Wir sehen jetzt zumindest zarte Anzeichen für einen Aufschwung: Erstmals verzeichneten baunahe Branchen zu Jahresbeginn 2026 wieder deutliche Steigerungen im Auftragsbestand. Das könnte ein Vorbote einer Trendwende am Bau sein, die nach und nach in den nachgelagerten Branchen ankommen sollte“, sagte Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Anlass war das Pressegespräch der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, bei dem aktuelle Zahlen der KMU Forschung Austria präsentiert wurden. Die branchenspezifischen Feindaten für die Tischlereibetriebe zeichnen dabei ein differenzierteres Bild, als es der Gesamtdurchschnitt des Gewerbes vermuten ließe.

Rückblick auf 2025

Das Jahr 2025 war für das österreichische Tischlergewerbe ein weiteres herausforderndes. Im Branchendurchschnitt stieg der nominelle Umsatz zwar leicht um 0,9 Prozent – zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt legte nominell um 3,8 Prozent zu. Preisbereinigt ergibt sich ein reales Minus von 2,9 Prozent. Damit liegt die Branche etwas besser als das gesamte Gewerbe und Handwerk (real: -3,3 Prozent), aber der Rückgang ist spürbar.

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44 Prozent der befragten Betriebe meldeten Umsatzsteigerungen – im Durchschnitt um 9,6 Prozent. Dem gegenüber standen 27 Prozent der Betriebe mit Rückgängen, die im Schnitt 11,9 Prozent ausmachten. 29 Prozent der Betriebe verzeichneten keine Veränderung gegenüber 2024. Die Verkaufspreise stiegen 2025 um 3,9 Prozent und lagen damit knapp über der allgemeinen Inflationsrate von 3,6 Prozent.

Rückgang bei Investitionen

Preisbereinigte Umsatzentwicklung bzw. reale Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts:Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent © KMU Forschung Austria

Ein zentrales Signal: Die Investitionsbereitschaft ist gesunken. 2025 tätigten 43 Prozent der Tischlereibetriebe Investitionen, 2021 waren es noch 63 Prozent. Im Branchendurchschnitt wurden rund 3.000 Euro je Beschäftigtem investiert, leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr (–1 Prozent). Mehr als die Hälfte der Investitionen entfiel auf Ersatz (60 Prozent), 26 Prozent waren Erweiterungsinvestitionen und 14 Prozent Rationalisierungsinvestitionen. Das ist ein Hinweis auf eine Branche, die sich primär erhält, aber nicht expansiv agiert. Für das Jahr 2026 planen 41 Prozent der Betriebe Investitionen – leicht mehr als im Vorjahr. 24 Prozent rechnen dabei mit einem höheren Volumen als 2025. Das ist ein positives Signal, wenn auch ein vorsichtiges.

Die Zahlen zur sinkenden Investitionsbereitschaft deutet Gerhard Spitzbart, Bundesinnungsmeister der Tischler und Holzgestalter, als ein Indiz dafür, dass Betriebe in den letzten Jahren viel investiert hätten – vor allem in der Corona-Zeit, worauf auch der „Höchststand“ im Jahr 2021 hindeute. Beim Personal gab es in den letzten Jahren einen gewissen Downsizingprozess – durch Pensionierung oder sonstigen Abgang frei werdende Positionen wurden nicht nachbesetzt. Zum Teil habe man das durch Automatisierung ausgeglichen, viele Betriebe haben in den letzten Jahren maschinenmäßig „aufgerüstet“.

Kosten sind größte Belastung

Bei den Herausforderungen für 2026 dominieren die Kosten. 59 Prozent der Tischlereibetriebe nennen Steuern und Abgaben als Top-Belastung, gefolgt von Arbeitskosten (54 Prozent) und Preiskonkurrenz (53 Prozent). Bürokratie und Verwaltung belasten 51 Prozent der Betriebe, Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien 48 Prozent. Der Fachkräftemangel, der in den Jahren 2021 und 2022 noch 60 bis 64 Prozent der Betriebe beschäftigte, ist auf 43 Prozent gesunken – bleibt aber ein strukturelles Thema.

„Salopp gesagt, ist die letzten fünf Jahre alles um ein Drittel teurer geworden. Damit meine ich Energie, Treibstoffe, diverse Gebühren als auch die Personalkosten. Zudem ist die Inflation wieder gestiegen. Natürlich müssen wir diese Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben – was aufgrund der aktuellen Unsicherheiten nicht einfach ist“, so Gerhard Spitzbart.

Da die Befragung kurz vor der Eskalation des Iran-Konfliktes startete, sind die stark gestiegenen Energiekosten zudem nur teilweise abgebildet. „Die Betriebe brauchen jetzt dringend Planungssicherheit und Entlastung von den hohen Energiekosten. Die Lehre aus den vorangegangenen Krisen ist: Wer rasch die Kosten dämpft, verhindert eine Inflationsspirale, die dem Standort abermals massiv schaden würde“, betont Spartenobmann Manfred Denk. Er fordert, dass energieintensive Branchen im Gewerbe und Handwerk bei Kompensationszahlungen nach dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) ebenfalls berücksichtigt werden. Eine effektive und wirkungsstarke Wettbewerbskontrolle soll national und auf EU-Ebene verhindern, dass Großlieferanten die Krise als Vorwand für Angebotsverknappungen oder Preissteigerungen nützen. Und die strategische Gasreserve in Österreich soll dazu beitragen, Preisspitzen zu vermeiden.

Und BIM Spitzbart spricht eine weitere drohende Konsequenz durch die gestörte Energieversorgung an: In manchen Bereichen wie z. B. bei Spanplatten oder bei Kunststoffkomponenten drohen Materialengpässe durch gedrosselte Produktionen – wiederum ausgelöst durch die hohen Energiekosten.

Auftragsbestand dreht ins Plus

Das erste Quartal 2026 bringt eine erfreuliche Nachricht: Der durchschnittliche Auftragsbestand der Tischlereibetriebe ist im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 4,1 Prozent gestiegen. Im Branchendurchschnitt sichert der Auftragsbestand eine Vollauslastung von 9,6 Wochen, etwas mehr als im Vorjahr. Damit entwickelt sich die Tischlerbranche deutlich besser als das gesamte Gewerbe und Handwerk, das im selben Zeitraum einen Rückgang von 1,7 Prozent verzeichnete. 43 Prozent der Betriebe meldeten einen Auftragsbestand von fünf bis neun Wochen, 37 Prozent von zehn bis 19 Wochen. Acht Prozent hatten keinen Auftragsbestand. 85 Prozent der Aufträge kamen aus dem privaten und gewerblichen Bereich, neun Prozent entfielen auf öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer oder Bauträger, sechs Prozent auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden.

Stimmung leicht positiv

Entwicklung des Auftragsbestands: Veränderung zum 1. Quartal des jeweiligen Vorjahresin Prozent © KMU Forschung Austria

Das Stimmungsbarometer zeigt im ersten Quartal 2026 einen positiven Saldo von acht Prozentpunkten: 29 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als gut, 50 Prozent als saisonüblich und 21 Prozent als schlecht. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich die Stimmung geringfügig eingetrübt. Damit zeigt die Tischlerbranche, trotz aller Belastungen, eine relative Stabilität.

Das bestätigt Gerhard Spitzbart: „Grundsätzlich ist die Stimmung nicht schlecht. Wir bemerken allerdings, dass der Weg bis zum Geschäftsabschluss mühsamer wird. Die Kund*innen werden vorsichtiger und holen mehrere Angebote ein. Das bedeutet für Tischlereien, noch mehr in Aufbau und Erhalt der Kundenbeziehungen zu investieren.“ 32 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge ausführen, 43 Prozent in drei Monaten. Das signalisiert: Die Kapazitäten sind da, aber die Nachfrage deckt sie nicht vollständig ab. Vor allem der Objektmöbelbau zeigt Schwäche – dort erwarten 46 Prozent der Betriebe sinkende Auftragseingänge für das zweite Quartal. Besser sieht es bei Althaussanierung und Reparatur aus: Hier rechnen nur 12 Prozent mit Rückgängen, 79 Prozent erwarten keine Veränderung.

Vorsichtiger Optimismus

Für das zweite Quartal 2026 überwiegen in der Tischlerbranche die pessimistischen Einschätzungen: Der Saldo liegt bei minus sieben Prozentpunkten. 17 Prozent erwarten sinkende Auftragseingänge, nur zehn Prozent steigende. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 hat der Pessimismus damit zugenommen, der Saldo verschlechterte sich von plus vier auf minus sieben Prozentpunkte.

Beim Personal planen 21 Prozent der Betriebe eine Aufstockung, 74 Prozent wollen den Stand halten und fünf Prozent einen Abbau. Die durchschnittlich geplante Personalerhöhung von 2,8 Prozent liegt unter dem Vergleichswert des Vorjahres (6,1 Prozent) – ein Indiz dafür, dass die Saisoneffekte 2026 gedämpfter ausfallen als gewohnt.  ■

Spartenobmann Manfred Denk © WKÖ Nadine Studeny

Manfred Denk,
Obmann Bundessparte ­Gewerbe und Handwerk

Die Betriebe brauchen jetzt dringend Planungssicherheit und Entlastung von den hohen Energiekosten.

Wir spüren einen gewissen Aufwind, die Unsicherheit, wie sich die politische und wirtschaftliche Lage entwickeln wird, dämpft allerdings die StimmungGerhard Spitzbart, Bundesinnungsmeister Tischler & Holzgestalter

Gerhard Spitzbart,
Bundesinnungsmeister ­Tischler & Holzgestalter

Wir spüren einen gewissen Aufwind. Die Unsicherheit, wie sich die politische und wirtschaftliche Lage entwickeln wird, dämpft allerdings die Stimmung.