Nachruf: Wolfgang Vasko

Mit Wolfgang Vasko (16. 10. 1943 – 1. 9. 2015) verliert die Baubranche einen großen Vordenker. 

18.09.2015
ArchitektIn
Redaktion Architektur & Bau Forum
© Katharina Gossow

Wolfgang Vasko (1943-2015)

Autorin: Brigitte Groihofer

„Man muss Glück haben. Doch Glück allein genügt nicht, man muss eine Basis haben, Fachwissen und Loyalität seinen Bauherren gegenüber, wichtig ist auch, dessen Interessen zu vertreten. Und wir sind die Diener der Architekten. Wir nennen uns Generalkonsulenten, weil wir alles können nur nicht Architektur", so Wolfgang Vasko in einem Interview vor einigen Jahren. Und weiter zum Erfolg seines Unternehmens: „Das Glück hat eine Rolle bei den ersten großen Aufträgen gespielt. Das war zum Beispiel ganz am Anfang meiner Karriere mit nur einigen wenigen Mitarbeitern das Hallenschwimmbad in Neusiedl am See. Das war eigentlich der Grundstein für unseren Erfolg. Aufträge aus der Heimat, für das Seebad in Andau und dem Albrechtsfeld", in seiner eigentlichen Heimat, dem Burgenland.

„Erfolg bedeutet für mich, anerkannt und ob meiner Leistung geachtet zu werden. Ein Vermögen anzuhäufen würde ich nicht als Erfolg bezeichnen“. Wolfgang Vasko wuchs in Andau am Neusiedler See auf, in der Volksschule war ungarisch die Umgangssprache, er der einzige Schüler mit deutscher Muttersprache. Wolfgang Vasko war recht stolz auf seine immer noch passiv vorhandenen Ungarischkenntnisse und liebte die Melodie dieser Sprache. Er besuchte in der Folge in Wien das  Gymnasium, wo er auch maturierte. In den Ferien arbeitete er am Gutshof des Vaters als Traktorfahrer, am Feld und als Maurer, was, wie er sagt, seine Berufswahl zum Studium des Bauingenieurwesens auslöste, das er an der TU Wien absolvierte. 1974 machte er sich selbständig, 1976 erhielt er die Befugnis zum Zivilingenieur für Bauwesen und führte ein eigenes Unternehmen mit Standorten in Wien und im Burgenland, das schon bald um die Abteilungen Bauphysik und Baumanagement erweitert wurde. Die Gründung der Firma Vasko+Partner Ingenieure erfolgte 1994 alse eine der ersten Ziviltechniker-Gesellschaften Österreichs.

Vasko+Partner beherrscht mittlerweile ein umfassendes Leistungsspektrum. Im Zentrum steht dabei der Ansatz als Generalkonsulent. Als Generalkonsulent berät Vasko+Partner seine Auftraggeber weit über die Fertigstellung eines Projektes hinaus. Großprojekte, wie das T-Center St. Marx, die Stadthalle Wien Halle F, das Raiffeisenhochhaus, das Kurbad Bad Tatzmannsdorf, die Wirtschaftsuniversität Wien, das Krankenhaus Nord, die Albert-Schultz-Eishalle, das Unfallkrankenhaus Linz, die Finanzzentrale SEW und das ÖBB Headquarter Praterstern sind nur einige der Referenzprojekte seines Unternehmens. Ganz im Sinne des „Generalkonsulenten“ bereitete Wolfgang Vasko bereits 1913 mit der Erweiterung des Managements eine ordnungsgemäße Übergabe seines Unternehmens vor.

Wolfgang Vasko kam aus der Tragwerksplanung, er war Statiker und sah seine Rolle in den letzten Jahren als Mediator. „Jede Chefsache ist ein Problem“ sagte er. Hatte er ein kniffliges Problem gelöst und sich eine Meinung gebildet, wurde diese von allen respektiert. Sein Unternehmen und vor allem das Wohlergehen seiner über 200 Mitarbeiter und deren Familien war ihm stets ein Anliegen. Er fühlte sich für sie verantwortlich und legte sein ganzes Engagement in den Erhalt deren Arbeitsplätze. Eine Haltung, die heutzutage nicht oft anzutreffen ist.

Er achtete auch darauf, Projekte sogenannter „schwieriger Architekten“, etwa von Künstlerarchitekten wie Helmut Richter – den er sehr verehrte – umgesetzt wurden. Selbst wenn diese wirtschaftlich kein Erfolg waren, vertrat er der Meinung, ein Großunternehmen hätte sogar eine gewisse Verpflichtung, diese auszuführen und zu entwickeln. Denn „nur durch Herausforderungen dieser Art kann es zu Innovation und Fortschritt kommen“.

Er war ein bescheidener, disziplinierter und nachdenklicher Mensch. Er war ein Mann mit Haltung und besaß Handschlagqualität und Rückgrat. Was er sagte oder versprach, das hielt. „Mein Privatleben ist sehr reduziert, weil der Beruf für mich Priorität hat. Ich schöpfe meine Kraft aus den beruflichen Erfolgen.“ Auf die Frage eines burgenländischen Journalisten, was ihn traurig mache, antwortete er „traurig macht mich, wenn ich einen guten Freund, einen Kollegen verliere".

In der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland engagiertet sich Wolfgang Vasko ab 2005 als Aufsichtsrat in der Entwicklung der Arch+Ing Akademie. Seine Aufgabe sah er darin, die positive Entwicklung der Arch+Ing Akademie abzusichern und weiter zu fördern sowie das Image bezüglich fachlicher Kompetenz des Berufsstandes weiter zu entwickeln.

Wir trauern über den Verlust eines großen Menschen.

Planer

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