Interview

Entscheidender Faktor Tageslicht

Tageslichtplanung
14.05.2021

Von: Redaktion Handwerk + Bau

Die Tageslichtexpert*innen Christina Brunner und Heinz Hackl vom Dachfensterhersteller Velux erklären im Gespräch, warum eine überlegte Tageslichtplanung in Bau und Architektur wichtiger denn je ist.

Warum ist Tageslichtplanung so wichtig?

Christina Brunner: Tageslicht ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden in unseren eigenen vier Wänden entscheidend. Nur mit ausreichender Belichtung funktioniert unsere innere Uhr, sie wirkt sich positiv auf unsere Stimmung aus und ist nicht einfach durch Kunstlicht zu ersetzen. Bei zu wenig Tageslicht kann es vermehrt zu Müdigkeit, aber auch zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder sogar zu Stoffwechselerkrankungen kommen. Wir verbringen heutzutage den Großteil unserer Zeit in Innenräumen und sind zu einer regelrechten „Indoor-Generation“ geworden. Daher ist die Tageslichtplanung im Neubau oder bei Renovierungen von entscheidender Bedeutung, auch in ökologischer Hinsicht. Die österreichische Bundesregierung hat mittlerweile sogar „Tageslichtversorgung“ in den wichtigen Kriterienkatalog von klimaaktiv aufgenommen.

Was genau bedeutet diese Aufnahme in den Kriterienkatalog von klimaaktiv?

Heinz Hackl: Das Klimaschutzministerium hat den klimaaktiv-Gebäudestandard entwickelt, um klimafreundliche Projekte im Bereich des Bauens voranzutreiben. Tageslichtversorgung wurde dazu Ende 2020 als neuer Faktor in den Kriterienkatalog für Bauen und Sanieren aufgenommen. Denn nicht nur Beleuchtungssysteme selbst bieten großes Einsparungspotenzial, sondern auch die Reduktion der Betriebsstunden durch Regelung der künstlichen Beleuchtung und entsprechende Tageslichtplanung. Zudem trägt eine optimierte Tageslichtversorgung, wie gesagt, auch wesentlich zum Wohlbefinden in Innenräumen bei. Spezielle Berechnungen lassen einen Tageslichtquotienten festlegen. Je größer dieser Wert ist, desto mehr Punkte werden im Bereich Tageslichtversorgung erreicht und so wird auch die Gesamtpunkteanzahl bei klimaaktiv positiv beeinflusst.

Welche Richtlinien in puncto Tageslicht gibt es über die Landesgrenzen hinweg?

Heinz Hackl: Die europäische Tageslichtnorm (ÖNorm EN 17037) gibt bereits seit 2019 vor, wie die Belichtung im Wohnraum aussehen sollte und unterstützt bei der detaillierten Berechnung der passenden Fensterflächenanteile. Gemeinsam mit dem klimaaktiv-Kriterienkatalog setzt sie somit neue Maßstäbe in der heimischen Architektur- und Baubranche. Ein wichtiger Schritt, um in Zukunft gesunde und angenehme Räume durch eine ausreichende natürliche Belichtung sicherzustellen.

Wie lässt sich die passende Fenster­fläche am einfachsten berechnen?

Christina Brunner: Für die Berechnung der optimalen Belichtung in Innenräumen kann eine Software zur Simulation, wie zum Beispiel der Velux Daylight Visualizer, helfen. Dieses professionelle Planungstool berechnet anhand eines 3-D-Modells den Tageslichtfaktor und unterstützt den Planer somit, die Belichtung gemäß der Tageslichtnorm nachzuweisen.

Welche Vorteile bieten Dachfenster­lösungen in der Tageslichtplanung?

Heinz Hackl: Im Vergleich zu Fassadenfenstern bringt Tageslicht über den Zenit, also von oben über Dachfenster kommend, bis zu dreimal so viel Tageslicht in den Innenraum – und das unabhängig von Jahreszeit und Himmelsrichtung. Zusätzlich kann eine Belichtung bis in die Raumtiefe besser gewährleistet werden. So können Innenräume während des Tages auch ohne künstliches Licht ausreichend hell belichtet werden. Dachfenster verwandeln aber nicht nur das Dachgeschoß in eine wahre Lichtoase, passende Flachdach- bzw. Dachfensterlösungen sorgen je nach Architektur auch in anderen Bereichen des Hauses bei Renovierung oder neuem Zu- und Ausbau für ein gesundes Raumklima. (dd)

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