Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat Anfang Juli beim traditionellen Konjunktur-Pressegespräch Zahlen der KMU Forschung Austria präsentiert. Sie zeigen für das Gewerbe und Handwerk insgesamt eine verhaltene Entwicklung mit ersten Lichtblicken im Baugewerbe, dessen Auftragsbestand um acht Prozent zulegte. Die branchenspezifischen Feindaten für die Tischler, die auf den Meldungen von 107 Betrieben mit 1.739 Beschäftigten basieren, zeichnen ein eigenes Bild.
Auftragseingänge leicht rückläufig
Im ersten Quartal 2026 sind die Auftragseingänge der Tischlereibetriebe gegenüber dem Vorjahresquartal nominell um 1,0 Prozent gesunken. Die Entwicklung war damit etwas schlechter als im Vorjahreszeitraum (minus 0,8 Prozent), aber besser als im gesamten Gewerbe und Handwerk, das nominell 2,1 Prozent verlor. 35 Prozent der Betriebe meldeten Steigerungen um durchschnittlich 11,5 Prozent, bei 40 Prozent lagen die Auftragseingänge auf Vorjahresniveau, und 25 Prozent verzeichneten Rückgänge – diese fielen mit durchschnittlich 21,7 Prozent allerdings deutlich aus. Die Verkaufspreise wurden im Branchendurchschnitt um 3,0 Prozent erhöht. Preisbereinigt ergibt sich damit ein reales Minus von 3,9 Prozent.

Objektmöbelbau mau
Der Blick auf die Geschäftsbereiche zeigt große Unterschiede. Am stabilsten präsentierte sich im ersten Quartal der Laden- und Messebau: Nur vier Prozent der dort tätigen Betriebe meldeten sinkende Auftragseingänge, 70 Prozent lagen auf Vorjahresniveau. Auch Althaussanierung und Reparatur (68 Prozent gleichbleibend) sowie das Gastronomiegeschäft (72 Prozent gleichbleibend) erwiesen sich als verlässliche Standbeine. In der Herstellung von Möbeln – für 82 Prozent der Betriebe ein relevanter Geschäftsbereich – hielten sich steigende (24 Prozent) und sinkende Auftragseingänge (23 Prozent) in etwa die Waage. Deutlich angespannter ist die Lage im Objektmöbelbau, wo 55 Prozent der Betriebe Rückgänge meldeten, sowie in der Bautischlerei mit 40 Prozent.
Stimmung deutlich über dem Gesamtgewerbe
Beim Stimmungsbarometer heben sich die Tischler klar vom Branchenumfeld ab. Im zweiten Quartal 2026 beurteilen 37 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut (Vorquartal: 29 Prozent), 45 Prozent als saisonüblich und 18 Prozent als schlecht (Vorquartal: 21 Prozent). Per Saldo überwiegen die Betriebe mit guter Geschäftslage um 19 Prozentpunkte – im gesamten Gewerbe und Handwerk liegt der Saldo dagegen bei minus acht Prozentpunkten. Im Vergleich zum Vorquartal ist das Stimmungsbarometer der Tischler gestiegen.

Auftragsbestand gesunken
Weniger erfreulich entwickelt sich das Auftragspolster. Im Branchendurchschnitt sichert der Auftragsbestand im zweiten Quartal 2026 eine Vollauslastung für 10,8 Wochen. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 ist der durchschnittliche Auftragsbestand jedoch um 6,3 Prozent gesunken – während das gesamte Gewerbe und Handwerk mit minus 0,2 Prozent nahezu das Vorjahresniveau hielt. Die im Bau erkennbare Belebung ist bei den Tischlern also noch nicht angekommen.

24 Prozent der Betriebe meldeten eine Auslastung von einer bis vier Wochen, bei 35 Prozent lag der Auftragsbestand bei fünf bis neun Wochen. 31 Prozent verfügten über eine Auslastung von zehn bis 19 Wochen, sieben Prozent über 20 und mehr Wochen. Drei Prozent der Betriebe hatten keinen Auftragsbestand. 86 Prozent des Gesamtauftragsbestandes entfielen auf private und gewerbliche Auftraggeber, neun Prozent auf öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer beziehungsweise Bauträger und fünf Prozent auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden. Freie Kapazitäten sind weiterhin vorhanden: 31 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge ausführen, 40 Prozent innerhalb von drei Monaten.

Erwartungen trüben sich ein
Für das dritte Quartal 2026 rechnen nur noch acht Prozent der Betriebe mit steigenden Auftragseingängen (Vorjahr: 14 Prozent), 69 Prozent erwarten keine Veränderung und 23 Prozent gehen von Rückgängen aus (Vorjahr: 17 Prozent). Per Saldo überwiegen die pessimistischen Einschätzungen um 15 Prozentpunkte – ein deutlich schlechterer Wert als im Vorjahr (minus drei Prozentpunkte) und auch als im Vorquartal (minus sieben Prozentpunkte). Die Tischler blicken damit skeptischer auf die kommenden Monate als das gesamte Gewerbe und Handwerk (Saldo: minus elf Prozentpunkte).
Auch hier sticht der Objektmöbelbau negativ heraus: 55 Prozent der Betriebe erwarten dort sinkende Auftragseingänge, nur ein Prozent steigende. In der Bautischlerei sowie im Laden- und Messebau rechnen jeweils 39 Prozent mit Rückgängen. Am zuversichtlichsten zeigt sich der Bereich Althaussanierung und Reparatur, wo 17 Prozent steigende und nur 14 Prozent sinkende Auftragseingänge erwarten.
Beim Personal setzen die Betriebe auf Stabilität: 85 Prozent wollen ihren Personalstand von Juli bis September konstant halten, elf Prozent planen eine Aufstockung (Vorjahr: 18 Prozent), vier Prozent einen Abbau. Die durchschnittlich geplante Erhöhung des Beschäftigtenstandes von 1,7 Prozent liegt unter dem Vergleichswert des Vorjahres (plus 2,8 Prozent).