Sanierungsoffensive 2026

Sanierungsbonus für die Gebäudehülle gestoppt

Das Umweltministerium hat die Förderung für den Sanierungsbonus der Gebäudehülle am 2. Februar 2026 überraschend beendet. Begründet wird der Förderstopp mit einer höheren CO₂-Einsparung pro Fördereuro beim Kesseltausch. Vertreter der Bau- und Dämmstoffbranche kritisieren diese Entscheidung als einseitig und kurzfristig gedacht.

Eigentlich hat die Sanierungsoffensive 2026 auf zwei zentralen Instrumenten gefußt: dem Kesseltausch und dem Sanierungsbonus für thermisch-energetische Sanierung. Das hat sich nun überraschend geändert. Nach neun Wochen Laufzeit sind seit 2. Februar 2026 nur noch Registrierungen und Förderanträge für den Kesseltausch möglich. „Seit der Neuauflage der Sanierungsoffensive mit Ende November 2025 hat sich gezeigt, dass rund zwei Drittel des Antragsvolumens auf den Sanierungsbonus entfallen und nur rund ein Drittel auf den Kesseltausch. Da der Kesseltausch im Vergleich jedoch eine deutlich höhere CO2-Einsparung pro eingesetztem Euro erzielt, wird die Sanierungsoffensive angepasst“, so die Begründung des Umweltministeriums. Fachvertreter aus dem Bereich der thermisch-energetischen Sanierung halten diese Betrachtung für zu kurz gegriffen und kritisieren sie heftig.

Kurzfristige CO₂-Rechnung versus langfristige Effizienz

„Es ist unverständlich und frustrierend, dass ausgerechnet jene Maßnahme zurückgedrängt wird, die dauerhaft wirkt – nämlich die Reduktion des Energiebedarfs selbst“, sagt Peter Schmid, Vorstandsvorsitzender der Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie 2050, die Organisation und Interessensvertretung der Dämmstoff- und Fensterindustrie, kurz GDI 2050. „Ein getauschter Kessel bleibt abhängig von Energieträgern und Strom. Eine sanierte Gebäudehülle macht unabhängiger – und zwar langfristig.“

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Gebäudehülle reduziert Abhängigkeiten

Während ein Heizungstausch bestehende Abhängigkeiten von Energieträgern oder Strom lediglich verlagere, reduziere eine verbesserte Dämmung den Heizenergiebedarf insgesamt. Auch Aspekte der Versorgungssicherheit spielen eine Rolle. Moderne Heizsysteme benötigen Strom für Betrieb und Steuerung. Bei einem Heizungsausfall kann die Raumtemperatur in ungedämmten Gebäuden rasch absinken, während gut gedämmte Gebäude Wärme deutlich länger speichern. Effizienzmaßnahmen an der Gebäudehülle werden daher auch als Beitrag zur Resilienz von Haushalten bewertet.

Bedeutung für Bauwirtschaft und Arbeitsplätze

Thermisch-energetische Sanierungen sind arbeitsintensiv und regional wirksam. Investitionen in die Gebäudehülle sichern Beschäftigung im Bau- und Ausbaugewerbe und stärken die heimische Wertschöpfung. Förderungen in diesem Bereich haben einen wichtigen stabilisierenden Effekt auf das Bauhandwerk.
„Das Sanierungsgewerbe ist kein ,Nice-to-have‘, sondern ein stabilisierender Faktor für Beschäftigung – besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Auch volkswirtschaftlich ist die Wirkung klar: Bei der Sanierung der Außenwände wird das Bruttoinlandsprodukt um das 3,80-fache der Förderung erhöht – beim Kesseltausch hingegen nur um das 1,41-fache. Wer Förderung streicht, spart nicht – er verschiebt Kosten und vernichtet Potenzial“, so der Vorstand von GDI 2050.
Vertreter der Bau- und Sanierungsbranche fordern eine umfassende Betrachtung und die Fortführung des Sanierungsbonus.
(bt)

 

Redaktion Handwerk + Bau

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