Potenzial von E-Autos als Hausspeicher
Eine Bachelorarbeit an der Hochschule Burgenland kommt zu dem Ergebnis, dass Elektrofahrzeuge als bidirektionale Stromspeicher in Wohngebäuden den Netzstrombezug deutlich reduzieren können. In Simulationen wurden Einsparungen bei Stromkosten und CO2-Emissionen berechnet.
Im Rahmen seiner Bachelorarbeit im Studiengang Gebäude- und Energietechnik an der Hochschule Burgenland hat Christoph Paar simulationsgestützt analysiert, wie sich Elektroautos als Hausspeicher nutzen lassen. Untersucht wurden unterschiedliche Größen von Photovoltaikanlagen, Fahrzeugtypen sowie Lade- und Verbrauchsprofile für ein typisches Wohngebäude. Das Ergebnis der Berechnungen: Bidirektionales Laden im Sinne von Vehicle-to-Home (V2H) kann den Strombezug aus dem Netz deutlich senken.
„Wer sein E-Auto bidirektional laden kann, macht aus dem Parkplatz vor der Haustür einen Energiespeicher – und spart damit spürbar Kosten und CO2“, sagt Christoph Paar, Studienautor im Studiengang Gebäude- und Energietechnik an der Hochschule Burgenland in Pinkafeld. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Strombezug aus dem Netz im Vergleich zu ungesteuertem Laden um bis zu 51 Prozent verringern lässt. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauch der PV-Anlage, und sowohl Einspeisung als auch Bezug werden intelligenter verteilt.“
Potenzial durch bidirektionales Laden
Ausgangspunkt der Arbeit ist die wachsende Zahl an Elektrofahrzeugen in Österreich. Laut Angaben des Bundesverbands Elektromobilität Österreich (BEÖ) waren bis Dezember 2025 257.717 E-Fahrzeuge zugelassen. Bei einer durchschnittlichen Batteriekapazität von rund 65 Kilowattstunden ergibt sich daraus eine rechnerische Gesamtspeicherkapazität von etwa 16,75 Gigawattstunden.
Dem gegenüber steht der Strombedarf privater Haushalte. Einpersonenhaushalte verbrauchen im Schnitt rund 1.900 Kilowattstunden pro Jahr, Dreipersonenhaushalte etwa 4.200 Kilowattstunden. Vehicle-to-Home-Systeme setzen hier an: Überschüssiger Strom aus der Photovoltaikanlage wird im Fahrzeug gespeichert und bei Bedarf wieder ins Hausnetz eingespeist.
Wirtschaftliche und ökologische Effekte
Besonders groß ist der Nutzen laut Simulationen bei kleineren bis mittelgroßen Photovoltaikanlagen, wenn Stromerzeugung und Verbrauch zeitlich nicht deckungsgleich sind. In diesen Szenarien sanken die jährlichen Stromkosten in der Modellrechnung teils um über 1.400 Euro. Zudem konnten die CO2-Emissionen pro Fahrzeug um bis zu 370 Kilogramm pro Jahr reduziert werden. Auch bei größeren Anlagen bleibe Vehicle-to-Home sinnvoll, wenngleich der relative Zusatznutzen abnehme.
„Der größte Effekt entsteht, wenn Photovoltaikerzeugung und Haushaltslast nicht perfekt übereinanderliegen“, so Christoph Paar. „Dann schließt das Fahrzeug als mobiler Speicher die Lücke zwischen Mittagssonne und Abendverbrauch. V2H ist damit ein realistischer Baustein für mehr Autarkie und eine saubere, leistbare Energieversorgung im Eigenheim.“
Laut der Arbeit ist die intelligente Einbindung bidirektionaler Ladeinfrastruktur technisch umsetzbar. Der breitere Einsatz hänge derzeit weniger von der Technik ab, sondern vielmehr von fehlenden Standards sowie offenen Fragen zu Netzanschluss, Messung und Abrechnung. Mit fortschreitender europäischer Standardisierung und klareren regulatorischen Rahmenbedingungen sei eine schrittweise Verbreitung in den kommenden Jahren zu erwarten, heißt es in der Arbeit.




