Das österreichische Gewerbe und Handwerk kommt auch im zweiten Quartal 2026 noch nicht aus der konjunkturellen Schwächephase. Im ersten Quartal gingen die Auftragseingänge bzw. Umsätze laut den Daten der KMU Forschung Austria nominell um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurück. Real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, entspricht das einem Minus von 4,6 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Stimmung im zweiten Quartal etwas aufgehellt: Das Stimmungsbarometer verbesserte sich von –12 auf –8 Prozentpunkte. Damit überwiegen die negativen Einschätzungen im heimischen Gewerbe und Handwerk zwar weiterhin, der langfristige Abwärtstrend zeigt aber erste Anzeichen einer Abschwächung.
Auch das Dachhandwerk bleibt unter Druck – wobei die Bilanz für Dachdecker*innen, Spengler*innen und Holzbauer*innen recht unterschiedlich ausfällt.
Dachdecker*innen: Sanierung hält sich besser
Bei den Dachdecker*innen sanken die Auftragseingänge im ersten Quartal 2026 nominell um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit fiel der Rückgang zwar geringer aus als im ersten Quartal 2025, real – nach Berücksichtigung der um 3,8 Prozent gestiegenen Verkaufspreise – ergibt sich jedoch ein Minus von 8,0 Prozent. 15 Prozent der Betriebe meldeten steigende Auftragseingänge, bei 55 Prozent lagen sie auf Vorjahresniveau, 30 Prozent verzeichneten Rückgänge.
Besonders unterschiedlich entwickeln sich die einzelnen Geschäftsfelder. Der Neubau bleibt der Schwachpunkt: Bei 56 Prozent der Dachdeckerbetriebe gingen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahresquartal zurück, lediglich 21 Prozent meldeten Steigerungen. Im Ausbau war die Situation etwas stabiler. Deutlich besser behauptet sich die Sanierung und Reparatur: 36 Prozent der Betriebe konnten hier steigende Auftragseingänge verzeichnen, 32 Prozent meldeten Rückgänge. Damit bestätigt sich die stärkere Widerstandsfähigkeit des Bestands gegenüber dem weiterhin schwachen Neubau.
Auch die aktuelle Geschäftslage bleibt angespannt. Nur 17 Prozent der Dachdecker*innen beurteilen sie im zweiten Quartal als gut, 49 Prozent als saisonüblich und 34 Prozent als schlecht. Das ergibt einen negativen Saldo von 17 Prozentpunkten – den schlechtesten Wert der drei betrachteten Branchen.
Beim Auftragsbestand zeigt sich dennoch, dass die Betriebe nicht vor einem unmittelbaren Auslastungsproblem stehen. Im Schnitt reicht der Auftragsbestand für 11,1 Wochen Vollauslastung. Allerdings liegt er damit um 13 Prozent unter dem Vorjahreswert. 46 Prozent der Betriebe verfügen über Aufträge für zehn bis 19 Wochen, weitere 17 Prozent sogar für 20 Wochen und mehr. Kein Betrieb meldete im zweiten Quartal einen fehlenden Auftragsbestand.
Für das dritte Quartal hellt sich das Bild etwas auf: 18 Prozent rechnen mit steigenden Auftragseingängen, 62 Prozent mit einer unveränderten Entwicklung und 20 Prozent mit Rückgängen. Der Saldo liegt damit nur noch bei –2 Prozentpunkten, nach –24 Punkten im zweiten Quartal.
Spengler*innen: Beste Ausgangslage, aber gedämpfte Erwartungen
Die Spengler*innen und Kupferschmiede schneiden beim Auftragseingang zunächst am besten ab. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge nominell um 0,3 Prozent. Allerdings haben auch hier die Preise deutlich zugelegt: Bei einer durchschnittlichen Preissteigerung von 5,1 Prozent ergibt sich real ein Rückgang von 4,5 Prozent. 21 Prozent der Betriebe meldeten steigende Auftragseingänge, bei 60 Prozent blieb das Niveau unverändert, 19 Prozent verzeichneten Rückgänge.
Auch innerhalb der Geschäftsfelder zeigt sich eine klare Zweiteilung. Im Neubau meldeten 54 Prozent der Betriebe sinkende Auftragseingänge. Im Ausbau waren es hingegen nur 14 Prozent, während 33 Prozent Steigerungen verzeichneten. Besonders stabil zeigt sich die Sanierung/Reparatur: 69 Prozent meldeten gleichbleibende und 26 Prozent steigende Auftragseingänge; lediglich fünf Prozent verzeichneten Rückgänge.
Die aktuelle Geschäftslage wird entsprechend deutlich positiver beurteilt als bei den Dachdecker*innen: 25 Prozent der Spenglerbetriebe bewerten sie als gut, 47 Prozent als saisonüblich und 28 Prozent als schlecht. Der Saldo von –3 Prozentpunkten hat sich gegenüber dem Vorquartal verbessert.
Beim Auftragsbestand liegt die Branche mit 13,5 Wochen sogar an der Spitze der drei Gewerke. Allerdings ist auch hier ein deutlicher Rückgang zu beobachten: Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 sank der durchschnittliche Auftragsbestand um 14,2 Prozent. Ein Drittel der Betriebe verfügt über zehn bis 19 Wochen Auslastung, weitere 23 Prozent über 20 Wochen und mehr.
Weniger zuversichtlich fällt allerdings der Blick nach vorne aus. Nur neun Prozent der heimischen Spenglerbetriebe erwarten im dritten Quartal steigende Auftragseingänge, 62 Prozent rechnen mit einer unveränderten Entwicklung und 29 Prozent mit Rückgängen. Der Erwartungssaldo verschlechtert sich damit auf –20 Prozentpunkte.
Holzbau: Schwacher Neubau, Sanierung als Lichtblick
Im Holzbau gingen die Auftragseingänge im ersten Quartal nominell um 2,3 Prozent zurück. Nach einer durchschnittlichen Preiserhöhung von 2,9 Prozent entspricht dies real einem Minus von 5,0 Prozent. 21 Prozent der Betriebe meldeten steigende Auftragseingänge, 43 Prozent hielten das Vorjahresniveau und 36 Prozent mussten Rückgänge hinnehmen.
Besonders stark betroffen sind die (Fertig-)Hauserzeugung und der Dachneubau: Bei 61 bzw. 55 Prozent der Betriebe sanken die Auftragseingänge. Anders stellt sich die Situation bei Dachausbau und Sanierung dar. Hier meldeten 25 Prozent steigende, 55 Prozent gleichbleibende und nur 20 Prozent sinkende Auftragseingänge.
Das Stimmungsbild bleibt dennoch verhalten. 26 Prozent der Holzbaubetriebe bewerten die Geschäftslage als gut, 35 Prozent als saisonüblich und 39 Prozent als schlecht. Der Saldo liegt bei –13 Prozentpunkten, hat sich gegenüber dem Vorquartal aber geringfügig verbessert.
Der Auftragsbestand reicht durchschnittlich für 12,7 Wochen Vollauslastung und liegt damit über jenem der Dachdecker*innen. Gleichzeitig ist auch hier ein Rückgang von 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. 39 Prozent der Betriebe verfügen über zehn bis 19 Wochen Auslastung, 17 Prozent über 20 Wochen und mehr.
Interessant ist der Blick auf die Erwartungen im Holzbau: Zwar bleibt der Saldo mit –10 Prozentpunkten negativ, der Pessimismus nimmt aber deutlich ab. 18 Prozent erwarten steigende Auftragseingänge, 54 Prozent rechnen mit einem unveränderten Niveau und 28 Prozent mit Rückgängen. Im Vorjahr lag der Erwartungssaldo noch bei –30 Prozentpunkten.
Beschäftigung bleibt vergleichsweise stabil
Trotz der schwierigen Auftragslage planen die drei Branchen weiterhin mit zusätzlichem Personal. Bei den Dachdecker*innen wollen 31 Prozent der Betriebe den Beschäftigtenstand erhöhen, durchschnittlich ergibt sich daraus ein geplanter Personalzuwachs von 3,9 Prozent. Bei den Spengler*innen planen 26 Prozent der Unternehmen eine Aufstockung; der Beschäftigtenstand soll im Durchschnitt um 6,6 Prozent steigen. Im Holzbau wollen ebenfalls 31 Prozent der Betriebe mehr Mitarbeiter*innen beschäftigen, der geplante Beschäftigtenzuwachs liegt bei 6,1 Prozent.
Damit zeigt sich ein bemerkenswertes Muster: Die Unternehmen reagieren auf die schwache Konjunktur bislang nicht mit einem breiten Personalabbau. Vielmehr bleibt der Bedarf an Fachkräften bestehen – ein Hinweis darauf, dass die strukturellen Anforderungen an die Gewerke unabhängig von der aktuellen Baukonjunktur hoch bleiben.
Bestandsgeschäft als stabilisierender Faktor
Der gemeinsame Nenner der drei Branchen liegt damit weniger im Neubau als im Arbeiten am Bestand. Während der Neubau in allen drei Gewerken unter Druck steht, erweisen sich Ausbau, Sanierung und Reparatur als deutlich robustere Geschäftsfelder. Gerade für Dachdecker*innen und Spengler*innen ist die Sanierung/Reparatur der stabilste Bereich; auch im Holzbau zeigt sich der Dachausbau mit Sanierung deutlich widerstandsfähiger als der Neubau.
Die Zahlen machen zugleich deutlich, dass von einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung noch nicht gesprochen werden kann. Die Auftragsbestände sind gegenüber dem Vorjahr zweistellig gesunken, und die Erwartungen bleiben – mit Ausnahme der Dachdecker*innen, die beinahe eine ausgeglichene Einschätzung erreichen – negativ. Gleichzeitig verbessern sich einzelne Stimmungsindikatoren und die Unternehmen halten an ihrer Personalplanung fest.
Für die Bauhandwerke bedeutet das: 2026 bleibt ein Jahr der Differenzierung. Der Neubau sorgt weiterhin für Gegenwind, während Sanierung, Reparatur und Ausbau stabilisierende Wirkung entfalten. Ob daraus im weiteren Jahresverlauf eine breitere Erholung entsteht, wird vor allem davon abhängen, ob sich die derzeit noch vorsichtigen Auftragserwartungen tatsächlich in neue Projekte übersetzen.
Quelle: KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk, Dachdecker, Spengler und Kupferschmiede, Holzbau sowie Österreich, jeweils 2. Quartal 2026, Juli 2026.