Die ehemalige Maschinenzentralstation entstand in den 1880er Jahren im ersten Bauabschnitt der Hamburger Speicherstadt und diente ursprünglich der eigenständigen Energieversorgung des Quartiers. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch eine Fliegerbombe zu großen Teilen zerstört. Heute ist der „Block M“ Teil eines Sanierungs- und Wiederaufbauprojekts in einem hochsensiblen denkmalpflegerischen Umfeld, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Eine besondere Rolle spielten dabei die historischen Stahlfenster. Sie prägen das Erscheinungsbild der Fassaden, stellen aber hohe technische Anforderungen. Die schlanken Stahlprofile und die vorhandene Bausubstanz ließen nur begrenzten konstruktiven Spielraum zu, gleichzeitig sollten die restaurierten Fenster verbesserten Wärmeschutz, erhöhten Schallschutz und je nach Fassadenseite auch Sonnenschutz gewährleisten.

Keine Standardverglasung, sondern Systementwicklung

Das deutsche Unternehmen Sollingglas erhielt den Auftrag, für die Fenster der Blöcke M 28 und M 29 eine passende Systemlösung zu entwickeln. Im Mittelpunkt stand nicht allein der Aufbau eines geeigneten Isolierglases, sondern das Zusammenspiel aller Bauteile: Stahlrahmen, Lackierung, Klebstoff, Isolierglas-Randverbund, Glasaufbau und Randpassivierung müssen dauerhaft harmonieren. Die Verglasung betrachtete Sollingglas darum als Teil des Gesamtsystems – dies ist insbesondere bei denkmalgeschützten Stahlfenstern relevant, weil Materialunverträglichkeiten, Feuchteeinträge oder Bewegungen im Anschlussbereich langfristig zu Schäden führen können. Den historischen Fensterkitt aus Leinöl und Kreide ersetzte Sollingglas durch einen modernen Kleber, mit dem die Isolierglaselemente in die Stahlrahmen verklebt wurden, um eine stabile Einbindung der Scheiben zu ermöglichen und zugleich die Dauerhaftigkeit des Systems zu gewährleisten. Technisch entscheidend war die Verträglichkeit der Materialien: Die Lackierung des Rahmens musste mit dem Randverbundmaterial der Isolierglasscheibe, dem Klebstoff und der Randpassivierung harmonieren. Bei Isolierglas in historischen Stahlrahmen ist dieser Punkt wesentlich, denn der Randbereich übernimmt nicht nur eine optische Funktion, sondern schützt den Randverbund und beeinflusst die Lebensdauer des Gesamtbauteils.

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Auf der Fleetseite integrierte Sollingglas historisches Glas mit einer Wärmedämmbeschichtung, das je nach Etage auch unterschiedliche Schallschutzanforderungen erfüllt.
Auf der Fleetseite integrierte Sollingglas historisches Glas mit einer Wärmedämmbeschichtung, das je nach Etage auch unterschiedliche Schallschutzanforderungen erfüllt. © Sollingglas

Unterschiedliche Anforderungen je Fassadenseite

Im Norden zur Fleetseite kommt historisches Glas mit einer Wärmedämmbeschichtung (bis Ug = 1,1 W/(m2K)) zum Einsatz. Je nach Etage setzte Sollingglas unterschiedliche Schallschutzanforderungen um, mit Schalldämm-Nennwerten (Rw nach EN ISO 717-1) zwischen 30 und 37 dB. In Teilbereichen wurden Laminate aus jeweils zwei Millimeter dünnen Scheiben mit Schallschutzfolie in den Isolierglasaufbau integriert. Auf der Südseite, zur Straßenseite hin, war neben dem historischen Erscheinungsbild auch der Sonnenschutz zu berücksichtigen. Hier wurde historisches Glas mit einem besonders farbneutralen Magnetron-Coating für einen g-Wert von 39 Prozent eingesetzt, ebenfalls kombiniert mit individuellem Schallschutz. Damit wurde die Verglasung nicht pauschal über das gesamte Gebäude vereinheitlicht, sondern entsprechend Orientierung, Nutzung und bauphysikalischer Anforderung differenziert. Aus ästhetischen Gründen und zum Schutz des Isolierglas-Randverbunds erhielten die Glaselemente eine Randpassivierung. Sie trägt dazu bei, den Randbereich in den historischen Stahlrahmen gestalterisch zurückzunehmen und zugleich vor UV-Einwirkung zu schützen. Gerade bei schlanken Stahlprofilen und historischen Ansichtsbreiten ist der Randbereich der Verglasung ein sensibles Detail. Er entscheidet mit darüber, ob die technische Nachrüstung als Eingriff sichtbar wird oder sich in das vorhandene Erscheinungsbild integriert.

Auf der Südseite, zur Straßenseite orientiert, war neben dem historischen Erscheinungsbild auch der Sonnenschutz zu berücksichtigen.
Auf der Südseite, zur Straßenseite orientiert, war neben dem historischen Erscheinungsbild auch der Sonnenschutz zu berücksichtigen.

Digitalisierung und Dokumentation der Einzelscheiben

Ein wichtiger Bestandteil der Lösung war auch die Digitalisierung der einzelnen Scheiben. Alle Fenster wurden als objektbezogene Einzelbauteile behandelt und die Abmessungen und Glasaufbauten dokumentiert, um die Fertigung, Qualitätssicherung und Montage zu unterstützen und um eine Grundlage für künftige Wartungen, Austausch- oder Restaurierungsmaßnahmen zu schaffen. Für die Sanierung historischer Gebäude ist das zunehmend relevant, denn technische Eingriffe müssen nachvollziehbar und langfristig überprüfbar bleiben. Das Projekt zeigt, wie historische Stahlfenster mit moderner Isolierglastechnik kombiniert werden können, ohne das Erscheinungsbild des Bestands grundsätzlich zu verändern.  
(bt)

In den historischen Stahlfenstern können Materialunverträglichkeiten, Feuchteeinträge oder Bewegungen im Anschlussbereich langfristig zu Schäden führen. Das Team von Sollingglas ersetze den historischen Kitt darum durch einen modernen Kleber, um eine stabile und dauerhafte Einbindung der Scheiben zu ermöglichen.
In den historischen Stahlfenstern können Materialunverträglichkeiten, Feuchteeinträge oder Bewegungen im Anschlussbereich langfristig zu Schäden führen. Das Team von Sollingglas ersetze den historischen Kitt darum durch einen modernen Kleber, um eine stabile und dauerhafte Einbindung der Scheiben zu ermöglichen. © Sollingglas