„Österreich hat hervorragende Voraussetzungen für Biomasse. Sie wird aber nur als feste Biomasse genutzt. Alle anderen Formen werden durch übermäßige Regulierung und marktverzerrende Förderpolitik ausgebremst – zum Beispiel Biogas.“ Mit dieser Aussage fasst Elisabeth Berger, Geschäftsführerin der Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK), zusammen, wie ihre Branche Bedingungen für den Einsatz von Biomasse hierzulande sieht. Man könnte es auch so sagen: Gut, aber es ginge noch deutlich besser.

Hoher Stellenwert

Auf der Habenseite verbucht Berger, dass die Biomasse in Österreich einen sehr hohen Stellenwert hat. „Österreich gehört zu den Ländern mit dem größten Anteil an Biomasse im gesamten Energieverbrauch. Holz ist bei uns traditionell gut verankert und wird sowohl kulturell als auch wirtschaftlich stark genutzt“, so die VÖK-Geschäftsführerin. „Holz war in Österreich immer ausreichend verfügbar und ist es bis heute. Wir haben große Waldflächen und eine leistungsfähige Forst- und Sägeindustrie.“

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Viel Sicherheit

Gleichzeitig gebe es ein hohes Sicherheitsdenken: „Viele Haushalte setzen zusätzlich auf Holzheizungen, selbst wenn sie andere Systeme nutzen“, so Berger. Diese Kombination aus Ressource, Infrastruktur und Mentalität mache den Unterschied. Auch Erwin Stubenschrott, Mitbegründer und Gesellschaft von KWB, sieht reichlich Grund für Lob: „Österreich ist im Bereich Biomasse ein echtes Vorreiterland. Wir haben technologisch führende Unternehmen, eine lange Tradition und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die weltweit als Vorbild gilt. Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis.“

Es gibt auch Kritik

Das ist der positive Teil der Bestandsaufnahme. Es gibt aber auch Kritik. Diese gemischte Gemütslage spiegeln auch die Kommentare der Hersteller wider. „Die Rahmenbedingungen sind grundsätzlich OK. Die Förderabwicklung sollte einfach werden“, heißt es von Guntamatic. Nachsatz: „So wie früher.“

Die Grundrichtung stimme, meint KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig. „Biomasse ist als erneuerbare Wärmequelle anerkannt. Die Förderung ist technologieneutral gestaltet. Das ist nicht selbstverständlich. Es soll so bleiben.“ Was aus seiner Sicht nicht funktioniert: „die Fragmentierung. Neun Bundesländer, neun Förderregime. Für Endkunden ist das kaum mehr durchschaubar. Wir als Hersteller übernehmen Förderberatung, die eigentlich Aufgabe des Systems wäre. Das ist ineffizient – für alle Seiten.“

Wichtige Impulse

Ähnlich sieht man das bei Eta: „In Österreich profitieren Biomasse-Heizungen grundsätzlich von einem traditionell hohen Stellenwert erneuerbarer Wärme und einer starken forstwirtschaftlichen Basis.“ Programme wie das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und Förderinitiativen im Rahmen von „Raus aus Öl und Gas“ hätten wichtige Impulse gesetzt. Zugleich sehen die Eta-Verantwortlichen aber erhebliche Schwächen – auch sie bemängeln unter anderem die stark föderal geprägte Förder- und Regulierungslandschaft.

Regeln aus Brüssel

VÖK-Geschäftsführerin Berger ist vor allem die Regulierung auf EU-Ebene ein Dorn im Auge: „In der EU wird der Stellenwert von Holz oft unterschätzt oder missverstanden“, bemängelt sie. „Gleichzeitig entstehen sehr komplexe Vorgaben, etwa durch die Renewable Energy Directive. Das führt zu Bürokratie, die in der Praxis schwer umsetzbar ist und viele Ressourcen bindet.“ Als Beispiel nennt sie das sogenannte „Kaskadenprinzip“. Es besagt, dass Holz zuerst stofflich genutzt werden soll – etwa im Bau – und erst später energetisch. „Grundsätzlich sinnvoll, aber in der Realität schwierig“ meint Berger. „In der Holzverarbeitung entsteht viel Restmaterial wie Sägemehl oder Verschnitt. Dieses wird traditionell energetisch genutzt, etwa für Pellets. Hier musste lange diskutiert werden, was als Abfall gilt und weiterverwendet werden darf.“

Wachsender Druck

Auch KWB-Chef Matschnig registriert einen „wachsenden Druck“ aus Brüssel: „Ökodesign-Anforderungen, Emissionsgrenzwerte, digitale Dokumentationspflichten. Produktunterlagen müssen künftig zehn Jahre lang online verfügbar sein. Der Aufwand steigt. Mittelständische Hersteller tragen das überproportional.“ Christian Rubin, Geschäftsführer von Windhager BHT – Best Heating Technology, kritisiert, dass die aktuelle EU-Energielabel Logik die „tatsächliche Effizienz und Systemkosten nur unzureichend“ abbilde. Sie führe bei „Konsument*innen zu Fehlinterpretationen. Rubin: „Zusätzlich erschweren kurze Umsetzungsfristen neuer EU-Vorgaben die Entwicklung praxistauglicher Lösungen.“

Hoffnung auf mehr Akzeptanz der Biomasse in Brüssel hat Ökofen-Geschäftsführer Stefan Ortner. „Die großen Stärken von Biomasse-Heizungen, wie die Lagerfähigkeit, die geopolitische Unabhängigkeit oder die Preisstabilität, die durch die Regionalität und den diversen Markt mit vielen Produzenten möglich ist, rücken immer deutlicher in den Vordergrund“, sagt er. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung und war auch ein zentraler Aspekt in den Gesprächen, die wir vor wenigen Wochen mit Energiekommissar Dan Jørgensen in Brüssel geführt haben.“

Hemmschuh Föderalismus

Die Hürden für den weiteren Ausbau der Biomasse werden nicht nur in Brüssel aufgestellt. Auch in Österreich liegt einiges im Argen – vor allem im Bereich der Förderungen, wie die Aussagen der Hersteller verdeutlichen. Kritisiert wird einerseits die starke Fragmentierung durch den Föderalismus.

Aber nicht nur: KWB-Mitbegründer Stubenschrott sieht derzeit die Folgen „einer aus meiner Sicht überbordenden Förderpolitik“ der letzten Jahre. „Der Markt ist derzeit gewissermaßen leer gekauft. Viele Interessenten haben gewusst, dass diese Förderbedingungen eine einmalige Gelegenheit sind, und haben ihre Investitionen vorgezogen. Das spüren wir jetzt massiv“. Kritisiert er. „Solche Effekte kennen wir seit Jahrzehnten, und genau deshalb fordern wir als Branche seit über 30 Jahren mehr Kontinuität in der Förderpolitik. Es geht gar nicht um die maximale Höhe der Förderung, sondern um Verlässlichkeit und Planbarkeit.“

Verunsicherung bei Kunden

Anton Hofer, Produktmanager bei Hargassner, unterstreicht das. Die Diskussion rund um Förderkürzungen und kurzfristige Änderungen habe für Verunsicherung bei den Kunden gesorgt. Hofer: „Selbst wenn die aktuelle Förderung objektiv gut ist – sie ist ja höher als die vorletzte: Bei vielen Kunden bleibt der Eindruck hängen, dass sich die Situation verschlechtert hat. Und das führt zu einer gewissen Kaufzurückhaltung.“

Die Branche hat daher eine große Bitte an die Politik in Sachen Förderung: mehr Konstanz. „Langfristige Förderzusagen, die Investitionsentscheidungen über mehrere Jahre absichern“, meint man bei Eta. „Ein verbindlicher Fahrplan für den Heizungstausch im Bestand. Wir investieren in Produktentwicklung mit mehrjährigem Vorlauf. Einjährige Förderzyklen sind damit nicht kompatibel“, ergänzt KWB-Geschäftsführer Matschnig.

Keine Planungssicherheit

„Biomasse-Heizungen sind durch Förderungen nicht grundsätzlich benachteiligt. Problematisch sind jedoch fehlende Planungssicherheit und starke regionale Unterschiede“, urteilt auch Windhager-Geschäftsführer Rubin. „Für faire Wettbewerbsbedingungen braucht es ein langfristig stabiles und transparentes Fördersystem.“ Ökofen-Chef Ortner stimmt dem zu: „Es braucht langfristige Planungs- und Investitionssicherheit.“ Er bringt zudem einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Wichtig wäre außerdem, dass Förderungen oder Subventionen basierend auf objektiven Kriterien wie CO₂-Wirkung und Systemnutzen vergeben werden – und nicht nach Lobbying-Stärke oder Sympathie.“ 

Immerhin – Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbands, sieht die Vorrausetzungen für einen weiten Ausbau der Biomasse als gegeben. „Die drei Maximen Sicherheit, Umweltfreundlichkeit und Leistbarkeit bilden das Rückgrat der Energieversorgung“, meint er. Der Ukraine-Konflikt und nunmehr der Krieg im Iran samt der Golfregion lasse die Energiepreise stark steigen und führe vor Augen, wie unsicher die Versorgung mit fossilen Energieträgern sei.

Energie als Druckmittel

„Die Energieabhängigkeit wird als geopolitisches Druckmittel verwendet und befeuert die Ängste über eine weitere Inflationsspirale. 1,2 Mio. österreichische Haushalte heizen mit Erdgas oder Heizöl“, meint Titschenbacher. „Alle sind den Launen von Autokraten und vor allem des US-Präsidenten Donald Trump ausgesetzt. Der politische Handlungsdruck für mehr Energieunabhängigkeit steigt, die Lösung ist vorhanden: Ausbau der heimischen erneuerbaren Energieträger.“

Noch nie sei der finanzielle Unterschied zwischen fossilem und nachhaltigem Heizen so groß wie heute gewesen. Titschenbacher: „Wer jetzt auf Bioenergie umsteigt, spart viel Geld und investiert in heimische Wertschöpfung statt in fremde Krisenherde. Die Preis-Schere am Energiemarkt hat im März ein neues Rekordniveau erreicht.“

Es braucht alle

Ökofen-Chef Ortner wünscht sich vor allem eine faktenbasierte Diskussion: Das klimaschonende Wärme- und Energiemanagement für Europa lasse sich nicht mit einem „Entweder-oder beantworten. Der Ökofen-Chef: „Es braucht alle erneuerbaren Technologien – und deren gegenseitige Ergänzung durch die unterschiedlichen Stärken. Dieses Verständnis kommt oft zu kurz.“

KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig.
KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig: "Neun Bundesländer. Neun Förderregime." © KWB
Ökofen-Chef Stefan Ortner vor Pelletsheizkesseln: Es braucht alle Technologien.
Ökofen-Chef Stefan Ortner vor Pelletsheizkesseln: Es braucht alle Technologien. © Ökofen
Anlage von Eta: Branche hat wichtige Impulse erhalten.
Anlage von Eta: Branche hat wichtige Impulse erhalten. © Eta
Hackschnitzelkessel von Hargassner: Förderung objektiv gut.
Hackschnitzelkessel von Hargassner: Förderung objektiv gut. © Hargassner
Hybrid-Holzkessel von Windhager: langfristig stabiles Fördersystem.
Hybrid-Holzkessel von Windhager: langfristig stabiles Fördersystem. © Windhager BHT – Best Heating Technology