist für uns ein wichtiger Indikator, und die derzeitigen Baugenehmigungen stimmen nicht besonders optimistisch. Für 2028 sieht man erstmals etwas Licht am Ende des Tunnels. Für die Gebäudetechnik kommen die Auswirkungen einer Belebung aber zeitverzögert. Deshalb rechne ich frühestens ab Mitte 2028 mit einer spürbaren Verbesserung. Man sieht die aktuelle Situation übrigens ganz einfach an der Zahl der Baukräne. Ich war vor einigen Monaten in Portugal, dort stehen unzählige Kräne. Bei uns gibt es natürlich ebenfalls Baustellen, etwa in der Seestadt, aber die großen Investitionen fehlen.
Wo das Unternehmen ansetzt, um in Österreich weiterzuwachsen:
Einerseits im Vertrieb, andererseits im Kundenservice, der für uns immer wichtiger wird. Wir sehen ganz klar, dass die Kunden Gesamtlösungen wünschen. Vom Angebot über die Bestellungen, sowie die Inbetriebnahme bis zum Aftersales sollte alles durchgängig funktionieren – idealerweise mit ein oder zwei Ansprechpartnern. Dazu gehört ein möglichst breites Sortiment, aber ebenso der Service danach. Im Idealfall bekommt der Kunde inklusive Wartungsvertrag ein echtes Rundum-sorglos-Paket.
In welchen Bereichen er das Angebot ausbauen will:
Gemeinsam mit Spirotech verfügen wir bereits über ein sehr breites Sortiment. Ein wichtiges Feld sind Abscheider und Entgasungssysteme, die sehr gut zu unserer Anlagentechnik passen. Ein weiteres Zukunftsthema ist die Heizungswasserqualität. Hier gibt es aus meiner Sicht noch Aufholbedarf. Das betrifft sowohl das Produktsortiment als auch den Kundendienst.
Was das für das Personal bedeutet:
Wir wollen wachsen, aber es muss die ganze Struktur des Unternehmens mitberücksichtigt werden. In Österreich beschäftigen wir im Vertrieb und Kundendienst derzeit rund 35 Mitarbeiter. Inklusive unserer Produktion sind es insgesamt etwas mehr als 100 Beschäftigte. Für uns ist wichtig, den Kunden zu vermitteln, dass wir hierzulande produzieren. Wir sind der einzige Hersteller in unserem Bereich, der Ausdehnungsgefäße und Anlagentechnik in Österreich produziert. „Made in Austria“ hat für uns daher einen hohen Stellenwert.
Was die Politik tun müsste, um Investitionen und Bauwirtschaft wieder anzukurbeln?
Ihre wichtigste Aufgabe ist es, klare und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Unternehmen müssen wissen, in welche Richtung es geht. Dazu gehört auch ein Abbau der Bürokratie. Wir sprechen seit Jahren darüber, aber der Förderdschungel und Doppelgleisigkeiten sind nach wie vor ein Thema. Wenn wir das Reduzieren, können wir auch die Investitionsbereitschaft wieder erhöhen. Österreich braucht wieder eine positivere Stimmung, in der Unternehmen gerne investieren. Denn Investitionen schaffen Arbeitsplätze. Und Arbeitsplätze schaffen Wohlstand.
Wie zuversichtlich er ist, dass die notwendigen Reformen tatsächlich kommen?
Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber es hätte schon mehr weitegehen können. Gerade am Beginn einer Legislaturperiode hätte man die Chance, größere Reformen anzugehen und offen zu sagen: Die kommenden Jahre werden nicht einfach, aber wir setzen jetzt diese notwendigen Schritte. Ich glaube, viele Menschen hätten dafür Verständnis.