Österreich brauche beim Umgang mit zunehmender Hitze eine langfristige Sanierungs- und Anpassungsstrategie für den Gebäudebestand. Das fordern zahlreiche Verbände aus der Bau- und Immobilienwirtschaft, die auf Initiative der IG Lebenszyklus Bau ein 6-Punkte-Programm vorgelegt haben.
Die von der Bundesregierung angekündigten Erleichterungen für Klimaanlagen könnten dabei Teil der Lösung sein. Vorrang sollten nach Ansicht der Initiatoren jedoch Maßnahmen haben, die eine Überhitzung von Gebäuden möglichst vermeiden, den Energiebedarf senken und die Gebäude langfristig an den Klimawandel anpassen.
Klimaanpassung bei Sanierungen
„So unerträglich wie die aktuelle Hitze ist auch das bisherige Vorgehen der Politik beim Klimaschutz und bei der Klimawandelanpassung. Wir müssen den Bürokratieabbau bei Sanierungen jetzt bei Sonnenschutz-, Dämm- und Dekarbonisierungsmaßnahmen beschleunigen, die zugleich auch der Kühlung dienen. Das ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur Klimawandelanpassung und zur Unterstützung der Wirtschaft“, sagt Margot Grim-Schlink, Gesellschafterin bei e7 und Vertreterin der IG Lebenszyklus Bau.
Ein zentraler Punkt des Programms ist die Vereinfachung und Beschleunigung von Sanierungsverfahren. Vorgesehen sind unter anderem gebündelte Bewilligungsverfahren für thermische Sanierungen, außenliegenden Sonnenschutz, Heizungsumstellungen mit Kühlmöglichkeit, Begrünung, Entsiegelung sowie Grau- und Regenwassernutzung. Auch verbindliche Bearbeitungsfristen, abgestimmte Behördenverfahren und standardisierte Genehmigungswege werden gefordert.
Zudem sollen steuerliche Anreize und Förderungen klimawirksame Investitionen unterstützen. Genannt werden unter anderem Maßnahmen an Gebäudehülle und Fenstern, Verschattung, Kühlung, erneuerbare Energien, Begrünung, Entsiegelung sowie Regenwasserrückhalt und Grauwassernutzung. Förderbedingungen und -budgets sollen langfristig planbar und besser zwischen Bund, Ländern und Gemeinden abgestimmt werden.
Mietrecht, Entsiegelung und Umsetzung
Das Programm sieht außerdem vor, energetische, klimatische und funktionale Gebäudequalitäten stärker in die mietrechtliche Bewertung einzubeziehen. Die Richtwertmiete soll sich stärker an der tatsächlichen Qualität einer Wohnung und weniger am Alter des Gebäudes orientieren. Gleichzeitig soll eine faire Verteilung der Kosten und des Nutzens von Sanierungen zwischen Eigentümern und Mietern gewährleistet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entsiegelung. Verbindliche Ziele für den öffentlichen und privaten Raum, eine Reduktion von Neuversiegelungen sowie mehr Bäume, Grünflächen und begrünte Dächer und Fassaden sollen zur Verringerung von Hitzeinseln beitragen. Regenwasserrückhalt, Versickerung und das Schwammstadt-Prinzip sollen stärker in Planungs- und Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden.
Für die Umsetzung fordert das Programm klarere Zuständigkeiten, weniger Schnittstellen sowie einheitliche Vorgaben und digitale Verfahren. Zudem sollen Fachkräfte in Planung, Bau, Gebäudetechnik und Betrieb gezielt qualifiziert werden. Standardisierte und serielle Lösungen sollen dort eingesetzt werden, wo sie technisch, wirtschaftlich und gestalterisch sinnvoll sind.
Die Initiatoren verstehen Sanierung und Entsiegelung zugleich als wirtschafts- und gesundheitspolitische Maßnahmen. Investitionen in Gebäudebestand und öffentlichen Raum sollen regionale Wertschöpfung und Beschäftigung unterstützen. Verlässliche Rahmenbedingungen sollen zudem Planungssicherheit für Bauwirtschaft, Gebäudetechnik und Immobilienwirtschaft schaffen.