Wohntrends

Wohnen und Bauen in der Zukunft

Die Trendforscherin Oona Horx-Strathern blickt im neu erschienenen Home Report 2021 in die Zukunft des Wohnen und Bauens. Und liefert dem Handwerk zahlreiche Tipps für eine zukunftsfitte Ausrichtung.

06.04.2021
Bauen+Wohnen
Gudrun Haigermoser
© Bloomframe
Das „Bloomframe-Window“ ist eine innovative Konstruktion, die Fenster und Balkon quasi kombiniert.

„Der kollektive Schock der Coronakrise hat unser Verständnis für ein gutes Zuhause verändert – und wird langfristige Auswirkungen auf die Zukunft des Bauen und Wohnens haben.“ Diese Prognose, die Oona Horx-Strathern in ihrem gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut veröffentlichten Home Report 2021 detailliert erklärt, bietet für das Handwerk, für Innenraumausstatter, Planer, Architekten und Designer interessante Grundlagen für Zukunftsentscheidungen. Neue Bautechniken spielen dabei ebenso eine Rolle wie alternative Wohnmodelle, nachhaltige Materialien und die Wohntrends 2021.

Verschmelzung von Zuhause und Büro

Die Menschen haben die seit über einem Jahr immer wieder ausgerufene Lockdown-Devise „Bleiben Sie zuhause“ mehr als verinnerlicht. Damit steigt die Bedeutung der eigenen „vier Wände“: Der private Raum nimmt plötzlich eine immens wichtige Rolle nicht nur im Zusammenleben, sondern auch im Arbeitsalltag ein. Oona Horx-Strathern beschreibt mit dem Wohntrend „Hoffice“, wie Wohnen und Arbeiten zusammenwirken und macht deutlich, dass dieser Trend gekommen ist, um zu bleiben.

© Bloomframe
Balkon auf Knopfdruck: Das herkömmlich anmutende Fenster "Bloomframe" lässt sich in weniger als einer Minute in eine begehbare Fläche verwandeln.

Ein wenig Freiheit

Ebenso war das Glück, eine eigene – wenn auch noch so kleine – Freifläche zu besitzen, nie so bedeutend wie jetzt. Die Trendprognose dazu lautet: Künftig werden sich Stadtplaner kritisch mit dem viel diskutierten Rechtsanspruch auf einen Balkon, einen Garten oder eine (gemeinsame) Terrasse als grundlegendes Menschenrecht auseinandersetzen müssen. Denn die Nachrüstung von Freiflächen und die verstärkte Nutzung privater Grünflächen im Freien sind ebenfalls Trends, welche die Pandemie überdauern werden.

Als Best Practice Beispiel zu dieser These stellt die Trendforscherin das „Bloomframe-Window“ vor – eine besonders ausgefallene Konstruktion, die Fenster und Balkon quasi kombiniert: Das herkömmlich anmutende Fenster lässt sich per Knopfdruck in weniger als einer Minute zu einer begehbaren Fläche transformieren. Das aus den Niederlanden stammende Konzept gewann bereits mehrere Preise und kann „zweifelsohne als eine Bereicherung für den Wohnbereich angesehen werden“.

Der Stoff, aus dem die Zukunft gemacht wird

Der Anstoß durch die Corona-Krise kann demnach auch positiv genutzt werden: Nämlich, um konstruktive und langfristige Veränderungen herbeizuführen. Weitere Themenschwerpunkte des Home Report 2021 zeigen, warum Städte in Zukunft „resilienter“, also anpassungsfähiger, gestaltet werden müssen, wie alternative Wohnmodelle der Zukunft aussehen und was sogenannte „Hero Materials“ sind. Dieses Kapitel über „heldenhafte Materialien“ mit dem Untertitel „Der Stoff, aus dem die Zukunft gemacht wird“, ist auch jenes, das für Handwerksberufe von besonderem Interesse ist.

So spielt Nachhaltigkeit im Interior Design inzwischen eine entscheidende Rolle: Design und Architektur definieren sich nicht nur über ihre Ästhetik, sondern auch über neo-ökologische Prinzipien wie den Ansatz einer durchgängigen Kreislaufwirtschaft, den Horx-Strathern als „Cradle to Cradle“ – also vom Ursprung zum Ursprung – bezeichnet. Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit sind die elementaren Eigenschaften der „Hero Materials“, die damit auch Antworten auf die Herausforderung der Zukunft geben. Dies sind neu zu etablierende Materialien genauso wie die Klassiker Holz, Glas, Stein und natürliche Stoffe wie Loden oder Leinen.

Lange Freude: Multi-Gen-Möbel

Der Begriff Generationenbad für ein Badzimmer, das all ihren Nutzern über lange Jahre und in vielen unterschiedlichen Lebenslagen lange Freude macht, ist mittlerweile ein etablierter. Über Mehrgenerationenmöbel wird noch nicht so viel gesprochen – der Trend zu einer Weitergabe der Familienmöbel wird allerdings immer stärker, die Begehrlichkeiten größer.
War es vor ein paar Jahren noch völlig unschick, die Möbel vorangegangener Generationen ins eigene Heim zu übersiedeln, gibt es seit ein paar Jahren einen starken Run auf Einrichtungsgegenstände der 1940er bis 1970er Jahre – die der Generation unserer Großeltern und Eltern. Einen Vorteil dieser „Demokratisierung des Designs“ sieht die Trendforscherin darin, dass immer mehr Menschen in zeitlose und langlebige „Statement-Stücke“ investieren.

Modulares Bauen boomt

Der Home Report 2021 beschäftigt sich unter anderem außerdem mit modularem Bauen, das weltweit einen immensen Boom erfährt. Durch die Coronakrise und den daraus resultierenden Bedarf an schnell und kostengünstig zu erweiternden Gesundheits- und Bildungseinrichtungen kann die Bauweise ihre Stärken ausspielen.
Modulares Bauen eignet sich sowohl für das Errichten von bezahlbarem Wohnraum als auch für flexible und individuelle Bauprojekte. Künftig passt sich ein Gebäude an die Funktionen an, die es zu erfüllen hat – egal, wie schnell oder wie stark sich die Funktion verändert. Die Veränderbarkeit und Multifunktionalität schafft Sicherheit, indem schnell auf Herausforderungen reagiert werden kann.

Home Report 2021

Trendforscherin Oona Horx-Strathern liefert im neuen Home Report 2021 spannende Einblicke in die Zukunftstrends beim Bauen und Wohnen.
Der Home Report 2021 des Zukunftsinstituts ist zu beziehen über www.onlineshop.zukunftsinstitut.de.

Glas

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