Steildach

Ein Dach als Brücke über die Epochen

Ein Gasthaus in Slowenien ist über Jahrzehnte hinweg gewachsen – allerdings ohne ein klares architektonisches Gesamtkonzept. Erst als sich der Wirt entschloss, dem traditionsreichen Dorfgasthof ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben, entstand ein stimmiges Zusammenspiel aus Architektur, Materialität und handwerklicher Qualität.

Als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher*innen der slowenischen Hauptstadt Ljubljana war das Gasthaus über viele Jahre hinweg immer wieder erweitert worden. Die funktionalen Anbauten konnten dem steigenden Bedarf jedoch nicht mehr gerecht werden. Die Lösung: Ein großzügiger Restaurantbereich – ausgelegt für größere Feiern und Hochzeiten – sowie drei darüberliegende Etagen mit Hotelzimmern.

Dacharchitektur als verbindendes Element

Zwischen einer belebten Einkaufs-Straße und den ruhigen Uferzonen der Ljubljanica gelegen, war es das Ziel, zwei gegensätzliche Atmosphären zu vereinen. Zur Flussseite hin prägen geneigte Giebel das Bild eines klassischen Dorfgasthofs, während die Straßenseite mit horizontalen Fensterbändern einen urbaneren Ausdruck erhält. Das Gebäude schlägt zudem eine architektonische Brücke zwischen der kleinteiligen Struktur des historischen Viertels und den benachbarten, größeren Wohnbauten. „Der zentrale Leitgedanke unseres Entwurfs war es, das charakteristische Motiv des Dorfgasthofs konsequent zu bewahren“, erklärt Architekt Blaž Rupar von 3biro d.o.o.

Straßenseitige Ansicht: horizontale Fensterbänder schaffen einen urbanen Ausdruck. Wienerberger d.o.o.
Straßenseitige Ansicht: horizontale Fensterbänder schaffen einen urbanen Ausdruck. Wienerberger d.o.o.

Tonziegel als prägendes Merkmal

Ein prägendes Merkmal des Gebäudes ist der durchgängige Einsatz von Tonziegeln. Sie vereinen die unterschiedlichen Baukörper zu einem harmonischen Gesamtbild und verankern das Projekt in seiner kulturellen und geografischen Tradition. Sowohl das geneigte Dach als auch die hinterlüfteten Fassaden wurden mit klassischen Tondach Biber-Ziegeln ausgeführt – einem in der Region seit Generationen verwendeten Dachmaterial. Die Verlegung auf geneigten wie auch vertikalen Flächen erzeugt eine plastische, schichtartige Oberfläche, deren Wirkung sich je nach Lichteinfall verändert.
Für die Verarbeitung wurden die Tondach-Ziegel werkseitig mit vorgebohrten Nagellöchern optimiert, was die Montage auf der Baustelle deutlich erleichtert und die Verlege-Geschwindigkeit erhöht – ein klarer Vorteil für Dachdeckerbetriebe.

Sowohl das geneigte Dach als auch die hinterlüfteten Fassaden wurden mit für die Region typischen klassischen Tondach Biber-Ziegeln ausgeführt. © Wienerberger d.o.o.
Sowohl das geneigte Dach als auch die hinterlüfteten Fassaden wurden mit für die Region typischen klassischen Tondach Biber-Ziegeln ausgeführt. © Wienerberger d.o.o.

Tradition und Technik im Einklang

Das architektonische Konzept lebt vom Spannungsfeld zwischen Tradition und moderner Bauweise. Zwei höhere Gebäudeflügel rahmen den Bestandsbau ein und werden durch ein durchgehendes, geneigtes Dach zu einer einheitlichen Dachlandschaft verbunden. Die markante Silhouette eines klassischen Landgasthofs bleibt so erhalten. „Die konsequente Verwendung von Tonprodukten hat wesentlich dazu beigetragen, eine eigenständige architektonische Identität zu schaffen, die unterschiedliche Elemente und Räume zusammenführt“, erläutert Architekt Blaž Rupar.
Die gestalterische Vermittlung zwischen Dorf und Stadt, Tradition und Innovation erfolgt über Dachformen, Materialkontinuität und klare bauliche Struktur. Das Ergebnis ist ein Gasthof, der heutigen funktionalen Anforderungen gerecht wird und zugleich seine Rolle als kultureller Ankerpunkt der Region stärkt.
(bt)