Wie verläuft das laufende Geschäftsjahr für das Baugewerbe in Tirol? Gibt es Anzeichen einer Erholung oder wird 2026 wieder ein schwieriges Jahr?
Zu Jahresbeginn gab es bei der Auftragslage und der Stimmung in der Branche erste Anzeichen für eine Erholung. Die geopolitischen Entwicklungen, insbesondere der Konflikt im Nahen Osten, haben jedoch neue Unsicherheiten geschaffen. Die ohnehin verhaltene Nachfrage im Eigentumswohnungsbau ist weiter zurückgegangen und bei vielen Unternehmen ist die Investitionsbereitschaft gesunken. Wir gehen davon aus, dass 2026 für das Tiroler Baugewerbe erneut ein herausforderndes Jahr wird.
Einkommen gestiegen
Was stimmt Sie zuversichtlich, was nachdenklich?
Zuversichtlich stimmt mich, dass die Einkommen in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die Baukosten. Dadurch hat sich die Leistbarkeit des Bauens wieder verbessert. Sorge bereitet mir die zunehmende Bürokratie. Wir müssen produktiver bauen. Dafür wären einfachere Regeln, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Verwaltungsaufwand notwendig. Derzeit ist eher das Gegenteil zu beobachten. Der European Green Deal verfolgt grundsätzlich wichtige Ziele. In der praktischen Umsetzung besteht jedoch die Gefahr, dass EU-Gebäuderichtlinien, die EU-Bauprodukteverordnung und Dokumentationspflichten zu einem Bürokratiemonster werden. Entscheidend wird sein, die Vorgaben in Österreich mit Augenmaß umzusetzen. Andernfalls droht, dass vor allem Bürokratie entsteht, während die Nachhaltigkeitseffekte gering sind.
Was erwarten Sie sich von der Politik? Welche Maßnahmen sollte sie dringend setzen, um die Bauwirtschaft zu unterstützen?
Die Politik sollte dort ansetzen, wo sie die größten Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft setzen kann. Im Wohnbau wäre es sinnvoll, die Bevölkerung beim Erwerb oder bei der Schaffung von Eigentum stärker zu unterstützen. Das würde nicht nur den Zugang zu Wohnraum erleichtern, sondern auch für positive Effekte in der Bauwirtschaft sorgen. Unternehmen, die investieren wollen, sollten gefördert werden. Höhere Investitionsfreibeträge und bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Betriebsgebäude würden Investitionen erleichtern und die Wirtschaft, die Beschäftigung sowie die Bauwirtschaft gleichermaßen stärken. Darüber hinaus braucht es dringend, wie schon zuvor erwähnt, schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren, einen Abbau bürokratischer Hürden sowie pragmatische und lösungsorientierte Zugänge bei der Beurteilung von Bauprojekten.