The next level

Betonteile zum Heizen und Kühlen standen im Mittelpunkt des Expertenforums „Energiespeicher Beton“. Gemeindezentren, Industriebauten und Museen nutzen mittlerweile Bauteilaktivierung.

26.04.2014
Bauteilaktivierung
Christoph Hauzenberger
© Hauzenberger

Das Gemeindezentrum in Hallwang verbrauchte in diesem Jahr noch keine Kilowattstunde Energie.

© Alexander Haiden

Beim Tirol-Pano- rama-Museum auf dem Bergisel wird über Bauteil­aktivierung Kunst erhalten.

Solarenergie, für elektrischen Strom und Wärme genutzt, ist ein fixer Bestandteil eines jeden Stadtbilds geworden. Weitgehend noch unbekannt ist jedoch die Bauteilaktivierung von Beton mithilfe von Solarenergie. Dabei bietet gerade diese Symbiose eine gelungene Art, ökologisch saubere Energie zum Heizen und Kühlen von Gebäuden zu verwenden. Um die Bauteilaktivierung mehr in dem Bewusstsein der Baumeister zu verankern, widmete sich ein Expertenforum in Hallwang, Salzburg, dem Thema „Energiespeicher Beton“. Der Tagungsort selbst wurde aber nicht nur wegen seines schönen Ausblicks gewählt, das erst kürzlich eröffnete neue Gemeindezentrum ist ein Vorzeigeprojekt.

Erleben heißt verstehen
Wenn einen der Salzburger Harald Kuster von „Future is now“ durch das Gemeindezentrum führt, bekommt man tiefe Einblicke in das von außen filigran wirkende Bauwerk. 480 Kubikmeter Beton in der Bodenplatte und Zwischendecke des Gebäudes werden als Energiespeicher genutzt, rund 3.000 kW/h Energie sind so speicherbar. Zusätzlich speichern die freiliegenden Bauteile aus Beton die Wärme der einstrahlenden Sonne wie ein Akku und geben sie bei Bedarf wieder ab. Schon bei der Planung wurde dabei auf den Einfallswinkel der Sonne in den verschiedenen Jahreszeiten geachtet. So kann die tiefstehende Wintersonne bis in das Innere des Veranstaltungssaales eindringen, die höher stehende Sommersonne verliert sich an der Außenbeschattung. Die gesamte Stromversorgung erfolgt über eine Photovoltaikanlage, die Energie für das Warmwasser und die Wärmeversorgung stammt von der auf dem Dach installierten thermischen Solaranlage. 

„Dieses Gebäude verursacht keine CO2-Emissionen, denn die gesamte Energieversorgung erfolgt solar“, erklärte Haustechniker Kuster. „Zusätzlich erspart sich die Gemeinde durch die vollsolare Beheizung in Verbindung mit der Bauteilaktivierung jährlich rund 6.000 Euro.“ Erste messbare Erfolge konnten auch schon verbucht werden, seit Jahresbeginn musste keine kW/h externer Strom zum Heizen hinzugezogen werden. Zurzeit werden zwischen 200 kW/h und 250 kW/h Energie pro Tag an das benachbarte Gasthaus geliefert. 

Das weit größere Problem als die Heizung soll die Lüftung dargestellt haben. Diese funktioniert mit Quelllufttechnologie mit niedrigen Geschwindigkeiten und läuft so ohne Zug und Geräusche. Zusätzlich wird im Veranstaltungssaal kontinuierlich der CO2-Gehalt in der Luft gemessen und aufgrund dieser Werte die Leistung der Lüftung automatisch adaptiert. Von der Funktionalität konnten sich die Teilnehmer des Expertenforums persönlich überzeugen und zeigten sich von der Luftqualität im Saal auch nach mehreren Stunden positiv überrascht. Doch nicht nur das Gemeindezentrum in Hallwang steht für eine neue Generation von Betonbauten in Österreich, es gibt noch einige mehr.

Die neue Generation
„Beim Betriebsobjekt von Öbau Mössler in Villach wurden Gebäudehülle und technische Systeme aufeinander abgestimmt“, erklärte Siegfried Sotular, Ingenieurbüro für Gebäudetechnik und Energieeffizienz. Mit der eingesetzten Bauteilaktivierung, über die auch gekühlt wird, entstand ein energieeffizientes Gebäude ohne nennenswerte Mehrkosten, das mit dem Green-Building-Zertifikat ausgezeichnet wurde. Am Standort von Trotec in Oberösterreich ist das gesamte Gebäude vom Büro über Forschung und Entwicklung sowie die Lager bauteilaktiviert. „Mit der bauteilaktivierten Industriefußbodenplatte können wir den gesamten Gebäudebereich heizen und kühlen“, beschreibt der dafür verantwortliche Gerald Schmidt von EcoProjekt, Wien.

Ausstellungsgebäude wie das Tirol-Panorama-Museum auf dem Berg­isel stellen nicht nur an die Architektur und Konstruktion besondere Ansprüche, sondern auch an Raumklima und Belichtung. So entschied sich Philipp Stoll mit seinem haustechnischen Team, zur Beheizung bzw. Kühlung des Gebäudes die Wand des zentralen Zylinders mit Betonteilaktivierung auszustatten. „Die Bauteilaktivierung erzielt den Zusatzeffekt, thermisch bedingte Staubaufwirbelungen im sensiblen Ausstellungsbereich zu unterbinden“, so Stoll.

 

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