Thermische Sanierung

Sanierungsrate fällt unter Zielpfad

Eine aktuelle Studie zeigt einen deutlichen Rückgang der thermischen Sanierungsrate in Österreich. Branchenvertreter kritisieren den Förderstopp für 2026 und warnen vor negativen Folgen für Klimaziele und Bauwirtschaft.

Die thermische Sanierungsrate von Gebäuden in Österreich ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Das zeigt die Studie „Monitoring-System zu Sanierungsmaßnahmen in Österreich 2025“, die vom Institut für Bauen und Wohnen und vom Umweltbundesamt erstellt wurde. Auftraggeber sind der Fachverband Steine-Keramik, der Zentralverband industrieller Bauproduktehersteller sowie die Gebäudehülle + Dämmstoff Industrie 2050.
Lag die thermische Sanierungsrate – also die Sanierung der Gebäudehülle – zu Beginn der 2010er-Jahre noch bei rund 1,8 Prozent, ist sie laut Studie mittlerweile auf 0,9 Prozent zurückgegangen.

Thermische Sanierung deutlich unter Zielvorgabe

Insgesamt – also inklusive geförderter und ungeförderter umfassender Sanierungen sowie kumulierter Einzelmaßnahmen – lag die Sanierungsrate 2024 bei etwa 1,6 Prozent des Wohnungsbestandes. Simulationen auf Basis bisheriger Entwicklungen zeigen jedoch, dass dieser Wert deutlich zu niedrig ist, um die politischen Ziele zu erreichen. Für eine vollständige Dekarbonisierung des Gebäudebestandes bis 2040 müsste die Sanierungsrate laut Studie rasch auf etwa drei Prozent aller Wohnungen steigen. Betrachtet man nur Hauptwohnsitze, wäre eine Quote von 2,7 Prozent erforderlich.

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Kritik am Förderstopp für 2026

Entsprechend kritisch beurteilen die Auftraggeber den kurzfristig angekündigten Förderstopp für die thermische Sanierung im Jahr 2026. Aus Sicht der Branchenvertreter setzt die derzeitige Förderpolitik zu stark auf den Austausch von Heizsystemen.
Robert Schmid, Obmann des Fachverbandes Steine-Keramik, betont, dass die Sanierung der Gebäudehülle die einzige Maßnahme ist, die Energieverbrauch und CO₂-Emissionen dauerhaft und deutlich reduziert.
Auch Wolfgang Amann vom Institut für Bauen und Wohnen sieht eine einseitige Förderung des Heizungstauschs kritisch. Laut Studie wurde nur bei etwa jedem zehnten Kesseltausch gleichzeitig eine umfassende Sanierung umgesetzt. Dadurch bleiben zusätzliche Effekte – etwa für Energieeinsparungen oder die Bauwirtschaft – weitgehend ungenutzt.

Forderung nach technologieoffener Förderung

Die beteiligten Verbände plädieren daher für mehr Flexibilität bei Förderprogrammen. Förderwerber sollten künftig wieder selbst entscheiden können, welche Maßnahmen im jeweiligen Gebäude die besten Ergebnisse liefern. Ein künstlicher Eingriff wie der aktuelle Förderstopp sei aus Sicht der Branche kontraproduktiv und könne die Sanierungsaktivität zusätzlich bremsen.

Ausgewogene Förderpolitik für 2027 gefordert

Für kommende Förderperioden fordert die Industrie eine ausgewogene und planbare Ausgestaltung der Programme. Gunther Sames, Vorsitzender des Vorstands des Zentralverbandes der industriellen Bauproduktehersteller, betont: „Bei der Ausschüttung von Förderungen für 2027 darf es zu keiner weiteren einseitigen Bevorzugung einzelner Technologien oder Branchen kommen. Die Förderlogik muss wieder ausgewogen, planbar und standortverträglich ausgestaltet werden.“
(bt)


Die vollständige Studie sowie eine Kurzfassung der Ergebnisse stehen online zur Verfügung unter:
www.baumassiv.at
www.gdi2050.at
www.zib-baustoffe.at

Redaktion Handwerk + Bau

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