Ingrid Janker über die Krise, die Talsohle und den Aufschwung:

Das Geschäft ist im vergangenen Jahr noch einmal leicht zurückgegangen, und hat damit die Talsohle erreicht. Dieses Jahr rechne ich mit einem stabilen Ergebnis gegenüber dem Vorjahr, und 2027 sollte es wieder aufwärts gehen.

Belebung bei privaten Sanierungen

Wo es gut läuft, wo weniger:

In einigen Bereichen zieht das Geschäft bereits wieder an. Das ist zum Beispiel bei den pastösen Spachtelmassen der Fall. Dort haben wir in den vergangenen Jahren durch eine Investition in eine Produktionsanlage und den damit verbundenen Produktentwicklungen den Grundstein für die guten Ergebnisse gelegt. Bei den privaten Sanierungen spüren wir ebenfalls eine leichte Belebung. Der mehrgeschossige Wohnbau ist allerdings nach wie vor schwach.

Wo Knauf bei der Produktentwicklung den Schwerpunkt setzt …

Die Bauwirtschaft ist, wie viele andere Branchen auch, mit einem massiven Facharbeitermangel konfrontiert. Wir setzen daher einen Schwerpunkt auf Systeme, die unseren Kund*innen helfen, effizienter zu arbeiten, also Kosten und Zeit zu sparen. Hier haben wir beispielsweise die DIA 70 Linie entwickelt: Sie ist um 2,5 cm schlanker, durch die Verwendung eines 70er Profils anstatt eines 75er Profils, einfach beplankt mit einer Diamant Platte statt zwei Lagen Gipsbauplatten, die Einsatzbereiche sind Wand, Vorsatzschale, Schachtwand und Wohnungstrennwand. Das DIA 70 System ist trotzdem robust, verfügt über einen guten Schallschutz und ist universell einsetzbar.

… und was man bei der Dekarbonisierung des Transports plant:

Wir haben uns vorgenommen, bis zum Jahr 2030 50 Prozent unseres Transportvolumens auf die Schiene zu bringen. Die anderen 50 Prozent wollen wir mehrheitlich elektrifizieren. Hier haben wir bereits Elektro-Lkws im Einsatz. Das wollen wir weiter ausbauen.

Was Janker sich von der Politik erwartet:

Ein ganz wesentlicher Punkt ist für mich die Vereinfachung der Rahmenbedingungen. Nur ein Beispiel: Wir haben heute eine Vielzahl unterschiedlicher Fördersysteme. Es wäre deutlich einfacher, wenn diese stärker harmonisiert würden. Ich verstehe beispielsweise nicht, warum ein Häuslbauer im Mühlviertel andere Förderbedingungen vorfindet als einer im Waldviertel. Hier gibt es durchaus Potenzial, zu vereinfachen und gleichzeitig Kosten zu senken.

Was Sie vom Gold Plating der EU-Vorgaben hält:

Wir müssen auch bei Normen, Verordnungen und bürokratischen Vorgaben ausmisten. Wenn wir das Bauen wieder leistbarer machen wollen, müssen wir bei den tatsächlichen Kostentreibern ansetzen. Das Material ist es jedenfalls nicht. Vielmehr erleben wir, dass europäische Richtlinien, die eher allgemein formuliert sind und in Österreich unnötig verschärft werden. Dieses sogenannte Gold Plating führt zu einem enormen bürokratischen Aufwand. Damit verlieren wir zunehmend an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Wo sie großen Handlungsbedarf sieht: 

Aus meiner Sicht wird die thermische Sanierung in Österreich noch immer nicht mit der notwendigen Konsequenz verfolgt. Die Sanierungsquote liegt derzeit unter einem Prozent. Notwendig wären drei Prozent, wenn wir unseren Gebäudebestand zukunftsfit machen und die Klimaziele Österreichs erreichen wollen. Es geht aber nicht nur um den Energieverbrauch, sondern auch um eine Erhöhung der Wertschöpfung. Eine konsequente Sanierungsoffensive würde gleich mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen.

Wie sie die Entscheidung beurteilt, in den kommenden beiden Jahren thermische Sanierung und Heizungstausch zu gleichen Teilen zu fördern:

Grundsätzlich sollte aus meiner Sicht zuerst thermisch saniert und erst danach die Heiztechnik erneuert werden. Wenn ich die Gebäudehülle nicht verbessere, verbrauche ich weiterhin unnötig viel Energie – unabhängig davon, welches Heizsystem zum Einsatz kommt. Natürlich ist es sinnvoll, moderne Heizsysteme zu fördern, aber der erste Schritt sollte immer die Reduktion des Energiebedarfs sein. Damit wird zusätzliche Wertschöpfung geschaffen. Jeder Euro, der in die Sanierung investiert wird, löst weitere Investitionen aus und stärkt die Bauwirtschaft.

Was ihr besonders wichtig ist:

Wir müssen das Thema Entbürokratisierung endlich ernsthaft angehen. Darüber wird seit Jahren gesprochen. Passiert ist viel zu wenig. Das betrifft nicht nur unsere Branche, sondern den gesamten Industriestandort. Wenn wir international wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen wir einfache und verlässliche Rahmenbedingungen.