In unserer Leserbefragung gibt mehr als ein Drittel der Teilnehmenden an, dass die Nachfrage nach Sanierungsprojekten in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gesunken ist. Weitere sechs Prozent verzeichnen einen leichten Rückgang. Dem gegenüber stehen immerhin fast ein Drittel, die einen leichten Anstieg melden, und nur zwölf Prozent, bei denen die Nachfrage deutlich gestiegen ist. Fast ein Fünftel meldet keine Veränderung. Das Bild ist also keineswegs einheitlich: Die Branche erlebt die aktuelle Sanierungsmarktlage je nach Betrieb und Spezialisierung sehr unterschiedlich.
Wo die Chancen liegen
Trotz des schwierigen Umfelds sehen unsere Leser*innen in einigen Bereichen Wachstumspotenzial. Am häufigsten genannt wird die energetische Gesamtsanierung, Heizungstausch und Heizungsmodernisierung sowie die Badsanierung, also die Klassiker im Angebot der meisten Installateurbetriebe. Bereiche wie Lüftungs- und Klimatechnik sowie Smart Home und Gebäudeautomation spielen in den Antworten hingegen eine weitaus kleinere Rolle. Dass diese Technologien so wenig nachgefragt werden, darf bezweifelt werden. Kann es sein, dass viele der befragten Betriebe in diesen Bereichen einfach noch nicht wirklich gut aufgestellt sind, um den Markt zu bedienen? Hier lässt unsere Befragung keine eindeutige Interpretation zu.
Förderunsicherheit und Kosten bremsen
Deutlicher als bei den Chancen wird das Bild bei den Herausforderungen. Die Unsicherheit bei Förderungen nennen fast zwei Drittel der Befragten als eine der drei größten Hürden bei der Umsetzung von Sanierungsprojekten. Knapp dahinter folgen die hohen Investitionskosten der Kund*innen, die für gut 59 Prozent ein zentrales Problem darstellen. Fachkräftemangel belastet mehr als die Hälfte der Betriebe, bürokratischer Aufwand ist für 41 Prozent ein wesentliches Thema. Preisdruck durch Mitbewerber und fehlende Planungskapazitäten runden das Bild ab.
Was bleibt, ist ein Sanierungsmarkt mit großem strukturellen Bedarf, der aber auf mehreren Ebenen gleichzeitig gebremst wird: durch die finanzielle Belastung der Endkund*innen, durch eine unübersichtliche Förderlandschaft und durch den anhaltenden Mangel an qualifizierten Fachkräften.
Was Installateurbetriebe beschäftigt
Wir haben die Teilnehmenden auch gefragt, welche Entwicklungen den Sanierungsmarkt in den kommenden zwei bis drei Jahren am stärksten beeinflussen werden. Die Antworten auf diese offene Frage zeichnen ein klares Bild: Es geht auch hier vor allem um Kosten, Förderungen und Planungssicherheit.
Energiepreise und Inflation werden von mehreren Leser*innen genannt. Ein Teilnehmer schreibt: „Die Entwicklung der Energiekosten sowie jene zur allgemeinen finanziellen Situation der Konsumenten“ werde den Markt maßgeblich formen. Damit spricht er ein Grundproblem an: Selbst wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, entscheidet am Ende die Kaufkraft der Endkund*innen über das Volumen des Sanierungsgeschäfts.
Dem Thema Förderungen kommt eine Schlüsselrolle zu, das wird in den offenen Antworten ebenfalls deutlich. Eine Person formuliert es unmissverständlich: „Förderungen sind unbedingt erforderlich, sonst wird die Sanierung nicht angekurbelt.“ Und sie geht noch einen Schritt weiter und fordert zusätzliche Mittel speziell für denkmalgeschützte Gebäude, wo der Sanierungsbedarf hoch, die wirtschaftliche Attraktivität aber oft gering ist. Politische Unsicherheit und gesetzliche Rahmenbedingungen nennt ein weiterer Teilnehmer als entscheidende Faktoren.
Vorsichtiger Optimismus
Die Einschätzungen zur neuen Förderpolitik sind ebenfalls gespalten. Rund 41 Prozent erwarten eher oder deutlich positive Auswirkungen auf ihr Sanierungsgeschäft in den kommenden zwölf Monaten. Fast ebenso viele, nämlich 35 Prozent, rechnen mit keinen wesentlichen Veränderungen. Rund 24 Prozent erwarten sogar negative oder deutlich negative Effekte. Das Vertrauen in die Wirksamkeit der Förderpolitik ist wohl begrenzt, oder durch die vergangenen Kapriolen nachhaltig beschädigt. Viele Betriebe warten ab, bevor sie ihre Kapazitäten und Planungen anpassen.
Unsere Leserbefragung zeichnet das Bild einer Branche, die weiterhin mit Rahmenbedingungen kämpft, die sie selbst kaum beeinflussen kann. Die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist politisch gewollt und gesellschaftlich notwendig, scheitert aber im Alltag an Finanzierungsbarrieren, Förderunsicherheit und nicht zuletzt Fachkräftemangel. Für Installationsbetriebe bedeutet das: Eigeninitiative ist gefragt. Wer mutig seine Geschäftsfelder erweitert, erzeugt eine Perspektive. Klar: Die Branche braucht politische Signale und umsetzbare Förderinstrumente. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass sich die Rahmenbedingungen rasch ändern.