Unter dem Leitgedanken „Kooperationen, die wirken“ haben sich auf Initiative von Renowave.at und der IG Lebenszyklus Bau 36 Verbände und Organisationen darüber verständigt, in welchen Bereichen die Transformation des Gebäudebestands gemeinsam in die Umsetzung gebracht werden kann. Ein zentraler Schritt ist der erstmalige Schulterschluss zwischen Wirtschaftskammer Wien, Landesinnung Bau, Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Fachverband der Ingenieurbüros und Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker. Damit bündeln mehrere maßgebliche Institutionen ihre Kräfte entlang der Wertschöpfungskette – und schaffen die Grundlage für abgestimmtes Handeln zwischen Planung, Ausführung und Betrieb.

Schulterschluss entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Dass dieser Schulterschluss eine klare wirtschaftliche Dimension hat, machte Conrad Bauer, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien, deutlich. Die Bestandsoptimierung sei längst ein zentrales Thema für den Standort, von dem rund 110.000 Wiener Betriebe – und damit nahezu jedes zweite Unternehmen – direkt oder indirekt betroffen sind. „Die Kooperation mit der Kammer der Ziviltechniker*innen und ist daher ein logischer und notwendiger Schritt. Gemeinsam können wir auf Landes- und Bundesebene bessere Rahmenbedingungen schaffen und den Standort Wien nachhaltig stärken“, betonte Bauer.

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Auch aus Sicht der Planer*innen ist der Schulterschluss ein entscheidender Hebel für wirksame Kooperationen. Daniel Fügenschuh, Präsident der Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechniker in Wien, verwies auf die zentrale Rolle des Gebäudesektors im Energieverbrauch und damit für die Klimaziele. „Die Zukunft des Bauens liegt im Weiterbauen, Umbauen und Aktivieren vorhandener Strukturen. Der Bestand in Österreich bietet viel Potenzial, das genutzt werden muss, und wir Ziviltechniker*innen sehen uns in einer Schlüsselposition, um hier Zukunftslösungen zu gestalten“, so Fügenschuh.

Vier Handlungsfelder für die praktische Umsetzung

Was sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hat, wird damit konsequent weitergeführt: Kooperationen über Verbands- und Disziplingrenzen hinweg sind zur zentralen Voraussetzung geworden, um Sanierung und Bestandsoptimierung als gesamtwirtschaftliche Aufgabe voranzubringen. Entsprechend geht es beim diesjährigen Gipfel nicht mehr um Problembeschreibungen, sondern um konkrete nächste Schritte und gemeinsame Umsetzung. Bereits der erste Sanierungsgipfel im Mai 2025 habe gezeigt, welches Potenzial in der Zusammenarbeit liegt, so die Veranstalter.

In einem vertiefenden Arbeitsprozess wurden vier zentrale Handlungsfelder definiert: die Positionierung der Sanierung als Werttreiber von Immobilien, die Entwicklung transparenter und vergleichbarer Bewertungsansätze für den Gebäudebestand, neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle sowie die Stärkung von Hausverwaltungen und Facility Management als Schlüsselakteur*innen in der Umsetzung.

Bessere Daten, mehr Know-how

Aufbauend auf den Ergebnissen des Vorjahres wurde etwa im Bereich Finanzierung betont, dass tragfähige Modelle eine zentrale Voraussetzung für Sanierungen sind, insbesondere für Gemeinden, die künftig zusätzliche Energieeinsparverpflichtungen erfüllen müssen. Im Zuge des Sanierungsgipfels 2026 stellte sich zudem ein verbesserter Zugang zu Energieausweis-Daten als wesentliches Anliegen heraus. Diskutiert wurde unter anderem eine nationale Bundes-Energieausweis-Datenbank, die einschlägige Daten strukturierter verfügbar und besser auswertbar macht – als Grundlage für fundierte Entscheidungen im Portfoliomanagement, für Eigentümer*innen sowie für Forschungseinrichtungen.

Als wesentliches Sanierungshindernis wurde die hohe Komplexität durch neun unterschiedliche Bauordnungen, unterschiedliche Förderlandschaften und vielfältige rechtliche Rahmenbedingungen identifiziert. Entsprechend groß sei der Bedarf an Harmonisierung, sowohl bei Bauvorschriften und Förderungen als auch bei angrenzenden Rechtsmaterien wie dem Mietrecht. Vorgesehen sind laut den Veranstaltern Gespräche mit relevanten Stellen, die stärkere Einbindung juristischer Expertise sowie abgestimmte Positionen, um praxistaugliche Rahmenbedingungen für Sanierungsprojekte zu schaffen.