Enna zeigt, dass man mit 40 Jahren noch nicht zum alten Beton gehören muss. Der in den 1980er-Jahren errichtete Betonskelettbau wurde aufwendig revitalisiert und damit fit für die Zukunft gemacht. Im Vergleich zu einem Neubau konnten so rund 40 Prozent CO₂-Äquivalent eingespart werden. „Wir haben bereits bei mehreren Projekten positive Erfahrungen mit dem Re-Use von Bürogebäuden gemacht. In dem Fall hat uns nicht nur die nachgewiesen gute Substanz des Gebäudes, sondern auch die Lage an der Waterfront Erdberger Lände im dritten Bezirk überzeugt“, so Mark Leiter, Geschäftsführer des Eigentümers Art-Invest Real Estate.
Neue Energieversorgung und Klimatisierung
Damit Enna auch für die nächsten Jahrzehnte gut gerüstet ist, wurde auch die Gebäudetechnik auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im Zentrum der technischen Modernisierung stand die komplette Neuausrichtung der Energieversorgung und Gebäudeklimatisierung.
Das 40 Jahre alte Gebäude verfügte über Fernwärme und eine Kältemaschine im Erdgeschoss. Die Büroräume wurden damals über klassische Fancoils gekühlt – also Gebläsekonvektoren in der Decke. „Diese Systeme arbeiten mit sehr niedrigen Temperaturen und verbrauchen entsprechend viel Energie“, erläutert Christoph Rieschl, Head of Design & Construction Vienna bei Art-Invest Real Estate. Gleichzeitig wurden die Erdgeschossflächen ursprünglich vor allem als Garagen- und Nebenräume verwendet worden. Rieschl: „Wir wollten diese Bereiche völlig neu nutzen und mussten daher die gesamte Technik aus dem Erdgeschoss verlagern.“
Natürlicher Temperaturpuffer
Auf Basis dieser Ausgangslage wurde ein Konzept für den Einbau eines Wärmepumpen-Systems entwickelt. Besonderes Augenmerk lag dabei auf einem bereits vorhandenen unterirdischen Kollektorgang. Diesen hatte man ursprünglich genutzt, um Frischluft für die Garagenlüftung anzusaugen. Im Zuge der Revitalisierung erhielt der Schacht eine neue Funktion: „Die Luft wird durch den unterirdischen Gang geführt und dabei durch das Erdreich vorkonditioniert“, erläutert Rieschl. Der Gang liegt rund vier Meter unter der Erde und wirkt wie ein natürlicher Temperaturpuffer. „Dadurch gewinnen wir zwei bis drei Grad – und genau diese paar Grad machen bei Wärmepumpen bereits einen großen Unterschied.“
Zwei Wärmepumpen
Installiert wurden zwei Wärmepumpen des Herstellers Trane mit jeweils rund 350 Kilowatt Kälteleistung und 280 Kilowatt Heizleistung. Insgesamt verfüg das Gebäude damit über knapp 700 Kilowatt Kühlleistung und 560 Kilowatt Kühlleistung. Entscheidend sei laut Rieschl jedoch weniger die reine Größe der Anlagen gewesen als deren präzise Auslegung. Statt einer klassischen Heiz- und Kühllastberechnung setzte das Projektteam auf eine ganzjährige thermische Gebäudesimulation. „Eine klassische Heiz- und Kühllastberechnung geht immer vom absolut schlechtesten Fall aus – also vom heißesten oder kältesten theoretischen Tag. Dadurch werden Anlagen oft viel zu groß ausgelegt“, erklärt Rieschl. Die Simulation berücksichtige dagegen Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Verschattung, interne Wärmelasten oder die tatsächliche Nutzung des Gebäudes. Dadurch habe die benötigte Leistung um rund 20 Prozent reduziert werden können. „Statt etwa 800 Kilowatt reichen uns heute rund 560 Kilowatt Heizlast.“
Pufferspeicher mit 25.000 Litern
Ergänzt wird das System durch einen besonders großen Pufferspeicher mit 25.000 Litern Fassungsvermögen. Dieser soll vor allem Lastspitzen bei hohen Außentemperaturen abfangen. „Wenn wir extrem heiße Tage mit 40 Grad Außentemperatur haben, dann entstehen kurzfristig sehr hohe Kühllasten. Der Pufferspeicher ermöglicht uns, diese Spitzen auszugleichen, ohne dass die Wärmepumpen permanent auf Höchstleistung fahren müssen“, sagt Rieschl. Gleichzeitig eröffnet das System Möglichkeiten für eine flexiblere Stromnutzung, etwa durch das Vorladen des Speichers in Zeiten günstiger Strompreise.
Fernwärme kommt im revitalisierten Gebäude nur noch ergänzend zum Einsatz. Erst ab Außentemperaturen unter etwa drei bis fünf Grad wird sie zugeschaltet. Laut Gebäudesimulation betrifft das in Wien inzwischen nur noch etwa 15 Tage pro Jahr.
Segel zum Heizen und Kühlen
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Modernisierung sind neue Heiz- und Kühldeckensegel. Da sich eine klassische Betonkernaktivierung im Bestand nicht umsetzen ließ, fiel die Entscheidung auf großflächige Deckensegel. Während die früheren Fancoils beim Kühlen mit sechs bis acht Grad Vorlauftemperatur arbeiteten, kommen die neuen Systeme mit 16 bis 17 Grad aus. Beim Heizen reduziert sich die notwendige Vorlauftemperatur von 70 Grad auf rund 35 Grad. „Das spart enorme Mengen Energie“, so Rieschl. Der Heizenergiebedarf des Gebäudes konnte von rund 1 Megawatt pro Jahr auf etwa 560 Kilowatt gesenkt werden – obwohl die Nutzfläche gestiegen ist.
Auch die Lüftungstechnik wurde vollständig erneuert. Auf dem Dach befinden sich nun vier zentrale Lüftungsgeräte. Während die alten Geräte über integrierte Wärmepumpen zum Kühlen und Heizregister von der Fernwärme versorgt verfügten, setzt das neue Konzept auf externe VRV-Systeme. „Dadurch produzieren wir die benötigte Wärme oder Kälte direkt vor Ort beim jeweiligen Lüftungsgerät und vermeiden lange Leitungswege durchs Gebäude“, so Rieschl.
PV-Anlage am Dach
Zusätzlich wurde auf dem Gebäude eine Photovoltaikanlage mit 100 Kilowatt Peak installiert. Diese versorgt vor allem die Allgemeinbereiche des Hauses mit Strom – darunter Beleuchtung, Lüftungsanlagen, Brandmeldeanlage und Notbeleuchtung. Das reduziert die Betriebskosten für die Mieter*innen.
Haustechnik-Experte Rieschl ist überzeugt vom Gesamtkonzept des revitalisierten Gebäudes: „Enna zeigt, dass man auch im Bestand mit intelligenter Technik enorme Effizienzsteigerungen erreichen kann, ohne die Architektur des Hauses komplett zu verändern“.
