Rindenrast

Alternative Verwertungskonzepte für den Rohstoff Rinde werden seit längerer Zeit erforscht. Das Holztechnikum Kuchl legt dazu einige Ideen vor, welche von einer Rindenplatte bis hin zu Tanninschäumen als nicht brennbares Ersatzprodukt für Polystyrol-Dämmstoffplatten und Polyurethanen reichen.

08.04.2014
Forschung

Sessel, Rinde, FH Kuchl

© FH Salzburg Campus Kuchl – Christian Poschner

Die Erkenntnisse daraus sind in das beim kalifornischen Solar Decathlon 2013 prämierte „LISI-Plus-Energiehaus" eingeflossen, einem Gemeinschaftsprojekt der TU Wien (Architektur) mit der FH Salzburg – Campus Kuchl (Holz- & Innenausbau) sowie der FH St. Pölten (Gebäudetechnik). Für den Wohnbereich wurden dabei Rindenplattenprodukte für die Vertäfelung der Schlafräumlichkeit und ein besonderes Sitzmöbel angefertigt. Für Letzteres zeichnen drei Studenten (Christian Poschner, Daniel ­Kuenz und Verena Kirchner) verantwortlich. Sie setzen neben der nachhaltigen Ressource auf eine ergonomische Freiformfläche, die ähnlich einer neuzeitlichen Variante des Designklassikers Eames Chair konstruiert ist. Für die Entwicklung wurde die optimale Korngröße der Rinde sowie ein geeignetes Bindemittelverhältnis erforscht und mit Vakuumtechnik umgesetzt.

© FH Salzburg Campus Kuchl – Christian Poschner

Durch den manuellen Auftrag ergibt sich eine unregelmäßige Schichtstärke, welche als glatte Innen- und raue Außenseite gestaltet wird, um einen Kontrast zu Kunststoffschalen zu schaffen. Neben der gebürsteten und geölten Oberfläche kommt für die Unterkonstruktion ein ausgeklügeltes System aus Formrohren, gedrechselten Stuhlbeinen in Kombination mit Polstererknoten zum Einsatz, um so Höhentoleranzen auszugleichen. Das Resultat bestätigt die vorangegangene Analyse der Formgebung und Werkstofffestigkeit, Ableitungen für weitere Modelle sind bereits angedacht.
 

Text: Jürgen Fragner

Tischler

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