Die schöne Lage im hügeligen Umland Obernhofens am Irrsee mit Panoramablick über den See ist ein besonderes Merkmal der Tischlerei Holztrattner. Dass die Flächen rundherum als Grünland gewidmet sind, garantiert zwar eine unverbaubare Aussicht, allerdings ist damit auch ein kleines Minus verbunden: „Wir sind hier schon etwas „eingezwickt“, Erweiterungsmöglichkeiten gibt es an diesem Standort nicht. Aber weder ein großer Ausbau noch eine Übersiedlung stehen derzeit am Plan“, sagt Tischlermeister und Inhaber Anton Holztrattner. Stattdessen investiert man Schritt für Schritt in eine Modernisierung des Maschinenparks – dazu aber später.

Stilistische Vielfalt: Als „klassisch modern“ bezeichnet Anton Holztrattner die Einrichtungen, die die Werkstatt verlassen. „Wir haben keinen eigenen Lackierraum, daher setzen wir grundsätzlich auf natürliche, geölte oder furnierte Oberflächen. Dadurch ergibt sich automatisch ein Massivholzschwerpunkt.“ © Tischlerei Holztrattner
© Tischlerei Holztrattner
© Tischlerei Holztrattner

„Steckenpferd“ Ausbildung

Der 40-jährige Oberösterreicher ist seit 2006 im Familienbetrieb tätig, 2015 legte er seine Meisterprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg ab. 2020 übernahm er die Firmenleitung von seinem Vater, Tischlermeister Anton Holztrattner sen., der das Unternehmen 1983 gegründet hatte. Schon 1984 wurde der erste Lehrling aufgenommen, bis heute haben 16 junge Tischlerinnen und Tischler ihr Handwerk hier erlernt. „Es war uns von Anfang ein wichtiges Anliegen, jungen Leuten eine gute Ausbildung zu bieten. Dass das funktioniert, zeigen u.a. auch die erfolgreichen Teilnahmen bei landes- und bundesweiten Lehrlingswettbewerben“, so Anton Holztrattner.

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Vom Einzugsgebiet ist die Tischlerei, die zwar in Oberösterreich, allerdings unmittelbar an der Salzburger Landesgrenze gelegen ist, in eben diesen beiden Bundesländern am aktivsten. Es werden fast ausschließlich private Kunden bedient, Neubau und Sanierung bzw. die Zweieinrichtung halten sich ungefähr die Waage.

Schritt für Schritt

Als sich der Seniorchef – der bei Bedarf nach wie vor mit seinen Erfahrungen zur Seite steht – 2020 in die Pension „verabschiedete“, führte der neue Inhaber zwar keine radikalen Änderungen durch, begann aber mit einer sukzessiven Erweiterung des Maschinenparks: „Wir haben 2022 ein neues Kantenbearbeitungszentrum in Betrieb genommen und einen zweiten Firmenlieferwagen angeschafft. Im nächsten Schritt ging es dann um das Thema Breitbandschleifmaschine, das stand schon längere Zeit im Raum.“

Zeit für Neues

Die Vorgängermaschine leistete zwar nach 25 Betriebs-Jahren immer noch gute Dienste, vom aktuellen Stand der Technik war sie allerdings weit entfernt. So war es definitiv „Zeit für etwas Neues“. Nach Prüfung diverser Angebote war relativ schnell klar, dass es „eine Kündig“ werden sollte. Man kannte den Schweizer Schleifmaschinenhersteller bereits, auf der Maschinenmesse Ligna in Hannover 2023 frischte man den Kontakt auf, „2024 haben wir nach einer umfassenden Beratung den Kauf unter Dach und Fach gebracht“, erzählt Anton Holztrattner.

Ein stimmiges Gesamtpaket: Die in ihren Konfigurationen auf die Bedürfnisse der Tischlerei Holztrattner abgestimmte Breitbandschleifmaschine Kündig Master-2 1350-RE/Bs eröffnet für die Nutzer neue Möglichkeiten in Sachen Schleifbreite und Oberflächenbearbeitung. Zudem erhöht sie den Durchsatz und überzeugt durch ihre kompakten Maße und die intuitive Bedienbarkeit. © Gudrun Haigermoser
© Gudrun Haigermoser
© Gudrun Haigermoser

Ein stimmiges Paket

„Wir sind platztechnisch eingeschränkt, da kommt uns die kompakte Bauweise der Master entgegen“, so Holztrattner über einen Grund für die Kaufentscheidung. Zudem waren es die Funktionen, die Möglichkeit zur individuellen Konfiguration, die einfache Bedienbarkeit sowie der persönliche und unkomplizierte Support, die den Tischlermeister überzeugten.

Die robuste Kündig Breitbandschleifmaschine Master-2 1350-RE/Bs – laut Hersteller die erste ihrer Art, die in Österreich zum Einsatz kam – verfügt über zwei Schleifaggregate, eine Kalibrierwalze und einen elektronischen Schleifschuh. Zur weiteren Ausstattung zählt eine Strukturbürste zur Veredelung bzw. Reinigung des Werkstücks. Damit eignet sie sich sowohl für präzisen Materialabtrag als auch für ein hochwertiges Oberflächen-Finish.

Erhöhte Schleifbreite

„Die Vorgängermaschine bot eine Schleifbreite von 1,10 Meter, dabei wollten wir grundsätzlich bleiben. Stefan Schöttli von Kündig hat uns dann erklärt, dass die Maschine mit einer Schleifbreite von 1,30 Meter auch nicht wesentlich mehr Platz benötigt. So haben wir uns für diese Ausstattung und die Sonderkonfiguration als Zweibandmaschine entschieden“, zeigt sich Holztrattner zufrieden.

Ein weiterer ausschlaggebender Grund war die intuitiv, übersichtlich und bedienerfreundlich aufgebaute Steuerung, die „so einfach wie ein Handy funktioniert und an der ab dem ersten Tag alle Mitarbeiter, auch die Lehrlinge, arbeiten können.“

Gut strukturiert

Seit gut zweieinhalb Jahren ist die Kündig-Maschine nun im Einsatz. Wie sind die Erfahrungen nach dieser Zeit? „Die Ausstattung passt gut so seit dem ersten Tag. Wir sind sehr glücklich mit der Strukturbürste, diese Funktion ist bei uns wirklich laufend im Einsatz. Gebürstete Oberflächen z. B. in Eiche oder Altholz sind im Trend und wir tragen diesem in vielen unserer Umsetzungen Rechnung. Daher ist diese Funktion ein echter Gewinn“, so Holztrattner.

Pluspunkt Zeitersparnis

„Wir ersparen uns zum einen den Bänderwechsel, zum anderen geht das Bürsten wirklich schnell. Wenn wir zum Beispiel die Oberfläche einer Tischplatte mit einer Breite von 1,20 Metern bearbeiten, lassen wir diese zwei Mal durch die Maschine und alles ist gleichmäßig und einwandfrei fertig. Das händische Bürsten hat mindestens doppelt so viel Zeit in Anspruch genommen, die Nacharbeiten zum Ausgleich von Unregelmäßigkeiten noch nicht eingerechnet“, so Holztrattner, der diese qualitativ hochwertige Oberflächenbearbeitung (inklusive gebürsteter Innenseiten) damit den Kunden noch lieber anbietet als früher, da sich der Aufwand nun besser rechnet.

„Ob die Maschine wie ihre Vorgängerin wieder 25 Jahre ihren Dienst tun wird, hängt wohl eher von der Software als von der Hardware ab. Wobei mir von Kündig schon prophezeit wurde, dass ich wahrscheinlich gemeinsam mit der Master in Pension gehen werde“, lacht Anton Holztrattner.

Eine neue Ära

Weiters finden in der 350 Quadratmeter zählenden Werkstatt – inklusive Außenflächen umfasst das Areal insgesamt 900 Quadratmeter – u.a. eine Furnierpresse, eine Furniersäge, ein kleines Plattenlager sowie ein Bereich für das Ölen der Oberflächen Platz, das Massivholzlager befindet sich im Außenbereich.

Der jüngste Neuzugang ist seit 2025 im Einsatz: „Wir haben im Vorjahr in unser erstes CNC-Bearbeitungszentrum investiert, quasi als Startschuss in eine neue Ära“, berichtet Holztrattner. Auch hier spielte der Platz eine Rolle bei der Modellwahl, die „zum Reinschnuppern in das Thema“ auf eine Durchlauf- statt auf eine Portalmaschine fiel.

Erhöhte Eigenfertigung

Die CNC wird hauptsächlich für den Küchen-Korpusbau eingesetzt, mittlerweile verzichtet man bei Möbelkomponenten beinahe völlig auf Zukaufteile. „Durch die Erweiterung unseres Maschinenparks innerhalb der letzten drei Jahren konnten wir unseren Eigenfertigungsgrad massiv erhöhen. Zudem bieten wir unseren Lehrlingen auch eine komplettere Ausbildung an“, fasst Holztrattner die Benefits zusammen.

Und wie sieht es mit weiteren Investitionen aus? „Eventuell investieren wir noch in eine neue Plattensäge, das würde die Produktionskette komplettieren“, überlegt Holztrattner, dessen Team aktuell für den Plattenzuschnitt die Formatkreissäge nutzt. Fixiert ist bereits die Investition in eine neue Software zur Optimierung der Maschinenintegration, zudem wurde im Frühjahr eine Speichererweiterung für die PV-Anlage zugekauft. „Wir investieren laufend, adaptieren Schritt für Schritt, allerdings mit Bedacht und passend zu unserer Betriebsgröße – die für mich gut so passt, wie sie ist.“

Beratungs- und planungsintensiv

Auch wenn der Maschinenpark in seine Zuständigkeit fällt, selbst ist Anton Holztrattner in der Produktion kaum mehr aktiv – er kümmert sich vor allem um die Beratung und Planung – unterstützt durch eine externe Planerin, die die 3D-Visualisierungen liefert. „Allerdings fahre ich ab und zu noch auf Montage mit. Nicht, um meine Mitarbeiter zu kontrollieren, sondern um nicht den Bezug zum handwerklich Machbaren, den Ausführenden und dem Geschehen auf der Baustelle zu verlieren. Ich bin gerne Tischler und es gefällt mir, nach wie vor handwerklich aktiv zu sein.“

Als Komplettabwickler prädestiniert

Als weiteres Standbein fungiert man seit 2001 als Handels- und Montagepartner der ebenfalls in Oberhofen ansässigen Fensterproduktion Rekord Fenster. Diese Schiene ist ein weiterer Grund, dass die Tischlerei Holztrattner als Ansprechpartner für sehr umfangreiche Aufträge fungiert: „Vom Fenster über den Parkettboden, Innentüren, die Möblierung aller Räume bis zur eigengefertigten Küche – wir bieten all das an, ebenso wie die Projektkoordination“, erzählt Holztrattner. Die Kunden wollten sich nicht mehr selbst um die Abstimmung der Gewerke kümmern, sondern überließen dies lieber einem verlässlichen Partner, „und dafür sind wir Tischler prädestiniert“.

Küchengeschäft: positive Entwicklung

Es gab Jahre, in denen man in Oberhofen kaum Küchen verkaufte, seit rund acht Jahren geht das Geschäft allerdings wieder steil bergauf – und funktioniert trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten: „Wir haben zahlreiche Anfragen und eine Umsetzungsquote von fast hundert Prozent. Wir merken aber schon, dass die Kunden länger Zeit für eine Entscheidung brauchen. Dennoch sind sie vor allem bei Küchen bereit, sich „etwas G´scheites“ zu leisten, das Bestand hat – und dafür gehen sie zum Tischler und nicht ins Möbelhaus.“ Der Unternehmer ist zudem überzeugt, dass die Nachfragen nach Tischlerküchen nicht nachlassen wird. „Die Zahl der Tischlereien wird aus verschiedenen Gründen zurückgehen, daher wird es für die verbleibenden Betriebe noch lange genug Arbeit geben.“ www.tischlerei-holztrattner.at ■

Küchengeschäft im Aufwind: Durch den Ausbau des Maschinenparks erhöhte man den Eigenfertigungsgrad massiv und verzichtet bei der Küchenproduktion beinahe vollständig auf Zukaufteile. © Tischlerei Holztrattner
© Tischlerei Holztrattner