Der verstärkte Einsatz von Photovoltaik (PV) kann auch für Verarbeiter im Metallbau lukrativ sein. Es lohnt sich also, einen genauen Blick auf die Entwicklungen und das breite Einsatzspektrum von Solar-Fassaden zu werfen, um umweltfreundliche und nachhaltige Projekte zu realisieren.
Die PV-Fassaden gewinnen an Bedeutung, da sie ungenutzte Vertikalflächen aktivieren und vor allem im Winter bei tiefstehender Sonne hohe Erträge lieferen. Und damit die gesamte Gebäudehülle in ein Kraftwerk verwandeln.
Systeme im Überblick
Solarmodule lassen sich auf verschiedene Arten an Fassaden anbringen:
- Bei Kaltfassaden (vorgehängte, hinterlüftete Fassaden, kurz VHF) werden die Module mittels einer Unterkonstruktion auf die bestehende Fassade montiert.
- Bei Warmfassaden werden die Module direkt in Gebäudehülle integriert und dienen zusätzlich als Wärmedämmung sowie Sonnen- und Wetterschutz.
Kernaufgaben im Überblick
Der Metall- und Stahlbau ist praktisch das tragende Rückgrat der Photovoltaik: Er sorgt für statische Sicherheit, Langlebigkeit unter Witterungseinflüssen sowie die bauliche Integration von Modulen in Gebäude und Infrastruktur.
Für einschlägig tätige Unternehmen im Metallbau ergeben sich bei PV-Projekten folgende Kernaufgaben:
- Statische Berechnung & Konstruktion: Auslegung von Tragsystemen unter Berücksichtigung von Wind- und Schneelasten sowie der Vorstatik von Bestandsdächern.
- Fertigung & Oberflächenschutz: Herstellung von Profilen, Konsolen und Tragwerken aus feuerverzinktem Stahl, Aluminium oder Edelstahl zum Schutz vor Korrosion.
- Präzisionsmontage: Verankerung von Unterkonstruktionen mittels Profilen, Schraubfundamenten, Betonfundamenten.
- Sonder- und Maßanfertigungen: Entwicklung individueller Halterungen für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV).
Gute Erträge
Die vertikalen PV-Fassaden liefern sehr gute Erträge in den Morgen- und Abendstunden sowie in den ertragsarmen Wintermonaten, wenn die Sonne tief steht. Nachfolgend stellen wir einige interessante und ertragreiche Projekte vor, die das Potenzial bei gewerblich genutzten PV-Fassaden verdeutlichen.
Projekt #1: Photovoltaik am Hochhaus
Als europaweit erstes Hochhaus in dieser Größenordnung setzt der DC Tower 2 in Wien mit seiner umlaufenden Photovoltaik-Fassade ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit, Energiewende und zugleich zukunftsgerecht designte Architektur. Mit 175 Metern Höhe und 53 Stockwerken hat das Hochhaus seine endgültige Dimension erreicht, die gläsern schimmernde Außenhaut setzt technologisch neue Maßstäbe.
Die Umsetzung der Elementfassade mit integrierter Photovoltaik erforderte intensive Entwicklungsarbeit – insbesondere im Hinblick auf Brandschutz, Zulassungen und bauphysikalische Nachweise. Montiert wurden rund 3.400 Photovoltaik-Module auf eine projektspezifisch entwickelte Unterkonstruktion aus CO₂-reduziertem Aluminium.
Seitens des Fassadenbau-Unternehmens Sauritschnig sagt Geschäftsführer Marko Buxbaumer: „Die Integration der Photovoltaik in ein Hochhaus dieser Größe war ein echtes Engineering-Projekt und Neuland für alle. Entscheidend war, eine Lösung zu entwickeln, die alle bauphysikalischen und sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar bleibt.“ Der aus der „Gebäudehülle“ erzeugte Solarstrom wird im laufenden Betrieb genutzt, etwa für Kühlung, Haustechnik oder Allgemeinflächen. Rein rechnerisch reicht die Leistung der Anlage, um bis zu 200 Einfamilienhäuser zu versorgen. Für die gesamte Energieversorgung des rund 60.000 Quadratmeter großen Gebäudes liefert die gigantische Fassadenanlage trotzdem noch nicht genug, doch sie reduziert den externen Energiebedarf deutlich. Ein zusätzlicher Effekt: Die Solarpaneele sind gleichzeitig Sonnenschutz, sie verringern die Aufheizung der Innenräume und senken damit den Energiebedarf für Kühlung – ein entscheidender Faktor gerade bei Hochhäusern. Mit seiner Photovoltaikfassade zeigt der DC Tower 2 eindrucksvoll, wohin sich der urbane Hochhausbau entwickelt: weg vom reinen Energieverbraucher hin zum aktiven Bestandteil der Energiewende. Die Energiegewinnung über die Fassade, Dachbegrünung und Regenwassernutzung sind Bestandteile des ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepts – mit dem Ziel einer LEED-Platin-Zertifizierung.
Projekt #2: Energetisch optimierte Photovoltaik-Fassade
Bei einem modernen Neubau wurden auf rund 700 Quadratmeter Photovoltaik-Module in die Gebäudehülle integriert – getragen von einer wärmebrückenarmen, montagefreundlichen Unterkonstruktionslösung.
Der Neubau wurde in Stahlbetonbauweise errichtet. Ziel des Projektes: eine hochwertige Gebäudehülle, die sowohl gestalterisch als auch energetisch überzeugt. Die PV-Anlage ist vollständig in die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) integriert und bildet einen zentralen Baustein des nachhaltigen Gebäudekonzepts. Die Architekten haben hier auf elegante und wirtschaftliche Weise die Anforderungen an die Fassade hinsichtlich Gestaltung, Funktionalität, Wärmeschutz und insbesondere Brandschutz (Gebäudeklasse 4, schwer entflammbar) umgesetzt.
Bei der Ausführung arbeiteten der Solartechniker und der Fassadenbauer Hand in Hand. Entstanden ist ein Bürogebäude mit einer ästhetisch hochwertigen, sicheren Fassade, welche die nachhaltige und wirtschaftliche Energieproduktion garantiert.
Für die Installation der Glas-Glas-Solarmodule (Solarwatt vision GM 3.0 construct) kamen fischer Fassadensysteme zum Einsatz. Winkelförmige L-Wandhalter (FLH R) des vertikalen Tragsystems (ATK 100) aus Edelstahl bildeten die Grundlage der Unterkonstruktion. Die Edelstahlhalter mit sehr guten bauphysikalischen Eigenschaften verankern die Konstruktion mit fischer Befestigungsmitteln wärmebrückenarm an der Stahlbetonfassade. Daraufhin wurde das System mit T-Profilen sowie den Tragkonstruktionen (ATK 103 P20) zur Lastabtragung im Zusammenspiel mit der vertikalen Unterkonstruktion ergänzt. Die PV-Module selbst wurden abschließend über das Agraffensystem befestigt. Exakt aufeinander abgestimmte Geometrien der Agraffen und der Profile der Tragkonstruktion ermöglichten ein schnelles, sicheres und normgerechtes Einhängen der PV-Module. Ergänzend kamen vertikale Hutprofile (ATK 103 V) zur optimierten Lastabtragung zum Einsatz, worüber die PV-Module direkt in das horizontale Tragsystem eingehängt wurden.
Die montagefreundliche Unterkonstruktion entspricht dem Niedrigenergiestandard und bildet mit den Glas-Glas-Solarmodulen eine geprüfte, zugelassene Systemlösung. Wärmebrücken wurden durch den Einsatz von Edelstahlhaltern (FLH R) minimiert und die Energieeffizienz der Gebäudehülle maximiert. „Neben der PV-Fassade boten wir unsere technische Unterstützung inklusive gemeinsamer Beratung und Begleitung mit dem Modulhersteller, um statische, konstruktive und gestalterische Anforderungen optimal zu erfüllen“, sagt Mirco Kurth, Technischer Außendienst und Projektentwicklung bei fischer BWM Fassadensysteme.
Projekt #3: PV-Fassade am AKH
Ein großes Projekt ist die vertikale Solarfassade für das Bürogebäude der Universitätsklinik AKH Wien und der MedUni Wien. Die Südfassade liefert klimafreundlichen Sonnenstrom. Um die zwölf Tonnen schwere PV-Anlage ideal auszurichten, musste eine spezielle Unterkonstruktion gebaut werden. Die 90 darauf montierten Solarmodule erzeugen jährlich bis zu 25.000 Kilowattstunden Strom für das 19-stöckige Hochhaus. So lassen sich 15 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Zusätzlich verhindern die matten, dunklen Oberflächen der Module unangenehme Blendungen.
Projekt #4: Buntes Solar Silo
Österreichs erste PV-Anlage an der Fassade eines Siloturms ging Mitte 2023 in Engelhartstetten (NÖ) ans Netz. So wurde aus einem grauen Turm ein bunt bemaltes Silo-Solarkraftwerk. Die an der Südfassade montierten Solarmodule eines Schweizer Herstellers produzieren rund 48.000 Kilowatt-Stunden Strom pro Jahr. Das ist ausreichend, um zwölf Einfamilienhäuser zu versorgen. Wichtiges „Herzstück“ ist ein Wechselrichter (Fronius Tauro), der den hohen Erträgen der 174 Module gewachsen ist.
Die PV-Fassade hat einen großen Vorteil: Wenn die tiefstehende Wintersonne auf die vertikalen PV-Module trifft, produziert der Energieturm auch in der kalten Jahreszeit viel Energie für die örtliche Stromversorgung.
Projekt #5: Photovoltaik „fährt“ U-Bahn
Seit Mitte 2025 ist die PV-Fassade der U6-Station Wien-Floridsdorf in Betrieb. In den ersten drei Monaten wurden bereits 120.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Die integrierten Solarmodule wirken doppelt: Sie erzeugen Strom und spenden zugleich Schatten. Rund 60 Prozent der Fassadenfläche nutzt die PV-Anlage, die restliche Fläche ist transparent und lässt Tageslicht durch. An sonnigen Tagen wird mehr Strom produziert, als vor Ort für Beleuchtung, Lifte und Rolltreppen in der Station benötigt wird. Überschüssiger Strom wird an benachbarte U-Bahn-Stationen abgegeben.
Projekt #6: Solar und kühles Eis




Die Steffl Arena in Wien ist Österreichs größtes Eissportzentrum und Heimstätte der Vienna Capitals. Strombedarf und Verschattung der Eisfläche sind dort ganzjährig ein Thema. Daher wurde neben der Photovoltaikanlage am Dach eine weitere an der Glasfassade montiert. Die Anlage dient nicht nur der Energieversorgung des Eissportzentrums, sie schützt die Eisfläche auch vor direkter Sonneneinstrahlung. Das verbessert die Eisqualität und senkt gleichzeitig den Energiebedarf für die Kühlung. Die Installation der rund 140 ultraleichten Klebemodule an der Glasfassade erfolgte ohne zusätzliche Unterkonstruktionen, was Gewicht spart und den Materialeinsatz reduziert.