Kostendruck, Ressourcenknappheit, Klimaziele: Das Thema Wohnen steht aktuell unter vielfältigen Herausforderungen. Der Sommer-Energytalk 2026 widmete sich diesen aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven: leistbares Wohnen in der Steiermark, klimaneutrale Stadtquartiere und das Leben im Weltraum.

150 Besucher*innen

Rund 150 Fachbesucher*innen und Interessierte folgten gestern, am Mittwoch, 1. Juli 2026, der Einladung ins sommerliche Ambiente im Aiola im Schloss St. Veit in Graz-Andritz. Unter dem Titel „Wohnen im All(tag) – Zwischen Schwerelosigkeit und Leistbarkeit“ näherte sich die Veranstaltung einem Thema, das viele Menschen unmittelbar betrifft, aus ungewöhnlichen Blickwinkeln.

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„Wohnen ist eine der zentralen sozialen und ökologischen Zukunftsfragen unserer Zeit, geprägt von Kostendruck, Ressourcenknappheit und wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit“, meinten die Veranstalter Robert Pichler (Gründungsmitglied Energytalk) und Johannes Huber-Grabenwarter (Odörfer Haustechnik). „Uns war es wichtig, dieses Thema aus möglichst unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten, von der Realität des steirischen Wohnungsmarktes über die Umsetzung klimaneutraler Quartiere bis hin zum Leben unter Extrembedingungen im Weltraum. Was alle Perspektiven eint: Ressourceneffizienz ist keine Kür, sondern längst zur Pflicht geworden.“

Den Auftakt machte Hans Schaffer, Vorstandsdirektor der ÖWG Wohnbau. Er zeichnete ein Bild der aktuellen Lage: Während Graz zwischen 2010 und 2024 um 18 Prozent gewachsen ist und bis 2050 weitere elf Prozent Bevölkerungszuwachs prognostiziert werden, sind die Baubewilligungen seit 2021 um 20 Prozent zurückgegangen. Steigende Bau- und Finanzierungskosten, Baulandknappheit und regulatorische Hürden verschärfen die Situation zusätzlich.

Populär aber nicht wirksam

Anhand aktueller Studien und Praxiszahlen argumentierte Schaffer, dass populäre Instrumente wie Mietobergrenzen oder kommunaler Direktbau die Probleme nicht dauerhaft lösen. Wirksam sei hingegen ein starker gemeinnütziger Wohnbau: Jeder Euro Wohnbauförderung löse rund 3,30 Euro an Investitionen aus, ein Euro an Förderung gemeinnütziger Bauträger erzeuge 1,15 Euro regionale Wertschöpfung. Allein 2024 haben die steirischen gemeinnützigen Bauträger 466 Millionen Euro investiert, 163 Millionen Euro regionale Wertschöpfung generiert und 1.864 Vollzeitstellen gesichert.

„Dauerhaft leistbarer Wohnraum entsteht nicht durch kurzfristige Eingriffe, sondern durch ein ausreichendes Angebot und starke gemeinnützige Bauträger. Was wir jetzt brauchen, sind höhere Bebauungsdichten, verlässliche Fördermodelle, geeignete Grundstücke und effiziente Genehmigungsverfahren. Die Instrumente und Erfahrungen sind vorhanden, entscheidend ist der gemeinsame Wille, sie einzusetzen“, betonte Schaffer.

Tobias Weiss, Leiter des Bereichs Gebäude am AEE – Institut für Nachhaltige Technologien, zeigte anhand von Quartiersprojekten in Graz, wie aus ambitionierten Energiekonzepten funktionierende Stadtteile werden und wo Planung, Betrieb, Wirtschaftlichkeit und Nutzerrealität noch stärker zusammengedacht werden müssen. Im Mittelpunkt standen konkrete Erfahrungen aus Wärme- und Kälteversorgung, Grundwasser- und Wärmepumpennutzung, PV-Einbindung sowie organisatorischen Modellen.

„Klimaneutrale Quartiere entstehen nicht am Reißbrett, sondern im Zusammenspiel vieler Faktoren. Vieles funktioniert bereits gut, aber wir sehen im laufenden Betrieb sehr klar, wo nachjustiert werden muss“, so Weiss. „Entscheidend ist, diese Erkenntnisse in die frühe Planungsphase der nächsten Quartiere zurückzuspielen: Welche Lösungen sind direkt übertragbar, wo braucht es Anpassungen, und welche Entscheidungen dürfen nicht auf später verschoben werden?“

Den Blick über die Erde hinaus richtete René Waclavicek, Managing Partner und Miteigentümer der Liqufier Systems Group. Anhand zahlreicher Bilder und praktischer Einblicke veranschaulichte er, wie Architektur und Planung auf die Extrembedingungen im Weltraum antworten. Ob in der Erdumlaufbahn oder auf Planetenoberflächen: Die effiziente Nutzung der wenigen verfügbaren Ressourcen entscheidet über das Gelingen ganzer Missionen. Da der Transport von Material aus dem enormen Aufwand heraus kaum darstellbar ist, stehen die Nutzung lokal gewonnener Rohstoffe sowie geschlossene Kreislaufsysteme im Zentrum der technologischen Entwicklungen.

„Im Weltraum zählt jeder Kubikzentimeter, jedes Gramm Material und jede Kilowattstunde Energie. Was auf der Erde selbstverständlich ist, wird dort zu einer strategischen Entscheidung. Genau diese radikale Konzentration auf das Wesentliche macht das Leben und Wohnen im All zu einer faszinierenden Herausforderung für die Architektur“, so Waclavicek.

Der nächste Energytalk findet am 14. Oktober 2026 in der Alten Universität Graz statt.