„Der Bestand als Business Case.“ Unter dieses Motto stellt die IG Lebenszyklus Bau ihres Kongresses, der im November in Wien stattfand. Im Mittelpunkt des Kongresses stand die Frage, wann sich der Bestand rechnet – und für wen. Praxisbeispiele von ÖBB-Infrastruktur und JP Immobilien sowie Impulse aus Investment und Finanzierung machten deutlich: Sanierung und Umnutzung werden dann zum erfolgreichen Business Case, wenn Daten, Ziele und Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten von Anfang an stimmen.
Größte Chance
„Der Bestand ist nicht das Problem der Bau- und Immobilienwirtschaft, er ist ihre größte Chance“, meinte Christoph Müller-Thiede, Sprecher des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau. „Nachhaltig wird unsere Branche nur, wenn wir aufhören, Neubau als Normalfall zu sehen. Das meiste gebundene CO₂, die meisten Werte und die meisten Möglichkeiten liegen im Bestand – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.“
„Der Gamechanger im Bestand ist die Betrachtung von CO2-Effizienz über den gesamten Lebenszyklus. Gerade die grauen Emissionen aus der Herstellung müssen Berücksichtigung finden”, bestätigte Timm Sassen (Greyfield Group und Vorstand des Vereins Bauen in Bestand in Berlin) in seiner Keynote.
„Für uns als Bank ist es vor allem wichtig, früh im Projekt eingebunden zu sein. Jedes Projekt ist anders und gehört individuell beurteilt – das gilt für den Neubau wie für den Bestand”, betont Keynote-Speakerin Andrea Kobetic, Unicredit Bank Austria.
Die IG Lebenszyklus präsentierte am Kongress neun neue Leitfäden, die zeigen, wie sich Gebäudeportfolios strategisch und klimafit steuern lassen, welche Geschäftsmodelle Werte über den Lebenszyklus erhalten und wie neue Nutzungen neue Potenziale aufzeigen. „Rund 2,76 Millionen Gebäude stehen in Österreich, ein Großteil davon wird auch 2050 noch genutzt werden“, so die IG Lebenszyklus Bau. Knapp vier von fünf seien Wohngebäude, davon rund drei Viertel Einfamilienhäuser. „Ob Klimaziele erreicht und Werte gesichert werden, entscheidet sich daher zu einem großen Teil im Bestand.“
Weitere Schwerpunkte der neuen Leitfäden sind die digitale Bestandserfassung, technische Lösungen und Rechtssicherheit für wiederverwendete Bauteile, partnerschaftliche Projektmodelle, die Projektvorbereitung bei Sanierungen sowie der Weg zum erfolgreiche Business Case im Bestand. Alle Publikationen stehen kostenfrei im neu aufbereiteten Publikationshub bereit: www.ig-lebenszyklus.at/publikationen
