Auf den ersten Blick wirkt die neue Fassade der Raiffeisenkasse Oberalm (Salzburg) ruhig und homogen. Die kleinteilige Struktur der ursprünglichen Außenhülle ist kaum noch wahrnehmbar. Statt zahlreicher einzelner Fenster präsentiert sich das Gebäude heute mit einer modernen, großflächigen Verglasung.
Genau diese scheinbare Selbstverständlichkeit machte das Projekt zu einer besonderen Herausforderung. Denn die historische Struktur sollte nicht einfach verschwinden: Die bestehenden Maueröffnungen mussten auf der Innenseite vollständig erhalten bleiben. Von außen hingegen war eine durchgängige, vorgesetzte Glasfassade gefordert.
Damit standen Planung und Ausführung vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Die neue Fassadenebene musste die vorhandene Gebäudestruktur optisch überlagern, ohne sie baulich zu verändern. Die Lösung lag in einer Kombination aus Glasgestaltung und millimetergenauer Planung.

Millimeterarbeit hinter der homogenen Optik

Um Mauern und Träger hinter der neuen Glas­fassade verschwinden zu lassen, kamen Teil-Emaillierungen und Scheinsprossen im Isolierglasverbund zum ­Einsatz. Auf diese Weise konnten die kon­struktiv notwendigen Elemente von außen optisch in die Fassadengestaltung integriert werden. Vor­aussetzung dafür war eine exakte Bestandsaufnahme. Jede einzelne Maueröffnung wurde millimetergenau vermessen und anschließend auf die jeweiligen Glasscheiben übertragen. Aus den individuellen Gegebenheiten des Bestands entstand so ein detailliertes Raster für die neue Verglasung.
Die erforderliche Präzision machte eine intensive Vorbereitung notwendig. Gemeinsam mit dem Team des Glasherstellers Glas Gasperlmair wurden umfangreiche Detailplanungen durchgeführt. Auch Muster wurden angefertigt und dem Bauherrn bzw. der örtlichen Bauaufsicht zur Abstimmung vorgelegt.

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Die neue Nurglas-Fassade der Raiffeisenkasse Oberalm überlagert die historisch gewachsene Außenhülle und schafft ein homogenes Erscheinungsbild. Die bestehenden Maueröffnungen bleiben im Inneren erhalten. © Frank Kleeberg

Wenn die Fassade um die Ecke geht

Zusätzliche Komplexität brachte der abgewinkelte Verlauf der Fassade rund um das Gebäude. Die Glasflächen mussten nicht nur zu den individuellen Maueröffnungen passen, sondern sich auch exakt in die Geometrie des Baukörpers einfügen. Eine entscheidende Rolle spielte deshalb die Unterkonstruktion. Ihre passgenaue Montage übernahm die Firma Glas und Metall Weissofner. Zum Einsatz kam eine wärmeisolierende Konstruktion aus Purenit, auf der anschließend die Aluminium-Glaseinfassungen montiert wurden. Damit entstand die Grundlage dafür, die großformatige Verglasung trotz der unterschiedlichen Gegebenheiten des Bestands präzise vor der bestehenden Außenhülle zu positionieren.

Die winkelige Fassadenführung wird in der Verglasung präzise aufgenommen. Auch der Bankomat wurde in den Isolierglasverbund integriert. © Frank Kleeberg

Teamwork für die Montage

Bei einem Projekt dieser Komplexität endet die Herausforderung nicht mit der Planung. Auch die Montage erforderte abgestimmtes Arbeiten mehrerer Spezialisten. Die Verglasungsarbeiten wurden gemeinsam von fk glastechnik Frank Kleeberg, Glas und Metall Weissofner und Glas Jandl umgesetzt, die für die Montage der komplexen Verglasungen unter anderem einen Raupenkran zur Verfügung stellten.
Dabei mussten auch funktionale Elemente in das Fassadenkonzept integriert werden. Eine Automatiktür, ein Fenster und der Bankomat wurden in den Isolierglasverbund eingebunden. So verbindet die neue Glasfassade nicht nur eine möglichst homogene äußere Erscheinung mit der historischen Gebäudestruktur, sondern übernimmt zugleich unterschiedliche funktionale Anforderungen.

Die neue Fassadenebene legt sich wie eine gläserne Hülle vor den Bestand. Teil-Emaillierungen und Scheinsprossen sorgen dafür, dass die dahinterliegenden Mauern und Träger von außen optisch zurücktreten. © Frank Kleeberg

Präzision als Gestaltungsmittel

Gerade weil die neue Fassade auf den ersten Blick so selbstverständlich wirkt, wird die dahinterstehende Leistung leicht unterschätzt. Die historische Gebäudestruktur blieb erhalten, während die neue Verglasung sie nach außen nahezu vollständig überlagert. Das Projekt zeigt damit beispielhaft, welche Möglichkeiten moderne Glaslösungen bei der Sanierung und gestalterischen Transformation bestehender Gebäude eröffnen. Entscheidend war dabei nicht allein die Wahl des Materials, sondern das Zusammenspiel aus Bestandsaufnahme, individueller Glasplanung, Konstruktion und Montage.

Für diese Verbindung aus gestalterischem Anspruch und technischer Präzision wurde das Projekt Raiffeisenkasse Oberalm mit dem Austrian Glastechnik Award 2026 in der Kategorie Außenraum ausgezeichnet. Stolzer Gewinner ist fk glastechnik Frank Kleeberg e.U.

Bautafel

Projekt: Fassadenumgestaltung der Raiffeisenkasse Oberalm
Bauzeit: September 2024 bis Jänner 2025
Planung, Konstruktion, Projektleitung: fk glastechnik Frank Kleeberg e.U. für Glas und Metall Weissofner GmbH
ÖBA: bbs salzburg, Fachunternehmen für Bankenplanung, Bankausstattung und Bauprojektmanagement
Glaslieferant: Glas Gasperlmair GmbH
Montage: Glas und Metall Weissofner GmbH, Glas Jandl (Inhaber: Manfred Göllner)

Die Raiffeisenkasse Oberalm vor der Fassadenumgestaltung: Die kleinteilige Struktur mit zahlreichen Einzelfenstern bildet den Ausgangspunkt für die neue, vorgelagerte Nurglas-Fassade. © Frank Kleeberg