Am häufigsten wird die Verantwortung außerhalb der Betriebe gesehen. Mehr als ein Drittel der Befragten ortet die Hauptursache in einem Versagen von Politik und Bildungssystem. Dahinter folgt die Einschätzung, dass schlicht zu wenige junge Menschen ins Handwerk drängen. Gleichzeitig nennt rund ein Siebtel der Teilnehmenden eine unzureichende Qualifikation der Bewerber*innen als Kernproblem. Diese Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen die Ursache für den Fachkräftemangel in einem Zusammenspiel aus Bildungsdefiziten, demografischer Entwicklung und einer Lücke zwischen Anforderungen und Ausbildung sehen.
TIPP: Talk am See

„Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel!“
Am 27. Mai 2026 lädt das Fachmagazin Gebäude Installation wieder zur Veranstaltung „Talk am See“ ein. Diskutiert wird diesmal das Thema Fachkräftemangel.
- Anmeldung: erforderlich hier
- Thema: Zukunft der Gebäudetechnik: Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel!
- Ort: Seminarcenter Viega, Palmsdorf 102, 4864 Attersee am Attersee
- Zeit: Mittwoch 27 Mai 2026, Einlass ab 16.00 Uhr, Beginn 16.30 Uhr
- Veranstalter: Fachmagazin Gebäude Installation
- Kooperationspartner: Viega Österreich
Generation mit neuen Ansprüchen
Besonders deutlich sind die Aussagen in Bezug auf junge Bewerber*innen. Mehr als sechzig Prozent der Betriebe berichten von hohen Ansprüchen an Arbeitszeit und Freizeit. Auch eine kurze Aufmerksamkeitsspanne sowie Unsicherheiten bei Entscheidungen werden häufig genannt. Gleichzeitig relativieren offene Antworten das Bild und zeigen die Bandbreite der Erfahrungen: „Jeder Lehrling ist anders“, heißt es etwa. Andere Betriebe berichten von „keiner Eigeninitiative“ oder bemängeln, dass „die Qualifikation sehr schlecht“ sei. Wieder andere sehen strukturelle Defizite: „Mein größtes Problem ist, sie dürfen gesetzlich weniger, als sie gerne machen würden.“
Auffällig ist, dass positive Eigenschaften deutlich seltener genannt werden. Motivation oder Technikaffinität spielen in der Wahrnehmung vieler Betriebe eine untergeordnete Rolle. Das deutet auf eine gewisse Frustration im betrieblichen Alltag hin. Diese muss jedoch nicht das gesamte Bild der jungen Generation widerspiegeln.
Attraktivität ist vorhanden, wird aber zu wenig vermittelt
Ein besonders interessanter Befund betrifft die Attraktivität von Handwerk und Gewerbe. Rund ein Drittel der Befragten sieht die Chancen für junge Menschen im Handwerk als hervorragend. Gut ein Viertel ist überzeugt, dass die Branche attraktiv ist, sich aber schlecht verkauft. Damit wird ein zentraler Hebel sichtbar. Es scheint ein Kommunikationsproblem zu geben, das die tatsächlichen Chancen im SHK-Gewerbe überlagert. Auch in den offenen Antworten wird das deutlich. „Das Image des Handwerks ist schlecht“, bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt. Ein anderer fordert: „Der Stellenwert der Handwerker muss sich wieder verbessern.“
Was sich ändern muss
Gefragt nach Lösungen, zeigt sich eine bemerkenswerte Einigkeit. Frühere und realistischere Berufsorientierung in Schulen sowie weniger Bürokratie und Vorschriften werden jeweils von mehr als vierzig Prozent als zentrale Hebel genannt. Knapp dahinter folgt der Wunsch nach mehr Leistungsbereitschaft bei jungen Menschen.
Doch auch die eigene Branche wird in die Pflicht genommen. Mehr als ein Viertel der Befragten ist überzeugt, dass Betriebe selbst mehr tun müssen, um attraktiv zu bleiben. In den offenen Antworten wird das konkret. Gefordert werden „attraktivere Gehälter“, „mehr Flexibilität in der Lehre“ und eine „gerechte Entlohnung gegenüber anderen Branchen“. Gleichzeitig zeigt sich ein Spannungsfeld. Während einige Stimmen mehr Eigenverantwortung bei jungen Menschen einfordern, mahnen andere zu einem respektvolleren Umgang.
Stolz und Zweifel
Ein Blick auf die persönliche Ebene rundet das Bild ab. Viele Befragte würden ihren Beruf heute wieder wählen. Gründe sind Überzeugung, Vielseitigkeit oder sichere Beschäftigung. Aussagen wie „Handwerk hat goldenen Boden“ oder „Keine KI kann Handwerk ersetzen“ unterstreichen die hohe Identifikation mit dem Beruf. Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen: „Schlechte Bezahlung, keine Wertschätzung“ oder „Mein Beruf ist seit zwanzig Jahren fast ausgestorben.“
Unsere Umfrage macht deutlich, dass der Fachkräftemangel im SHK-Gewerbe kein kurzfristiges Phänomen ist. Er ist Ausdruck tiefgreifender Veränderungen. Bildungssystem, gesellschaftliche Erwartungen und Branchenstrukturen greifen ineinander. Wer die Lehrlingsfrage lösen will, muss an mehreren Stellschrauben ansetzen. Das betrifft die Schule ebenso wie die betriebliche Ausbildung und die Positionierung der gesamten Branche. Nur so kann es gelingen, aus der aktuellen Situation eine nachhaltige Chance für das SHK-Gewerbe zu entwickeln.
