Ein Info-Tag an der Montanuniversität Leoben war prägend für ihre bemerkenswerte Karriere. „Ich habe das Stiftsgymnasium in Admont mit dem Schwerpunkt Sprachen besucht, wollte Französisch auf Lehramt studieren“, erinnert sich Univ.-Prof. Susanne Michelic. „Chemie und Physik haben mich schon früh begeistert.“

Universität als spannendere Option

Der Info-Tag zeigte ihr die vielfältigen Möglichkeiten der Metallurgie. „Metallurgische Prozesse haben sehr viel mit Chemie zu tun, für mich ein Perfect Match.“ Nach dem Doktorat übernahm die gebürtige Leobnerin sofort eine Assistenzprofessur an der Montanuni. „Ich hatte auch Angebote aus der Industrie, die Universität war aber die spannendere Option. 90 Prozent der Themen, die wir bearbeiten, haben ohnehin einen klaren Industriebezug mit Aufgabenstellungen aus der Praxis.“ Etwas Industrieluft hat sie dennoch geschnuppert: Im Zuge ihrer Assistenzprofessur war Michelic einige Zeit Forschungsingenieurin bei ThyssenKrupp Steel Europe und in den Hüttenwerken Krupp Mannesmann in Duisburg. „Dort habe ich mich mit dem Thema der Stahlqualität und der Analyse nichtmetallischer Einschlüsse beschäftigt.“ 2023 erfolgte ein bedeutender Karriereschritt: Susanne Michelic wurde zur ersten weiblichen Leiterin des Lehrstuhls für Eisen- und Stahlmetallurgie ernannt. Seit 2023 ist sie auch wissenschaftliche Geschäftsführerin des metallurgischen Kompetenzzentrums K1-MET. „Die Metallurgie steht vor großen Herausforderungen. Die CO2-Emissionen müssen drastisch reduziert und Prozesse in der Stahlerzeugung dahingehend angepasst werden.“ Großes Potenzial sieht die Forscherin in der Wasserstoff-Metallurgie. Bei allem Fortschritt dürfe aber nicht auf die Nebenprodukte der Stahlerzeugung vergessen werden. „Geänderte Herstellungsprozesse bedeuten neue Eigenschaften.“

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Keine Alternative zu primären Rohstoffen

An der Bedeutung von Schrott als Rohstoff lässt Michelic keinen Zweifel. Die österreichische Stahlindustrie nehme den Recyclinggedanken und den erhöhten Schrotteinsatz bei der Herstellung sehr ernst. Hier liegt für sie eine große Herausforderung. „Stähle enthalten, vor allem wenn sie über die Recyclingschiene rückgeführt werden, vielfach Störstoffe wie Kupfer und Zinn, die in der Verarbeitung dann zu Problemen wie ungenügender Materialsicherheit führen können.“ Nichtmetallische Einschlüsse begleiten die Wissenschafterin seit ThyssenKrupp in ihrer Forschung bis heute. 2018 hat sie eine eigene Forschungsgruppe aufgebaut, die Gruppe Inclusion Metallurgy, aus der 2021 das Christian Doppler Labor für Einschlussmetallurgie in der modernen Stahlerzeugung hervor ging. Trotz Weiterentwicklung im Recycling, „mit Partnern arbeiten wir bereits an der Optimierung der Schrottcharakterisierung und Schrottsortierung in Verbindung mit Sensortechnik und Automatisierung“, bleibe der Bedarf an frisch aus Eisenerz hergestelltem Stahl, es brauche primäre Einsatzstoffe, neue Prozessrouten und alternative Technologien. Die Universität forscht dazu im kleineren Maßstab mit niedrigerem TRL Level und skaliert Ergebnisse mit den Unternehmenspartnern hoch.

Next Generation

Seit Jahren engagiert sich die mehrfach ausgezeichnete Universitäts-Professorin für den Studiennachwuchs. 2010 wurden auf ihre Initiative hin die MetalDays ins Leben gerufen. „Ich bin schon lange Mentorin für Studienanfänger*innen der Metallurgie. Es braucht einen persönlichen Kontakt, um die Jugend für unsere Fächer zu begeistern“, fordert sie ergänzend zum Virtual Open Day, ebenso Role Models vor allem für Mädchen. Bei ihren eigenen Kindern ist ihr ein offenes Elternhaus wichtig. „Meine Töchter sind 8 und 12 Jahre. Sie sollen mit offenen Augen durchs Leben gehen und sich für verschiedene Dinge interessieren.“ ■

Nichtmetallische Einschlüsse stellen bei der Stahlherstellung eine große technologischen Herausforderung dar. Im Bild: REM-Aufnahme mehrphasiger nichtmetallischer Einschlüsse im Größenbereich von jeweils rund 10 Mikrometer. © MUL