Die österreichischen Glaserbetriebe zeigen bei den Auftragserwartungen für das vierte Quartal 2026 einen vorsichtigen Optimismus. Das geht aus der aktuellen Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria hervor. Demnach rechnen 39 Prozent der befragten Betriebe mit steigenden Auftragseingängen gegenüber dem Vorjahresquartal. 34 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, 27 Prozent gehen von Rückgängen aus. Damit überwiegen die positiven Erwartungen um zwölf Prozentpunkte. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Optimismus allerdings leicht zurückgegangen.
Auch die Entwicklung im ersten Halbjahr war nominell positiv: Die Auftragseingänge stiegen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um ein Prozent. 36 Prozent der Betriebe meldeten Zuwächse, bei 32 Prozent blieb das Auftragsvolumen unverändert, ebenso viele verzeichneten Rückgänge. Allerdings relativiert die Preisentwicklung das Ergebnis. Da die Verkaufspreise im selben Zeitraum durchschnittlich um 5,1 Prozent erhöht wurden, ergibt sich mengenmäßig ein reales Minus von 3,9 Prozent.
Geschäftslage bleibt uneinheitlich
Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage zeigt sich ein gemischtes Bild. Im dritten Quartal 2026 bewerteten 23 Prozent der Betriebe ihre Situation als gut, die Hälfte als saisonüblich und 27 Prozent als schlecht. Damit überwiegen die negativen Einschätzungen die positiven um vier Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorquartal hat sich das Stimmungsbarometer dennoch verbessert: Damals bezeichneten lediglich ein Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut.
Besonders deutlich wird die angespannte Situation beim Auftragsbestand. 77 Prozent der Glaserbetriebe waren im dritten Quartal nur für ein bis vier Wochen ausgelastet. Weitere 20 Prozent verfügten über Aufträge für fünf bis neun Wochen. Lediglich drei Prozent hatten keinen Auftragsbestand, kein Betrieb konnte auf eine Auslastung von zehn Wochen oder mehr verweisen. Gleichzeitig stehen erhebliche freie Kapazitäten zur Verfügung: 53 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge übernehmen, weitere 26 Prozent innerhalb von drei Monaten. Das deutet auf eine vergleichsweise geringe Auftragsreichweite hin.
Private Auftraggeber*innen als wichtigste Stütze
Der Auftragsbestand der Glaserbetriebe wird stark vom privaten und gewerblichen Bereich getragen. 83 Prozent der bestehenden Aufträge entfielen im dritten Quartal auf diese Auftraggebergruppe. Öffentliche Bauprojekte, die über Generalunternehmer oder Bauträger abgewickelt werden, machten zehn Prozent aus. Weitere sieben Prozent entfielen auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden.
Auch die Erwartungen unterscheiden sich nach Auftraggebergruppen: Bei privaten und gewerblichen Auftraggeber*innen rechnen 40 Prozent der Betriebe mit steigenden Auftragseingängen, 33 Prozent mit einer gleichbleibenden und 27 Prozent mit einer rückläufigen Entwicklung. Bei öffentlichen Auftraggebern erwarten hingegen nur fünf Prozent Zuwächse, 74 Prozent gehen von gleichbleibenden und 21 Prozent von sinkenden Auftragseingängen aus.
Zurückhaltende Personalplanung
Die verhaltene Auslastung spiegelt sich auch in der Personalplanung wider. Für das vierte Quartal 2026 beabsichtigen 69 Prozent der Glaserbetriebe, ihren Beschäftigtenstand konstant zu halten. Zehn Prozent planen eine Aufstockung, während 21 Prozent eine Verringerung der Mitarbeiter*innenzahl vorsehen. Im Durchschnitt ergibt sich daraus eine geplante Reduktion des Beschäftigtenstands um 2,8 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen damit eine Branche mit unterschiedlichen Signalen: Die Auftragserwartungen sind überwiegend positiv, die aktuelle Auslastung bleibt jedoch niedrig. Ob sich der Optimismus im weiteren Jahresverlauf tatsächlich in einer nachhaltig besseren Auftragslage niederschlägt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
Quelle: KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk, Glaser, 3. Quartal 2026. Die Ergebnisse basieren auf Rückmeldungen von 34 Betrieben mit 271 Beschäftigten. Aufgrund der geringen Rückmeldungen kann es zu einer verkürzten Darstellung einzelner Indikatoren kommen.
