Architektur

Sportstättenbau entdeckt Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Bauen
08.11.2021

Sport soll und kann die soziale, wirtschaftliche und ökologische Zukunft positiv beeinflussen. Beim Sportstättenbau wird zunehmend mehr Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt. In wie weit die Verantwortlichen ihrer Rolle nachkommen, wird sich zeigen.

Nachhaltigkeit im Sportstättenbau

Wenn Sportstätten gebaut werden, handelt es sich üblicherweise um große Bauprojekte. Neben der Funktionalität wird in letzter Zeit auch immer mehr Augenmerk auf Klima- und Ressourcenschutz gelegt. Ebenfalls im Blick haben die Verantwortlichen neuen Technologien und soziale Ansätze. Das ist sinnvoll und notwendig, denn die Nachfrage nach Bewegungs- und Sporträumen wächst stetig. 1966 gab es in Österreich 1.742 Turnhallen. Mittlerweile sind es fast 5.000. Die Zahl der Freianlagen mit derzeit über 3.500 Plätzen hat sich mehr als verdoppelt.

Nachhaltigkeit im Sportstättenbau

Um diesem Bedarf und gleichzeitig den Anforderungen unserer Zeit gerecht zu werden, sind innovative Konzepte im Sportstättenbau gefragt. Von der Planung über die Errichtung bis zum Betrieb und darüber hinaus, sollen sämtliche Aspekte der nachhaltigen Entwicklung Berücksichtigung finden.

Entwicklung des Sportstättenbaus

In Österreich gibt es 15.000 Sportvereine mit mehr als 2,1 Millionen Mitgliedern. Da sich Sport meist in Hallen und auf Sportplätzen abspielt, kommt dem Sportstättenbau eine zentrale Rolle zu. Architektur, Politik und die Eventbranche setzen dabei vermehrt auf Nachhaltigkeit. So hat etwa die International Association for Sports and Leisure Facilites (IAKS) im September 2021 die Fachtagung "Sport im Zentrum 2021" mit dem Schwerpunktthema "Nachhaltigkeit im Sportstättenbau" abgehalten. Unter dem Motto "Sport verbindet uns" wurden unterschiedliche Ansätze zur nachhaltigen Planung von Sportstätten und ihre Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung diskutiert.

Nachhaltigkeit als neue Herausforderung im Sportstättenbau

Die Keynote der Veranstaltung im Wiener Technologiezentrum Seestadt übernahm Sepp Hackl vom Umweltbundesamt. Dabei betonte er den dringenden Handlungsbedarf im Bereich des nachhaltigen Sportstättenbaus. "Der Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft ist unerlässlich, besonders im Bereich des Sports", so Hackl. Er betonte die Wichtigkeit integraler Ansätze in der Sportplanung, die interdisziplinäre Zusammenarbeit und den resultierenden Einfluss der Sportstätte auf ökologische und soziale Faktoren.

Harald Kuster von Kuster Energielösungen GmbH präsentierte bereits umgesetzte Erfolgsbeispiele aus ganz Österreich. So werden etwa im neuen Eisring Süd in Wien durch einen nachhaltigen Aufbereitungsprozess die Abwärme aus der Eislaufanlage zu 100 Prozent für Raumheizung und Warmwasser nutzbar gemacht und so bis zu 226 Tonnen CO2 eingespart. Doch nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Sporthalle kann der Ressourcenverbrauch reduziert werden.

Österreichs nachhaltigster Sportverein

Sportopia 2021: (vlnr) Heinz Rumpold, Obmann BT Füchse; Jörg Meixner, Umweltbundesamt; Cedric Mayer, Sportsedition; Karl-Heinz Weiland, GF BT Füchse; Christian Rahm, Obmann Stv. und Projektmanagement Nachhaltigkeit

Ein Best Practice Beispiel dafür, dass mit einer eindeutigen Zieldefinition und selbst kleinen Schritten eine große Wirkung zeigen können, beweist Österreichs nachhaltigster Sportverein, die BT Füchse, Handball Club Bruck Trofaiach in der Steiermark. Der Verein legt beispielsweise Wert auf eine umweltschonende An- und Abreise zu den Trainings- und Wettkampfterminen. "Vereinsfahrten können beispielsweise mit E-Autos zurückgelegt werden", sagt Karl-Heinz Weiland vom Handballverein BT Füchse. Ein kritisches Bewusstsein für die Herkunft und Herstellung der Sportausrüstung ist ein weiterer wichtiger Aspekt, wie etwa auch der Umgang mit Abfällen, insbesondere bei Veranstaltungen.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze

Dass sich eine nachhaltige Zielsetzung, wirtschaftlicher Erfolg und sportliche Leistungen nicht im Wege stehen, sondern sich sogar gegenseitig fördern, davon sind die steirischen Handballer*innen überzeugt: "Wir schauen optimistisch in die Zukunft! Die Förderung unserer Talente steht wie jedes Jahr an erster Stelle, die Entwicklung hin zum nachhaltigen Sportverein wird uns maßgeblich helfen, unsere Ziele zu erreichen", so Heinz Rumpold, Vereinsobmann der BT Füchse. Rumpold ist zudem überzeugt, dass der organisierte Sport mit seiner enormen gesellschaftlichen Reichweite ein verlässlicher Multiplikator sein kann. Das beginnt beim Sportstättenbau, geht aber noch weit darüber hinaus.

Wirtschaftlicher Erfolg dank nachhaltigem Sportstättenbau

Kooperationen, Sponsoring und Fördermittel sind Aspekte, die gerade im Sport von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Dass Akteur*innen aus diesen Bereichen auch immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz legen, wirkt sich dementsprechend auch auf die wirtschaftliche Performance der Sportvereine und Institutionen aus. Zudem können etwa kommunale Sportanlagen in Österreich bis zu 50 Prozent Bundesförderung in Anspruch nehmen, wenn sie mindestens dem klima:aktiv-Standard Silber entsprechen.

Nachhaltigkeit in der internationalen Sportbranche

Selbstverständlich beschäftigt sich nicht nur Österreich mit nachhaltigem Sportstättenbau. Auch die internationale Sportbranche sieht sich der Nachhaltigkeit auf allen Ebenen verpflichtet. Die Betonung liegt hier auf allen Ebenen: Nicht erst seit der Ära der UN Sustainable Development Goals (SDGs) wird unter Nachhaltigkeit weit mehr als reiner Umweltschutz verstanden. Es geht vielmehr um ein gesamtheitliches Konzept, das neben den ökonomischen und ökologischen Aspekten auch den sozialen Bereich mit einschließt.

Ein Vorzeigeprojekt in Sachen nachhaltigem Sportstättenbau ist etwa die Johan Cruijff Arena in Amsterdam. Sander van Stiphout, Director International der Johan Cruijff Arena, verantwortlich für transversale Aktivitäten und Innovation: "Die Johan Cruijff Arena ist ein Gesamtkonzept, welches das Fußballstadion als Teil des Ökosystems der Stadt einbindet." Neben ökologischen Investitionen ist das Stadion in Amsterdam direkt in die Infrastruktur mit lokalen Unternehmenskooperationen und Start-Ups eingebunden. Um auch dem sozialen Aspekt gerecht zu werden, ist beispielsweise aktuell geplant, sieben Arbeitsplätze für Menschen mit schwierigem Zugang zum Arbeitsmarkt zu schaffen.

Doch auch bereits in Planung sollten und werden teilweise alle Aspekte beim Bau von Sportstätten mitbedacht, wie Claudia Koller und Caroline Weber von der Initiative 100% Sport betonen. "Dazu zählen unter anderem eine gute öffentliche Anbindung und barrierefreie Zugänge zu den Sportstätten, damit die Sportplätze für verschiedenste Personengruppen zugänglich sind und so die Inklusion gefördert wird."

Nachhaltigkeit bei laufendem Betrieb

Ein ganzheitliches Konzept sollte naturgemäß auch ein effizientes Gebäude- und Energiemanagement beinhalten. Digitale Lösungen zur intelligenten Gebäudenutzung werden zukünftig eine zentrale Rolle übernehmen. Dazu gehören unterschiedliche Möglichkeiten wie etwa die Onlinebuchung von Kursplätzen, digitale Rund-um-die-Uhr-Zutrittssystem oder CO2-Messungen in Sporthallen zur automatisierten Belüftung. Diese Aspekte werden optimalerweise schon bei der Planung von nachhaltigem Sportstättenbau mitgedacht um die entsprechende Infrastruktur nicht nachträglich einbauen zu müssen.

Digitalisierung im Sport

Auch der Lebensbereich Sport ist von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen. Dieses Thema wurde unter anderen bei der Veranstaltung "Sportopia", einem Forum für Innovation und Nachhaltigkeit im Sport ins Zentrum gerückt. Veranstaltet wurde das Forum von der Nachhaltige Entwicklung der Umweltbundesamt GmbH die zum Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport gehört und sich auch für Nachhaltigkeit im Sportstättenbau starkmacht. Die Umweltbundesamt GmbH betreibt eine eigene Homepage, in der es um nachhaltigen Sport in Österreich geht. Darauf finden sich zahlreiche Informationen, Erfolgsgeschichten und aktuelle Entwicklungen im Bereich "Nachhaltiger Sport".

Sportstättenbau Raiffeisen Arena – die klimaneutrale Arena

Ein Großprojekt im Sportstättenbau der kommenden Jahre ist die neue Raiffeisen Arena des Linzer Athletik-Sport-Klubs in Linz. Für die Bauausführung zeichnet die Porr verantwortlich. 2023 soll das Stadion fertig sein. Nachhaltigkeit im Sportstättenbau und darüber hinaus hat man sich in Linz auch auf die Fahnen geheftet. "Als zukunftsgerichteter Verein kommen wir an den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit natürlich nicht vorbei. Wir leisten hier gerne unseren Beitrag", sagt LASK-Präsident Sigmund Gruber. Geplant ist, dass das neue Stadion eine klimaneutrale Arena wird. In Zusammenarbeit mit der Energie AG wurde ein eigenes Energiekonzept ausgearbeitet. Die Stromerzeugung soll autark über Photovoltaik-Anlagen auf den Dachflächen erfolgen und im Stadion werden nach Fertigstellung nur wiederverwertbare Trinkflaschen und Becher ausgegeben, um die Arena "plastikfrei" zu halten. Geplant wird die neue Sportstätte von Harald Fux, der nicht nur Vorsitzender des IAKS Österreich ist, sondern auch Geschäftsführer der Raumkunst ZT GmbH, die mit der Planung beauftragt wurde. Nachdem Fux und sein Unternehmen international für nachhaltige Konzeption und Kapazität im modernen Sportstättenbau bekannt sind, steht einer zeitgemäßen Arena auf der Gugl wohl nichts mehr im Weg.

SPORTSTÄTTENBAU - PROJEKTE DER ZUKUNFT

Giuseppe Meazza Stadion in Mailand

Giuseppe Meazza Stadion in Mailand

In Italien planen der AC Mailand und Inter Mailand ein neues Stadion zur Saison 2022/23. Insgesamt soll ein Sport-Komplex auf 106.000 Quadratmetern entstehen. Das Stadion wird für eine Kapazität von 60.000 Zuschauer*innen ausgelegt. Die Verantwortlichen legen Wert auf ökologische Nachhaltigkeit und planen die Hälfte der Gesamtfläche zu begrünen.

Estadio Santiago Bernabeu 2.0 in Madrid

Estadio Santiago Bernabeu 2.0 in Madrid

Das Projekt "Estadio Santiago Bernabeu 2.0" von Real Madrid wurde im April 2019 gestartet und soll bereits 2023 fertig gestellt sein. 500 Millionen Euro sind für den Umbau veranschlagt. Die Arena ist nicht nur eine geschlossene Halle, das Dach kann ein- und ausgefahren werden. Im Inneren ist eine 360-Grad-Videoleinwand vorgesehen.

Stadion des FC Everton in Liverpool

Stadion des FC Everton in Liverpool

Der Planungsausschuss der Stadt Liverpool stimmte den Plänen für das neue Stadion des FC Everton am Fuße des Mersey Rivers zu. Geplant ist eine Kapazität von 52.888 Plätzen mit der Option, auf 62.000 zu erweitern. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 580 Millionen Euro. 2024 soll das Stadion fertig sein.

Camp Nou in Barcelona

Camp Nou in Barcelona

Der FC Barcelona will in einem neuen Projekt die Nachhaltigkeit und den Komfort erhöhen. Das umgebaute Stadion soll eine Kapazität von 105.000 Plätzen erreichen. Mitglieder-Plätze werden überdacht, VIP-Logen vergrößert und E-Auto-Ladestationen sowie Photovoltaikanlagen kommen aufs Gelände. Highlight wird der 360-Grad-Bildschirm im Inneren des Stadions sein.

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