Mitarbeiterführung ist der wichtigste oder zumindest ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Betriebe am Bau. 86 Prozent der Bauzeitung-Leser*innen stimmen dieser Aussage in der aktuellen Umfrage zu – und viele investieren viel Zeit und Geld in die Schulung ihrer Führungskräfte.
Karin Schöller, Business Coach und Unternehmensberaterin mit großer Erfahrung am Bau, hat eine differenzierte Sicht über die Qualität der Führung auf den heimischen Baustellen: „Es gibt am Bau viele gute Praktiker und hervorragende Führungspersönlichkeiten. Sie kennen die Realität auf der Baustelle, treffen gute Entscheidungen und übernehmen Verantwortung“, meint sie. Gleichzeitig, so Schöller weiter „wird Führung aber noch sehr stark über Fachkompetenz, Hierarchie und Problemlösungsfähigkeit definiert: Wer fachlich gut ist, wird relativ rasch zur Führungskraft. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass diese Person auch über Führungskompetenz verfügt.“
Einiges getan
Dennoch: Gerade bei der Führungskräfteentwicklung hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren bei den heimischen Baubetrieben einiges getan. „Unternehmen haben erkannt, dass Fachkompetenz und Führungskompetenz zwei unterschiedliche Dinge sind. Und dass Führung nicht einfach nebenbei im Tagesgeschäft erledigt werden kann.“
Die Bauzeitung wollte wissen, welche Bedeutung das Baugewerbe dem Thema gibt und hat ihre aktuelle Leser*innen-Umfrage der „Führung am Bau“ gewidmet. Die Antworten auf die erste Frage sind mehr als eindeutig: 86 Prozent der Befragten halten die Mitarbeiterführung für einen wichtigen oder sogar den wichtigsten Erfolgsfaktor. Das ist klar. Die restlichen 14 Prozent antworteten immerhin noch mit einem „gehört dazu“.
Gefragt nach den wichtigsten Faktoren für gute Mitarbeiterführung haben sich die Leser*innen vor allem für drei Vorschläge entschieden: 91 Prozent nennen den respektvollen Umgang auf Augenhöhe, 77 Prozent klare und direkte Kommunikation und 73 Prozent „klare Aufgaben, Zuständigkeiten und Erwartungen“. Andere Faktoren folgen mit einem gewissen Abstand: So nennen immerhin noch 50 Prozent „Vorbildfunktion und Verlässlichkeit der Führungskraft“. 41 Prozent halten „gute Arbeitsvorbereitung und Baustellenorganisation“ für sehr wichtig und 36 Prozent „Anerkennung, konstruktives Feedback und Konfliktlösung“.
Hohe Bedeutung
Die hohe Bedeutung, der die Mitarbeiterführung gegeben wird, spiegelt sich auch in den Reaktionen auf Frage drei wider. „Wie wichtig ist in Ihrem Betrieb die Schulung der Führungskräfte?“, lautete sie. Das Ergebnis fällt auch hier recht deutlich aus. 18 Prozent der Befragten, antworten mit „sehr wichtig, es wird viel Zeit und Geld investiert“, weitere 45 Prozent geben „wichtig“ an. Nur „einigermaßen wichtig“ ist die Führungskräfteschulung laut der Umfrage in 32 Prozent der Betriebe und nicht so wichtig nur in fünf Prozent.
Ein breites Spektrum offenbarte die abschließende Frage nach den größten Herausforderungen bei der Mitarbeiterführung. „Der schmale Grad, Leistung einzufordern, es aber nicht zu übertreiben“, lautete eine Antwort. „Gleiches gilt bei den Vorgabe für Leistungen, die MA wollen hier immer mehr Freiheit, wie sie zum Ziel kommen und auch das Thema der flexiblen Arbeitszeit ist oft schwierig zu handhaben“, meint der oder die Teilnehmer*in weiter.
Eine Antwort beleuchte zwei Probleme: „Zu wenig Zeit und Aufnahmefähigkeit der Mitarbeiter. Leider wird die Qualität der Lehrlinge in den letzten Jahren immer schlechter“, wurde bemängelt. Andere Reaktionen fielen etwas kürzer aus: „Das Passwortchaos!!“, lautete eine, „Kommunikation zwischen den Generationen“, eine weitere, „sprachliche und gegebenenfalls gesellschaftliche Barrieren“ sowie „gute Kommunikation und respektvoller Umgang miteinander“ oder vermutlich die Schwierigkeit, diese in der Praxis auch zu leben, eine andere. Eine weitere Antwort brachte die Fragen nach den größten Herausforderungen auf den Punkt: „Führungskräfte die bereit sind damit zu beschäftigen.“