So kann ein Gründerzeithaus auch aussehen: drei Meter breit, vier lang, Flachdach, weißer Putz. Schnörkel jeder Art Fehlanzeige. Sieht aus wie ein Container mit Fassadenputz. Es ist natürlich auch kein echtes Gründerzeithaus. Aber der Aufbau der Wände ist dem eines solchen exakt nachempfunden.

13 Würfel in Wopfing

Das würfelartige Häuschen steht gemeinsam mit zwölf weiteren Gebäuden dieser Art im Baumit Viva Forschungspark, den der Baustoffhersteller an seinem Stammsitz im niederösterreichischen Wopfing betreibt. Von außen betrachtet schauen die 13 Häuser völlig ident aus. Sie unterscheiden sich aber erheblich bei der Konstruktion der Wände. Vertreten ist eine breite Palette: von besagter Kopie der Gründerzeit-Technik mit 50 Zentimeter dicken Ziegelwänden über Beton, 25er-Ziegel, Holzständerwand, Holz-Blockhaus, Vollziegel und Porenbeton – und fast jedes Haus einmal mit und einmal ohne Dämmung.

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„Im Viva Forschungspark können wir unterschiedliche Bauweisen unter realistischen und gleichzeitig vergleichbaren Bedingungen untersuchen“, erläutert Baumit-Eigentümer Robert Schmid bei einer Führung auf Einladung der Initiativen „Dämmen statt Verheizen“ und „Pro Bauen und Sanieren“.

Namhafte Institute

Baumit arbeitet im Park mit namhaften Forschungseinrichtungen zusammen: der MedUni Wien, der FH Burgenland (Campus Pinkafeld), dem Österreichischen Institut für Baubiologie & -ökologie (IBO), der Österreichischen Agentur für Gesundheit & Ernährungssicherheit (Ages) und der TU Wien.

Man legen großen Wert darauf, wissenschaftlich exakte Ergebnisse zu ermitteln. „Die Gebäude sind gleich groß, haben identische Innenabmessungen und werden gleich genutzt. Sie sind so angeordnet, dass sie sich gegenseitig nicht verschatten, und alle weiß gestrichen, damit unterschiedliche Farben die Messergebnisse nicht beeinflussen“, so Agathe Irene Chajdas, die Managerin des Forschungsparks.

Baumit Viva Forschungspark in Wopfing.
Baumit Viva Forschungspark in Wopfing. © Baumit

Die Häuser sind mit umfangreicher Sensorik ausgestattet. „Wir messen unter anderem Temperatur und Feuchtigkeit in unterschiedlichen Bauteilschichten sowie im Innenraum. Die Messwerte werden alle zehn Sekunden erfasst. Darüber hinaus wurden Gerüche, Schall oder die Dämpfung elektromagnetischer Felder untersucht“, erläutert Chajdas weiter. „So sind über die Jahre Millionen von Daten entstanden.“

Klare Daten

Diese Daten sprechen eine klare Sprache. So hat man unter anderem die Raumtemperatur währende der Hitzeperiode im vergangenen Juni und Juli gemessen, bei der das Thermometer in Wopfing auf bis zu 37,4 Grad Celsius stieg. Das Ergebnis: Das ungedämmte Häuschen mit 25er-Ziegel erwärmte sich auf bis zu 30,7 Grad und das ungedämmte Gründerzeit-Gebäude auf 29,3 Grad. Deutlich besser schlugen sich die gedämmten Kandidaten. Beim 25er-Ziegel waren es 26,4 Grad beim Gründerzeithaus sogar nur 24,5 Grad.

Ähnliche positive Effekte zeigt die Dämmung im Winter. Hier simulierte man unter anderem eine 48-stündige Heizungsunterbrechung bei einer Außentemperatur von 3 Grad und einer Ausgangstemperatur von 21 Grad im Gebäude. Das Resultat: Beim ungedämmten Haus mit 25er-Ziegel fiel die Temperatur auf 10 Grad, beim gedämmten Gebäude nur auf 17 Grad. „Der Energieverbrauch wird durch die Dämmung um 60 Prozent gesenkt“, verdeutlicht Forschungspark-Managerin Chajdas den Effekt auf die Heizkosten.

„Dämmung First“, fasst Baumit-Eigentümer Schmid die erste von drei wesentlichen Erkenntnissen der Forschungen zusammen. „Ohne eine gute Wärme- und Kältedämmung funktioniert ein Gebäude heute nicht mehr sinnvoll.“ Die zweite Erkenntnis: „Masse ist klasse. Ein Gebäude braucht Speichermasse. Das kann Beton sein, Ziegel oder ein anderes massives Material. Diese Masse speichert Wärme beziehungsweise Kühle, gibt sie zeitversetzt wieder ab und trägt damit wesentlich zu einem ausgeglichenen Raumklima bei.“

Die dritte Erkenntnis lautet „Interior Values“ und betrifft die inneren Werte. Schmid: „Gerade die letzten ein bis zwei Zentimeter der Wand auf der Raumseite sind wichtig. Geeignete Materialien können Luftfeuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und später wieder abgeben. Dadurch lässt sich das Raumklima wesentlich beeinflussen.“