In der geräumigen Werkstatt des Kunsttischlers und Restaurators Bernhard Herzog herrscht konzentrierte Ruhe. Statt lärmendem Sägen und lautem Klopfen ist es nahezu still. Geruhsam arbeiten Herzog und seine Mitarbeiter vor sich hin. Der Raum ist erfüllt vom Flair der vorrangig antiken Möbel, die hier sorgsam bearbeitet werden. Ein Sekretär, ein Schreibtisch, eine Kommode: Sie alle warten darauf, in neuem Glanz zu erstrahlen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Denn das ist dem Tischlermeister wichtig: „Die Geschichte der einzelnen Stücke darf sichtbar bleiben. Nicht jeder Kratzer, nicht jeder Fleck muss vollständig entfernt werden.“ Mit Hobel, Stechbeitel, Furniermesser und Schellackpolitur geht er behutsam ans Werk. Er verleimt Furniere, ergänzt Intarsien, macht sperrige Schubladen wieder leichtgängig und montiert Beschläge. Letzteres ist „eine meiner liebsten Tätigkeiten. Wahrscheinlich, weil ich dann zufrieden auf die abgeschlossene Arbeit blicken kann“, meint Herzog lächelnd.



Mit Feingefühl …
Herzog vereint das Wissen des Tischlers mit dem feinsinnigen Blick des Restaurators. Nach seiner Ausbildung in der Meisterklasse in Hallein arbeitete er unter anderem beim Bundesdenkmalamt Wien und absolvierte eine Spezialausbildung für Denkmalpflege in Venedig. Heute restauriert er Möbel aller Stilepochen, ebenso sakrale Inneneinrichtungen, Türen und Fenster – immer mit dem Ziel, Substanz zu erhalten, statt sie zu ersetzen. Die Regale seiner Werkstatt erzählen davon: Sie sind gefüllt mit Hölzern, teils vom Vater geerbt, teils neu erworben. „Ich arbeite auswärts für Großaufträge und auch in meiner Werkstatt“, sagt er. „Hier habe ich die Ruhe, mich auf jedes Möbelstück zu konzentrieren.“

… und Handwerkskunst
Materialien wie Schellack, Warmleim oder Naturwachs, die in der industriellen Fertigung kaum noch Verwendung finden, sind für Herzog selbstverständlich. Genauigkeit, Ordnung, die Liebe zum Holz und der Respekt vor dem Beständigen prägen seine Arbeit. „Ich möchte, dass die Möbel weiterleben – mit allen Spuren, die sie im Laufe der Zeit gesammelt haben“, sagt der Kunsttischler. Denn hochwertige Möbel seien es wert, restauriert zu werden, ist er überzeugt. Immer öfter kommen junge Menschen mit Stücken wie Kommoden, Tischen oder Sesseln, die sie von ihren Großeltern geerbt haben. Auch neuere Stücke finden ihren Platz in der Tischlerei, „aber Massivholz muss es sein“, hält der Restaurator bestimmt fest – und streicht dabei über das eben fertiggestellte Stück. www.kunsttischlerei-herzog.at ■
Handwerk mit Geschichte
Bernhard Herzogs Ururgroßvater Peter Herzog aus Bad Gastein legte den Grundstein für eine Familientradition, die seit fast zwei Jahrhunderten für handwerkliche Präzision steht. 1987 übernahm Bernhard den Familienbetrieb von seinem Vater, der bis zu seinem 85. Lebensjahr noch in der Werkstatt mitarbeitete. 1998 übersiedelte man nach Salzburg-Maxglan in eine ehemalige Kfz-Werkstatt. Und auch sein jüngster Sohn interessiert sich schon für das Tischlerhandwerk.