Fachkräftemangel

Volle Kraft voraus für die Baulehre

Baulehre
12.10.2023

Von: Redaktion Handwerk + Bau
Starke Argumente für die Baulehre gibt es viele. Aber auch die Jobauswahl für Jugendliche ist groß. Gezielte Maßnahmen, um Lehrlinge anzusprechen, helfen auf dem Weg gegen den Fachkräftemangel am Bau. Welche Aktivitäten im Sinne der Baulehre möglich sind, zeigen Beispiele aus Oberösterreich.

Gute Bezahlung, Entwicklungsmöglichkeiten und ein sicherer Arbeitsplatz beeinflussen heute mehr denn je (junge) Menschen bei ihrer Berufswahl. Alle diese Kriterien erfüllt die Baulehre. Und dennoch: Baubetrieben in Österreich fällt es schwer, junge Fachkräfte zu rekrutieren. Als Personalentwickler der Bauwirtschaft ist es der Bauakademie in Oberösterreich ein großes Anliegen, die Betriebe in enger Zusammenarbeit mit der Landesinnung dahingehend zu unterstützen.

Norbert Hartl und Harald Kopececk mit Lehrlingen im Einsatz mit digitalen Vermessungsgeräten.
Norbert Hartl und Harald Kopececk mit Lehrlingen im Einsatz mit digitalen Vermessungsgeräten.

Modern ausgebildet – digital und praxisbezogen

Die zwischenbetriebliche Ausbildung neben Lehrbetrieb und Berufsschule existiert in Oberösterreich schon seit über 40 Jahren und weist einen hohen Praxisbezug auf. Worauf es noch ankommt, erläutert der Landesinnungsmeister Bau OÖ, BIM-Stv. Ing. Norbert Hartl, MBA, MSc: "Die Attraktivierung der Lehre funktioniert einerseits über moderne Ausbildungsinhalte, aber natürlich auch über die Entwicklungsmöglichkeiten danach. Im Schulterschluss mit der Bauakademie BWZ OÖ haben wir uns für die Umsetzung der E-Baulehre (siehe Links!) als digitaler Lern- und Wissensplattform eingesetzt. 2019 wurde sie hier dank der Unterstützung der Bundesinnung entwickelt und ist seither erfolgreich an den Bauakademien, in Schulen und Baubetrieben in Verwendung. Darauf sind wir wirklich stolz.“ 
Für Betriebe relevant: Die praktische Zusatzausbildung an der Bauakademie und die Nutzung der E-Baulehre ist kostenlos, die Lehrlingsentschädigung für die Ausbildungszeit wird vollständig refundiert. Die Beherbergung der Lehrlinge ist kostenfrei, das Internat an der Bauakademie Oberösterreich wurde sogar erst gerade für die Lehrlinge modernisiert.

Bauakademie macht mobil

Bereits vor der Lehre begeistert die Bauakademie die Jugendlichen auf vielfältige Weise für den Bauberuf. Nicht nur sprichwörtlich mobil macht man in OÖ, erklärt ihr Geschäftsführer Harald Kopececk, MBA: "Unsere Lehrlingsexpertin Gabriela Madlmair ist sehr aktiv an den Schulen und bei Berufsmessen im ganzen oberösterreichischen Einzugsgebiet unterwegs. Sie klärt Schüler, die mit 14 Jahren kurz vor ihrer ersten großen Ausbildungsentscheidung stehen, über die Möglichkeiten und Chancen mit der Baulehre auf. Seit 2020 sogar mit unserem eigenen Lehrlingsfahrzeug.“
Großes Aufsehen erregte auch die „Bau-ma-was-Challenge“ in Zusammenarbeit mit der Landesinnung, erläutert Hartl diese originelle Lehrlingsansprache, mit der eine halbe Million Menschen erreicht wurde: "Auf Tiktok konnten wir viele Schüler*innen mit ihren Ideen rund um kreative Bauweisen zum Mitmachen bewegen – die Resonanz und der positive Imagegewinn für die Bauberufe waren gewaltig.“ 
Weitere Aktivitäten für und mit den Ausbildungsbetrieben umfassen Lehrlingscastings am Bauakademie-Standort in Lachstatt, aber auch Bau-Schnuppertage, die unentschlossenen Jugendlichen einen realen Einblick in den Joballtag gewähren. Für die Unternehmen stellt die so gestaltete Lehrlings­akquise eine große Unterstützung dar.

Innovationen mit Weitblick

Die in Oberösterreich entstandene Jobplattform Jobs-am-Bau bietet Lehrlingen und Baubetrieben kostenlos gegenseitige Kontaktmöglichkeit – das spart Letzteren bereits rund fünf Millionen Euro jährlich an Recruitingkosten. Das große Engagement von Landesinnungsmeister Hartl und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Bauakademie ist jedenfalls längerfristig angelegt. Mit der Entscheidung zur Weiterentwicklung des Ausbildungszentrums Bauakademie am bestehenden Standort legt man heute schon den Grundstein für die nachkommenden Generationen, die während und nach der Lehre eine moderne Bau-Ausbildung in idealer Lernumgebung mit modernem Equipment erhalten sollen.

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