„Ich rechne damit, dass wir in der Bauwirtschaft und der Gebäudetechnik zweistellige Preissteigerungen sehen werden, sobald bestehende Lagerbestände aufgebraucht sind.“ Roland Kerschbaum, Verkaufsleiter von Panasonic in Österreich, macht sich wenige Illusionen, was infolge des Irankriegs noch auf die seine Branche zukommen wird: Die gestiegenen Energiepreise und die daraus resultierende Erhöhung der Transposten sowie die Belastung Lieferketten bei wichtigen Rohstoffen und Vorprodukten belastet die europäische Wirtschaft – auch die Gebäudetechnik.

Viele Vorprodukte aus Asien

„Viele Vorprodukte kommen aus Asien. Wenn dort Energie teurer wird, steigen automatisch auch die Produktionskosten. Das betrifft Kunststoffe, Dämmstoffe, Speichertechnologien – praktisch alles“, meint der Panasonic-Manager (siehe auch das ausführliche Interview mit ihm ab Seite 48).

Werbung
Betriebskosten-Ersparnis, Energieunabhängigkeit und Klimaschutz: Darum ist eine Wärmepumpe ein gutes Investment
Hohe Heiz- und Energiekosten machen den Österreicher:innen zunehmend zu schaffen. Fragen der Versorgungssicherheit, höhere Preise für fossile Energieträger und die Verteuerung bei den Netzkosten für Gas steigern die Attraktivität von kostensparenden Heizungen mit Wärmepumpe. Damit lassen sich die Betriebskosten dauerhaft senken und in Zukunft zu erwartende Mehrausgaben vermeiden.
mehr erfahren

Auf zweistelligem Niveau bewegen sich die Preisanstiege bislang noch nicht. Aber sie sind deutlich spürbar. Laut Statistik Austria sind die Baukosten im Wohnbau im April gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent gestiegen. Für die heimische Industrie verzeichnete Statistik Austria einen Anstieg der Preise für Vorleistungsgüter um 3,8 Prozent. „Damit hat sich der Preisauftrieb spürbar verstärkt“, so die Bundesanstalt.  Speziell die Preise für Nichteisen-Metalle und Halbzeug (+29,5 Prozent) und jene für chemischen Grundstoffe, Düngemittel und Stickstoffverbindungen, Kunststoffe in Primärform und synthetischer Kautschuk in Primärform (+15,6 Prozent) sind rasant gestiegen.

Preise auf sehr hohem Niveau

Markus Scheffer, Geschäftsführer von Vaillant in Österreich, beobachtet die Entwicklung ebenfalls aufmerksam. Man versuche „diese Entwicklungen bestmöglich zu steuern“, so Scheffer. „Aber steigende Energie- und Rohstoffkosten wirken sich entlang der gesamten Lieferkette aus. Das lässt sich nicht vollständig vermeiden.“ Vor allem bei Rohstoffen spüre man die Entwicklungen deutlich.  Scheffer: „Ein gutes Beispiel ist Kupfer. Wärmepumpen benötigen wesentlich mehr Kupfer als klassische Gasgeräte. Gleichzeitig befinden sich die Rohstoffpreise auf einem sehr hohen Niveau.“

Höherer zweistelliger Bereich

PV Austria, die Interessenvertretung der Photovoltaik- und Stromspeicherbranche, berichtet ebenfalls von Preisanstiegen – und zwar beim „Einkauf wichtiger Materialien und Komponenten, wie beispielsweise PV-Module, Modulunterkonstruktionen sowie Kabel- und Kabeltragsystemen“. Bei einzelnen Komponenten wie PV-Modulen und Kupferkabeln sehe man im Vergleich zu Ende 2025 teilweise Preisanstiege „im höheren zweistelligen Prozentbereich“. Diese kurzfristigen Kostensteigerungen, so der Verband weiter, „können bei bereits vor der Krise fixierten Bauprojekten nur schwer bis gar nicht an die Kund*innen weitergegeben werden“. Dadurch würden die „ohnehin durch den deutlichen Marktrückgang im vergangenen Jahr“ stark unter Druck geratenen Margen der PV-Errichter zusätzlich belastet.

Vorteil und Nachteil

Was den Absatz betrifft, hat der Verband eine differenzierte Einschätzung der Lage: „Wir sehen derzeit noch keinen größeren direkten Effekt auf den Absatz“, meint der Verband. Das Wörtchen „noch“ dürfte hier aber wichtig sein. „Mittelfristig werden die gestiegenen Kosten jedoch bei einzelnen geplanten Projekten die Rentabilität mindern.“ Dennoch rechnet man bei PV Austria für das Gesamtjahr noch „keine bremsende Wirkung auf den Absatz“.

Was der PV-Branche trotz der gestiegenen Kosten eine gewisse Hoffnung macht: Der neuerliche Preisschock bei den fossilen Brennstoffen sorgt für eine erhöhte Nachfrage nach erneuerbaren Energielösungen. Das Richard Freimüller ähnlich. „Es denken mehr Menschen über Alternativen zu Öl und Gas nach. Ich hoffe, diese Auswirkung ist nachhaltig“, sagt der Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria. Nachsatz: „Es muss uns gelingen, den Vorteil von Wind bei der Stromerzeugung zu erklären.“ So könne man die Unabhängigkeit von Importen beenden und die „Menschen sich viel Geld ersparen“.

Versorgung in Gefahr

Zu dieser Argumentation passt eine aktuelle Studie des Wiener Kontext Institut: „Bei zwölf von 17 strategischen Rohstoffen ist die Versorgung in der EU gefährdet bis stark gefährdet“, so der Think-Tank. Er sieht die Lösung in der Kreislaufwirtschaft. Dazu Kontext-Vorständin Katharina Rogenhofer: „Die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen ist für Europa und Österreich nur erreichbar, wenn wir alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen: Von der Reduktion der Nachfrage über Materialeffizienz und Langlebigkeit bis hin zu Wiederverwendung und Recycling.“