Toptechnik und Topservice

Baumaschine
21.08.2017

Von: Wolfgang Pozsogar

Wie sich die namhaften Krananbieter gegen Diskonter wehren, die alte Kräne zu Billigstpreisen vermieten.

Macher von Fernsehserien wissen offensichtlich wenig vom Bau. Sonst hätten sie längst eine Serie über die Arbeit in dieser Branche auf die Bildschirme gebracht. Denn mit Landärzten, Kommissaren oder Bergrettern können Bauleute punkto Spannung locker mithalten. Selbst filmgerechte Heli-Einsätze mit beeindruckenden Bildern werden geboten – etwa bei der Kranmontage im Hochgebirge. Wer’s nicht glaubt, möge einmal Youtube mit Stichworten wie „Heli“ und „Kranmontage“ durchsuchen.Liebherr zeigt dort etwa einen Kurzfilm über den Aufbau eines FlatTop-Krans 150 EC-B 6 Litronic auf

Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Für den Transport auf den Berg musste der Kran – was aufgrund der modularen Bauweise kein Problem war – in Einzelteile zerlegt werden, die die Tragkraft des Helikopters von 3,4 Tonnen nicht überstiegen. Solche abenteuerlichen Heli-Kran-Montagen sind für Liebherr und andere große Anbieter fast Routine. Der Schweizer Kranspezialist und Potain-Repräsentant Stirnimann macht beispielsweise jedes Jahr etwa zehn Heli-Montagen, erzählt Arno Enzi, Geschäftsführer des Unternehmens in Österreich, mit Stolz. Nicht nur die großen, selbst einige engagierte kleinere Player am Markt führen Kranmontagen per Helikopter durch. Im Walsertal hat Kammerlander-Kran für den Bau einer Bergstation der Hahnenköpflebahn einen ITK 6011 mithilfe eines Hubschraubers aufgestellt. Auf solche Einsätze ganz oben in den Bergen sind die Firmen stolz, beweisen sie doch das Können der Monteure.

Nach oben gehen bei den Krananbietern aber auch die Umsätze. Für Stirnimann sind die beiden ersten Jahre in Österreich „sehr, sehr positiv“ verlaufen, berichtet Arno Enzi. Das Unternehmen startete 2015 ergänzend zu Laurer Baumaschinen – die Vorarlberger betreuen die Marke seit 45 Jahren in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg – mit dem Vertrieb von Potain. „Man nimmt uns am Markt als zweiten Komplettanbieter mit Unten- und Obendrehern bereits sehr positiv wahr“, bilanziert Enzi. Zum Start forcierte das Schweizer Familienunternehmen die Untendreher von Potain: „Wir bieten hier mit dem Hup 32-27 eine neue Technologie, die sehr großes Interesse bei den österreichischen Kunden findet“, meint Enzi.

Der Hup-Kran besteht aus einem zweiteiligen Mast mit einem integrierten dritten Innenmast in der oberen Masthälfte. Der Innenmast kann teleskopartig ausgefahren werden, wodurch die Hakenhöhe auf 27 Meter vergrößert wird. Dem nicht genug: Die Verstellbarkeit des Auslegers in drei Positionen ermöglicht eine weitere Erhöhung der Hakenhöhe auf maximal 40 Meter. Dazu kommt, dass die Maschine leicht montierbar (Anweisung dazu gibt’s auf dem Farbdisplay der Funkfernsteuerung) und inklusive Ballast mit einem Lkw zu transportieren ist. „Mit diesen besonderen Leistungen ist der Hup 32-27 ideal für kleine und mittlere Baustellen, etwa zwei- bis dreistöckige Häuser oder Gewerbebauten und für beengte Baustellen“, lobt Arno Enzi das Produkt.

Nachdem der Verkauf der Untendreher gut anlief, will Enzi im nächsten Schritt bei den Obendrehern zulegen. Ihm ist bewusst, dass es hier nicht nur wegen des kleineren Marktes langsamer gehen wird. „Aber ich bin mehr als zuversichtlich, dass die positive Entwicklung bei den Untendrehern in dem Bereich ihre Fortsetzung finden wird.“ Die Technik der Marke Potain und vor allem die Serviceleistungen von Stirnimann werden immer mehr österreichische Kunden überzeugen, hofft er. Beim Ein- oder Umstieg soll auch das Mietangebot helfen. 70 Krane hat Stirnimann in der österreichischen Mietflotte, „Dank der Firmenmutter in der Schweiz können wir auf 400 Mietkrane zugreifen“, ergänzt Arno Enzi.

Das Mietgeschäft wurde in den vergangenen Jahren für die Krananbieter immer wichtiger. Allerdings klagen die Markenanbieter unisono über eine Reihe kleiner Firmen, die mit Schleuderpreisen auf den Markt drängen. Unter dem Motto „Was wollen sie mehr, als um wenig Geld Lasten heben“ werden alte Krane billigst vermietet. Glaubt man den Erzählungen, dann wird um des guten Preises willen auf Service weitgehend verzichtet, was letztlich den Kunden teuer zu stehen kommen kann.

Qualität und Service

Als Hauptargumente gegen Diskontpreise der Billigvermieter nennen die Premiumanbieter daher Qualität von Maschine und Service. Das soll sich letztlich auch für den Kunden rechnen, denn ein defekter Kran kann eine Baustelle fast zum Stillstand bringen. Probleme mit der Maschine wollen die führenden Anbieter deshalb in der Regel innerhalb von längstens 24 Stunden beheben: „Wir reagieren bei einer Störung sofort und sorgen dafür, dass ein defekter Kran in der Regel nach spätestens einem Tag wieder in Betrieb ist“, verspricht Dieter Reuberger von Wolffkran.

Und nicht nur bei Problemen soll sich die Topbetreuung lohnen. Zwar verfügen die meisten Bauunternehmen über geballtes Wissen den Kraneinsatz betreffend, aber mit Erfahrung und einem fachgerechten Krankonzept lässt sich die Effizienz des Einsatzes oft deutlich steigern. „Wir suchen für unsere Kunden die individuell beste Lösung für seine spezifische Baustelle“, erläutert Reuberger. Er ist seit 2015 Geschäftsführer von Wolffkran in Österreich: „Die vergangenen beiden Jahre waren sehr spannend“, resümiert er rückblickend. Er legte den Fokus auf den Verkauf neuer Krane. „Das läuft mittlerweile sehr gut, wir konnten uns mit unseren Großkranen auch bei führenden Bauunternehmen etablieren“, zieht er zufrieden Bilanz. Nicht nur am Bau läuft es für Wolffkran gut: Im Vormonat wurde ein neuer Wolff in einer Schiffswerft in Betrieb genommen, „ein technisch sehr anspruchsvoller Auftrag“, sagt Reuberger. Der wichtigste Wolffkran für den österreichischen Markt ist das Modell 60-31. Viel erwartet Reuberger auch vom neuen Modell 75-34 clear. Er erfülle die Nachfrage der Kunden nach noch größeren, leistungsstärkeren und zugleich wirtschaftlichen Kranen besonders für innerstädtische Bauvorhaben, meint man bei Wolffkran.

Auf einem guten Weg

Gut läuft es auch für die kleineren Anbieter. Kammerlander, seit 2015 mit einer eigenen Niederlassung in Tirol präsent, ist in diesen zwei Jahren „am österreichischen Markt deutlich stärker geworden“, so die Bilanz von Joachim Kammerlander. Ganz besonders im Mietgeschäft wurden deutliche Steigerungen erzielt. Sein Mietpark umfasst derzeit 80 Krane, er kann aber bei Bedarf auf den Pool der deutschen Mutterfirma zugreifen, „somit stehen über 350 Krane zur Verfügung“, sagt er.

Kammerlander möchte im Mietgeschäft preislich etwas günstiger als die ganz großen Hersteller agieren, aber keineswegs Billiganbieter sein. „Wir bieten Topservice wie die Großen des Marktes“, sagt er. Mit Ausnahme von größeren Havarien sollen Störungen bei Kranen auch bei ihm innerhalb von 24 Stunden behoben sein. Stolz ist er auch auf sein Montageteam: „Alle Mitarbeiter dieser Mannschaft haben einen Kranschein, Höhensicherheitstraining und andere Ausbildungen. Das kostet Geld, ist aber Grundlage für die Betriebssicherheit der Krane und damit für die Kundenzufriedenheit“, glaubt Kammerlander.

Seine Firma vertreibt die Kammerlander-Krane aus dem eigenen Haus und jene von KSD-Kransysteme. Auch bei dieser Marke ist man stolz auf die Technik der Produkte: „Wir sind technisch auf dem neuesten Stand“, behauptet KSD-Geschäftsführer Günther Rieger. Seine Krane sollen preislich günstiger sein, als die der Marktleader, „aber von den Leistungsdaten her sind sie absolut ver-gleichbar, in manchen Bereichen bieten wir sogar mehr“, behauptet er. KSD fertigt Schnellmontagekräne in der Leistungsklasse von 25 bis 50 Meter Ausladung. Joachim Kammerlander streicht besonders die Montagefreundlichkeit dieser Krane hervor. Für ihren Transport setzt er Lkw-Anhänger mit gelenkten Achsen ein: „Damit kommen wir überall hin.“

Schlüsselfaktoren

Zufrieden mit dem Geschäftsverlauf ist man auch bei Dreger in Graz. „Wir merken einerseits die positive wirtschaftliche Entwicklung, andererseits wirkt sich unser neuer Standort – unübersehbar an der Autobahn – positiv auf das Geschäft aus“, so Junior-Chefin Daniela Dreger. Vermietung ist bei dem Familienbetrieb, der die Condecta-Krane aus der Schweiz in Österreich vertreibt, ebenfalls das Hauptgeschäft: „Immer mehr Kunden wollen mieten, das ist verständlich, denn so bekommen sie für jede Baustelle das richtige Gerät.“

Als kleinerer Anbieter setzt Dreger auf Qualität und Nähe bei der Kundenbetreuung. Man gehe sehr auf den Kunden ein und habe geschulte Monteure, betont Daniela Dreger. Schnelles Service ist auch hier angesagt, „obwohl Condecta-Krane eigentlich nicht störungsanfällig sind“, wie sie hervorhebt. Als weiteres wichtiges Plus dieser Hebemaschinen nennt sie die Zerlegbarkeit, die den Antransport selbst bei schwierigen Bedingungen ermöglicht. Demnächst wird Condecta einen neuen Kran auf den Markt bringen, das Modell 4515 hebt bei 45 Metern Ausladung 1,5 Tonnen, die Hakenhöhe liegt bei 30 Metern. „Mit diesen Leistungsdaten ist der Kran bereits für den Bau größerer Häuser geeignet“, sagt Dreger.

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