Herr Kerschbaum, die Stimmung unter den Herstellern von Klimaanlagen wirkt derzeit widersprüchlich. Die Verkaufszahlen sind noch schwach, aber viel rechnen dennoch mit einem starken Jahr. Wie sehen Sie die Lage?
Roland Kerschbaum: Ich glaube, man sollte mit Ruhe an das Thema herangehen. Die Realität ist: Wir hatten bis vor kurzem noch die Heizsaison. Die klassische Klimasaison beginnt erst, wenn es zwei oder drei Wochen wirklich heiß ist und die Wohnungen nicht mehr auskühlen. Deshalb hinkt Österreich heuer zeitlich hinterher. Gleichzeitig sehen wir aber sehr deutlich, dass das Thema Energiepreise bei den Menschen angekommen ist. Nach einem langen und kalten Winter werden viele Haushalte mit hohen Nachzahlungen konfrontiert sein. Und spätestens dann beginnt das Umdenken. Wer seinen Öltank wieder füllen muss und die aktuellen Preise sieht, erkennt schnell: Billiger wird es wahrscheinlich nicht mehr. Genau an diesem Punkt wird sich der Markt sehr rasch drehen.
Dennoch ein starkes Jahr
Sie rechnen also auch mit einem starken Jahr?
Ja, definitiv. Besonders im Sanierungsbereich. Deutschland läuft bereits auf Hochtouren, dort treffen hohe Förderungen auf hohe Energiepreise. Auch in anderen Nachbarländern sehen wir starke Entwicklungen. Das Problem in Österreich ist eher, dass wir verspätet in die Saison starten. Wenn dann plötzlich alle gleichzeitig investieren wollen, könnte es bei den Kapazitäten eng werden.
Warum?
Der Markt fokussiert sich zunehmend auf natürliche Kältemittel wie R290. Viele der Hersteller, die diese Technologien bereits beherrschen, sind stark in Deutschland engagiert. Wenn Österreich später startet, besteht die Gefahr, dass uns der große Nachbar Kapazitäten wegzieht. Und wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig von einem schwachen Jahr ausgehen und entsprechend vorsichtig planen, dann könnte es im Herbst durchaus knapp werden.
Wie verteilt sich Ihr Geschäft zwischen Wärmepumpe, Klima und Gewerbekälte?
Das Geschäft ist deutlich komplexer geworden. Wärmepumpe ist längst nicht mehr nur Einfamilienhaus-Neubau. Wir sprechen von Sanierung im Bestand, von Gewerbeprojekten, von mehrgeschossigem Wohnbau und mittlerweile auch von Großanlagen bis in den Megawattbereich hinein. Gerade die gewerbliche Sanierung läuft extrem stark. Im Klimabereich sehen wir derzeit noch Zurückhaltung bei klassischen Single-Split-Geräten fürs Schlafzimmer. Aber das ist jedes Jahr ähnlich. Sobald die erste Hitzewelle kommt, jammern plötzlich alle über zu viel Arbeit. Sehr stark läuft hingegen die professionelle Gebäudeklimatisierung – Hotels, Büros oder größere Immobilien. Dazu kommt die Umstellung auf neue Kältemittel aufgrund der F-Gas-Verordnung. Viele bestehende Systeme müssen in den kommenden Jahren erneuert werden.
Wie schaut es bei den Preisen aus? Wie stark spüren Sie die Auswirkungen des Irankriegs?
Sehr deutlich. Viele Vorprodukte kommen aus Asien. Wenn dort Energie teurer wird, steigen automatisch auch die Produktionskosten. Das betrifft Kunststoffe, Dämmstoffe, Speichertechnologien – praktisch alles. Ich rechne damit, dass wir in der Bauwirtschaft und der Gebäudetechnik zweistellige Preissteigerungen sehen werden, sobald bestehende Lagerbestände aufgebraucht sind. Für viele Bauherren bedeutet das: Das Budget muss neu gerechnet werden. Wer sich fixe Baukosten gesichert hat, kann sich glücklich schätzen. Alle anderen werden die Auswirkungen spüren.
Wo wir schon bei den Kosten sind: Der aktuelle Fördertopf für den Kesseltausch ist bald leer. Was wünschen Sie sich hier von der Regierung?
Vor allem Klarheit und Stabilität. Diese permanenten Diskussionen richten enormen Schaden an. Sobald jemand öffentlich sagt, die Förderung könnte erhöht oder verlängert werden, beginnen die Leute zu warten. Dadurch verschiebt sich die Nachfrage künstlich nach hinten. Dabei ist der Trend ohnehin da. Die Energiepreise treiben den Markt ganz automatisch. Was wir brauchen, ist ein klarer Fahrplan: Wie viel Geld steht zur Verfügung? Wie wird es aufgeteilt? Ab wann darf beantragt werden? Wenn die Menschen Planungssicherheit haben, können sie vernünftig rechnen und Entscheidungen treffen.
Wird die Bedeutung der Förderungen überschätzt?
Natürlich helfen Förderungen. Aber ich sage ganz bewusst: Die Wärmepumpe ist auch ohne Förderung die wirtschaftlich klügste Heizung, die man derzeit kaufen kann. Wir sollten endlich aufhören, ausschließlich über CO₂ oder die Rettung der Welt zu sprechen. Der durchschnittliche Hausbesitzer entscheidet am Ende nach seiner Geldbörse. Wenn jemand heute einen alten Ölkessel gegen eine Wärmepumpe tauscht, dann reden wir – bei aktuellen Energiepreisen – teilweise über einen Return on Investment von rund 20 Prozent. Das bedeutet: Nach fünf oder sechs Jahren hat sich die Investition allein über die eingesparten Betriebskosten amortisiert. So etwas bietet heute kein Sparbuch. Das ist das beste Argument.
Sprechen wir noch über Panasonic. Wie wollen Sie in Österreich weiter zulegen?
Ein ganz zentraler Punkt ist die Europäisierung unserer Produktion. Wir haben bereits 2018 begonnen, Wärmepumpen nicht mehr in Malaysia, sondern in Europa zu fertigen. Heute verfügen wir über mehrere große Werke in Europa – unter anderem in Tschechien, Frankreich, Italien und Polen. Das erhöht nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit. Früher betrug die Lieferzeit aus Asien teilweise fünf bis sechs Monate. Heute können wir innerhalb weniger Wochen reagieren. Das ist in einem Markt, der sich so dynamisch entwickelt wie unserer, ein enormer Vorteil.
Was verändert sich bei den Produkten?
Früher haben wir standardisierte Produkte verkauft. Heute arbeiten wir bei vielen Großprojekten direkt mit Planern und Städten zusammen. In Wien entwickeln wir beispielsweise spezielle Wasser-Wasser-Wärmepumpen für urbane Anwendungen. Da geht es plötzlich um individuelle Lösungen, um Energienetze, um Fernwärme und Fernkälte. Das ist eine völlig neue Form der Marktbearbeitung.