„Die Dämmstoffbranche hat sich in den Monaten Jänner und Februar 2026 nochmals schlechter als im Vorjahr entwickelt. März und April hingegen liefen besser als in 2026.“ Klaus Demacsek, Geschäftsführer der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (GPH), zeichnet für seine Branche ein ähnliches Bild wie viele andere Vertreter der Bauwirtschaft für ihre Gewerke: Nach einem langen Winter, lief es im März und April etwas besser.

Doch nicht alles gut

Alles gut also? Nicht ganz. „Allerdings kann aufgrund dessen kein eindeutiges Bild gezeichnet werden, da es durch den Krieg gegen den Iran und die Sperre der Straße von Hormus zu massiven Rohstoffkostenerhöhungen und Lieferkettenproblemen gekommen ist. Der erhöhte Absatz in der Dämmstoffbranche könnte damit zusammenhängen“, schränkt Demacsek ein. Ungeachtet dessen bleibt er zuversichtlich. Man erhoffe sich „eine leichte Verbesserung des Geschäfts im Jahr 2026“.

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Harte Jahre hintre sich

Das könnte die Branche auch gut gebrauchen. Denn die heimische Dämmstoffanbieter haben schwierige Jahre hinter sich. Nach dem massiven Rückgang um rund 30 Prozent zwischen 2021 und 2024 stieg der Absatz zwar 2025 wieder leicht um 0,6 Prozent auf 4,4 Millionen Kubikmeter. Aber eine echte Erholung war das noch nicht. „Wir haben die Talsohle am Dämmstoffmarkt durchschritten, von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein“, meint auch Roland Hebbel, Vorstand des Branchenverbands GDI 2050, in dem die Dämmstoff- und Fensterindustrie sowie weitere Hersteller aus dem Bereich der Gebäudehülle vertreten sind.

Talsohle durchschritten

Hebbel weiter: „Wir haben die Talsohle am Dämmstoffmarkt durchschritten, von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein. Das leichte Plus 2025 ist ein erstes Signal, nach dem massiven Einbruch der Vorjahre. Für 2026 hoffen wir auf eine weitere Erholung.“ Gerade in einer geopolitisch angespannten Lage und einer instabilen Energiesituation zeige sich, „wie entscheidend eine leistungsfähige Gebäudehülle“ sei: „Sie schafft mehr Unabhängigkeit, erhöht die Stabilität und senkt den Energiebedarf dauerhaft.“

Innerhalb der einzelnen Dämmstoffarten zeigte sich 2025 ein unterschiedliches Bild: Die Schaumstoffe (EPS, XPS und PUR) legten um 4,9 Prozent auf 2,5 Millionen Kubikmeter zu. Die Mineralwolle (Stein- und Glaswolle) verzeichnete ein Minus von 3,8 Prozent auf 1,8 Millionen. Die vor allem im Einfamilienhausbau verwendeten alternativen Dämmstoffe wie Zellulose, Schafwolle oder Hanf gingen um 10,5 Prozent auf 170.000 Kubikmeter zurück.

Stimmung schwankt

Die Stimmung in der Branche schwankt zwischen verhaltenem Optimismus und Unsicherheit. Niemand weiß, welche Auswirkungen der Krieg im Iran noch haben wird.  „2026 zeigt sich eine stabilere Entwicklung als im Vorjahr. Die Baukonjunktur hat sich leicht verbessert, insbesondere durch wieder steigende Finanzierungen im Wohnbau. Gleichzeitig beobachten wir geopolitisch bedingte Nachfragespitzen, die nicht rein konjunkturell erklärbar sind“, meint auch Austrotherm-CEO Heimo Pascher. „Unsicherheit hinsichtlich Rohstoffverfügbarkeit und Preisentwicklung führt teilweise zu Vorratskäufen entlang der Wertschöpfungskette.“

Konflikte im Auge

Die Einschätzung von Michael Allesch, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb bei Saint-Gobain Austria, klingt ähnlich. „Für 2026 wird für die Bauwirtschaft ein Wachstum von 0,6 Prozent vorhergesagt.  Auch wir verspüren eine etwas optimistischere Stimmung am Markt“, sagt er – und ergänzt einschränkend: „Dennoch müssen wir die Entwicklungen im internationalen Konfliktgeschehen im Auge behalten, da diese negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Gesamtlage haben könnten.“

Mittelfristig erhofft sich die Branche mit Blick auf die Klimaziele durchaus Impulse. Der Umstand, dass die Regierung unlängst die Förderungen für die thermische Sanierung gestrichen hat, führt allerdings zum Gebrauch des Konjunktivs: „Die Sanierungsrate im Bereich der thermischen Sanierung ist mit 0,9 Prozent für den bestehenden hohen Bedarf weiterhin viel zu niedrig – insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaziele“, meint Allesch. „Eine Trendwende wäre durch mehr Impulse, Fördermaßnahmen oder gesetzliche Vorgaben möglich.“

Fokus auf Nachhaltigkeit

Dennoch setzt die Dämmstoffbranche auf das Thema Nachhaltigkeit – vor allem auf Recycling: „Die Kreislaufwirtschaft ist für die gesamte Dämmstoffbranche wichtig“, meint GPH-Geschäftsführer Demacsek. Er ergänzt: „Allerdings sehe ich einen großen Vorteil von EPS gegenüber anderen Dämmstoffen, da hier ein fix und fertiges Konzept vorliegt, das bereits 2024 umgesetzt wurde. Dadurch sind wir unserer Vision, dass heutige Dämmplatten als Rohstoff für morgen dienen können, einen deutlichen Schritt nähergekommen.“

Fix und fertiges Konzept

Mit dem „fix und fertigen Konzept“ spricht Demacsek das Projekt Epsolutely an, das von Experten als „echter Meilenstein“ der Kreislaufwirtschaft bewertet wird. Zwölf Unternehmen aus der Dämmstoffbranche, der Abfallwirtschaft und der Bauwirtschaft haben unter der wissenschaftlichen Leitung von Fraunhofer Austria ein umfassendes System zur Sammlung und Verwertung von EPS-Abfällen entwickelt. Beteiligt sind unter anderem Austrotherm, Hirsch Porozell, Steinbacher, Sunpor der Abfallspezialist Saubermacher und die Porr.

Ziel ist es, Material in einen geschlossenen Kreislauf zu führen – von Verpackungen über Baustellenverschnitt bis hin zu Abbruchmaterialien. Das Material wird getrennt, gesammelt und anschließend bei der Produktion von neuem Styropor verwendet. In Zukunft sollen 80 Prozent der Baustellenabfälle in den Recyclingkreislauf überführt werden, sowie 50 Prozent der Abbruchabfälle und 70 Prozent der Verpackungsabfälle.

Frage der Logistik

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft war die Projektgruppe unter anderem mit der Herausforderung konfrontiert, wie sich die Logistik der Materialrückholung organisieren lässt. Dabei nutzten sie Erkenntnisse, die Austrotherm bei seinem Recycling von XPS-Platten in den vergangenen Jahren gemacht hat.

Im Rahmen von Epsolutely wurden 5000 Sammelsäcke mit QR-Codes versehen und verteilt. Sie kamen dort zum Einsatz, wo Dämmplatten beim Hausbau zugeschnitten wurden. Über den aufgedruckten QR-Code erreichten die Verarbeiterinnen und Verarbeiter eine Online-App, in der sie die Säcke zur Abholung anmelden konnten. Die Postleitzahl der Baustelle bestimmte, welcher der Projektpartner für den Transport und die Wiederverwendung des Styropors zuständig war. Der Barcode am Sammelsack ermöglichte die eindeutige Identifikation und Nachverfolgung.

Sichere Daten

Bei der Entwicklung der App legte man einen besonderen Fokus auf das Thema Datensicherheit: „Auch wenn in der App lediglich Abholdaten erfasst werden, war es uns – auch aus kartellrechtlichen Gründen – wichtig, dass kein Datenaustausch zwischen den Unternehmen stattfindet“, erläuterte Christoph Pröbstl, Projektleiter bei Austrotherm, anlässlich der Präsentation des Services vor einem Jahr. Pröbstl weiter zur App: „Als Basis für Abfallbilanzen ist die Auswertbarkeit der Einzelunternehmen für Qualitätsprüfungen und Mengengerüste essenziell. Workflowintegration und Usability spielen ebenfalls eine große Rolle, denn die Software muss für jeden Anwender einfach zu bedienen und unabhängig vom jeweiligen ERP-System nutzbar sein.“

„Das Epsolutely-Projekt zeigt, dass expandiertes Polystyrol der Wertstoff der Zukunft ist“ meinte GPH-Obmann Hebbel damals. Heutige Dämmplatten, so Hebbel weiter, „können als Rohstoff für morgen dienen – ohne den Einsatz primärer Ressourcen“.

Hoffnungen erfüllt

Die Hoffnungen, die man vor einem Jahr beim Start gehegt hat, dürften sich erfüllt haben. Epsolutely „wurde vom Markt hervorragend aufgenommen. 2025 konnte bereits eine Vervierfachung der Recyclingmenge erzielt werden“, sagt GPH-Geschäftsführer Demacsek. „Auch die ersten drei Monate in 2026 sind sehr gut gelaufen und haben ein 50-prozentiges Plus gebracht.“ Man versuche nun mit einer umfassenden Kommunikationskampagne, mehr Verarbeiter für unser Recyclingservice zu begeistern. „Für 2026 hoffen wir auf eine Verdoppelung der Recyclingmenge gegenüber dem Vorjahr.“

Gut angenommen

Zufrieden zeigt man sich auch Austrotherm. Epsolutely entwickle sich sehr positiv und werde vom Markt „sehr gut angenommen“, bestätigt Austrotherm-CEO Pascher. „Seit dem österreichweiten Start 2024 steigen die Rücklaufmengen kontinuierlich.“ Besonders geschätzt werde die einfache Abwicklung über Sammelsäcke mit QR-Code sowie die direkte Abholung von der Baustelle. Aufgrund der steigenden Mengen plant Austrotherm den Ausbau der Kapazitäten in der Recyclinganlage in Purbach.

Pascher betont zudem, dass „unsere Dämmstoffe aus EPS und XPS zu 100 Prozent recyclingfähig“ seien und Austrotherm für XPS „als einziger Hersteller in Österreich“ eine Rücknahme und Recycling anbiete. „EPS- und XPS-Baustellenabfälle werden ab zehn Säcken kostenlos abgeholt und wieder in den Kreislauf zurückgeführt.“

So lange wie möglich im Kreislauf

Die Kreislaufwirtschaft hat Saint-Gobain Austria ebenfalls im Blick. Man verfolge „das klare Ziel, seine Baustoffe so lange und hochwertig wie möglich im Kreislauf zu halten“, sagt Geschäftsführer Allesch. Daher werde bereits bei der Produktentwicklung an den Rückbau und das Recycling gedacht. „Die Trennbarkeit von Einzelkomponenten spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn nur so kann hochwertiges Recycling erfolgen und die langfristige Zirkularität von Produkten sichergestellt werden.“

Easy Eco

Saint-Gobain setzt unter anderem auf das eigene Rücknahme- und Recyclingprogramm Easy Eco. Damit gelinge es laut Allesch „wertvolle Rohstoffe zu sichern und gleichzeitig die Umweltbelastung zu minimieren“. Das Unternehmen arbeitet hier ebenfalls eng mit Partnern aus der Bau- und Entsorgungsbranche zusammen, um effiziente Logistik- und Verwertungskonzepte umzusetzen. Allesch: „Ziel ist es, den Anteil an recyceltem Material kontinuierlich zu erhöhen und so einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen und zur Schonung natürlicher Ressourcen zu leisten.“

Wolle aus Recyclingglas

Recycling spielt auch bei der Produktion von Dämmstoffen eine Rolle, die Saint-Gobain unter der Marke Isover vertreibt. Das Unternehmen hat vor kurzem die neue Mineralwolle Isover Lanaé auf den Markt gebracht, die bis zu 80 Prozent aus Recyclingglas besteht. Sie besitzt laut Hersteller zudem eine „angenehme Haptik“, die das Ergebnis eines neuen Herstellungsprozesses sei, der als besonders klimafreundlich gelte.

„Das Produkt erfüllt höchste Standards hinsichtlich Wohngesundheit sowie Brand-, Schall- und Wärmeschutz“, erläutert man bei Saint-Gobain und verweist darauf, dass der innovative Dämmstoff das Eurofins Indoor Air Comfort Gold-Zertifikat erhalten hat. Auch das neue Verpackungsmaterial unterstreiche den Nachhaltigkeitsgedanken: „Lanaé wird ausschließlich in Folie verpackt ausgeliefert, die einen etwa 30-prozentigen Rezyklat-Anteil aufweist und sich durch eine hohe Wiederverwertbarkeit auszeichnet.“

Die Partner von Epsolutely: Der Start war erfolgreich.
Die Partner von Epsolutely: Der Start war erfolgreich. © GPH/Pepo Schuster
Projekt von Austrotherm: 2026 stabiler als das Vorjahr.
Projekt von Austrotherm: 2026 stabiler als das Vorjahr. © Austrotherm
Saint-Gobain Austria-Geschäftsführer Michael Allesch: etwas optimistischere Stimmung am Markt.
Saint-Gobain-Geschäftsführer Michael Allesch: etwas optimistischere Stimmung am Markt. © Saint-Gobain Austria
Ein Fall für die Kreislaufwirtschaft: Dämmstoffe werden verstärkt recycelt.
Ein Fall für die Kreislaufwirtschaft: Dämmstoffe werden verstärkt recycelt. © Vladimir Dyavhkov istock getty images plus
Austrotherm-CEO Heimo Pascher: Epsolutely vom Markt sehr gut angenommen.
Austrotherm-CEO Heimo Pascher: Epsolutely vom Markt sehr gut angenommen. © Austrotherm
Wohnanlage Jokomini Verde in Graz: lechtes Plus in 2025 als erstes Signal.
Wohnanlage Jokomini Verde in Graz: leichtes Plus in 2025 als erstes Signal. © Austrotherm
Klaus Demacsek, Geschäftsführer GPH
Klaus Demacsek, Geschäftsführer GPH

„Dadurch sind wir unserer Vision, dass heutige Dämmplatten als Rohstoff für morgen dienen können, einen deutlichen Schritt nähergekommen.“