Höhere Liquidität dank Versicherungsgarantie

Bankgarantien als Sicherstellung sind in der Baubranche gang und gäbe. Alternativen dazu ­bieten mittlerweile auch Versicherungen.

23.09.2020
Rechtstipps
Mag. Thomas Hassler

Vor allem Unternehmen im Segment Bau sowie Anlagen- und Maschinenbau benötigen für ihre Auftraggeber oftmals Garantien (Gewährleistung, Deckungsrücklass, Erfüllung, Anzahlung, Vadien) für die Abwicklung der Geschäftsfälle. Der Bedarf an solchen Garantien ist auch in Zeiten der Krise ungebrochen. Viele Unternehmen setzen hierbei mittlerweile vermehrt auf Versicherungsgarantien anstelle der bisher vielfach üblichen Bankgarantien und gewinnen hierdurch massiv an Liquidität. 

Versicherungsgarantie als eine Alternative

Seit Jahrzehnten stellt die Garantie als unbares ­Sicherstellungsmittel ein bedeutendes Instrument in unserem Wirtschaftsverkehr dar und gewinnt gerade in der Baubranche immer weiter an Bedeutung. Zum einen geben die ÖNorm B 2210 und gesetz­liche ­Regelungen wie z. B. § 1170b ABGB eine entsprechende Besicherung vor, zum anderen werden im ­Gewerbebereich, vor allem bei Groß­aufträgen, vermehrt Anzahlungs- und Erfüllungsgarantien verlangt. 

Während lange Zeit nahezu das gesamte Volumen der dabei geforderten Garantien über Banken ab­gewickelt wurde, entwickelte sich in den letzten Jahren eine immer attraktiver werdende Alter­native: die Versicherungsgarantie. Rechtlich sind Versicherungs- und Bankgarantien gleichgestellt. Erstere bieten jedoch den Vorteil, dass sie die Kreditlinie des Unternehmens bei der Bank nicht belasten und dadurch Liquiditätsfreiräume geschaffen ­werden. Der ­Rahmen bei der Versicherung wird nämlich – anders als der Rahmen bei der Bank – nicht dem Obligo der Bank zu­gerechnet. 

„Kreditklemme“ droht

Gerade in Zeiten wie diesen ist es daher empfehlenswert, nach Möglichkeit bestehende Bank­rahmen durch Versicherungsrahmen zu ergänzen. Die Veränderungen durch Basel III und die in ihrem Gesamtausmaß noch nicht abschätz­baren Auswirkungen der ­Corona-Krise auf Bonität und ­Insolvenzen der Unternehmen lösten für die Banken außerdem eine gewisse Marktdynamik aus. Da die Anforderungen an die Kapital­unterlegung erhöht wurden, muss das Bankenmodell angepasst werden. Dies könnte zur Reduktion von ­Garantierahmen und erhöhten ­Preisen führen, ­wodurch vor allem Klein- und Mittelbetriebe in eine „Kreditklemme“ geraten könnten. Durch den enormen Bedarf an Garantien in der ­österreichischen Bauwirtschaft gewinnen kluge ­Garantielösungen ­daher in immer stärkerem Ausmaß an Bedeutung. 

Neben den bereits genannten Vorteilen ist auch die starke Bonität der Versicherungen ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Die Bewertungen der ­führenden Kredit-Ratingagenturen wie Standard and Poor’s oder Moody’s zeigen, dass die Versicherungen durchgehend als sehr stabil und zuverlässig ­eingestuft werden. Für den Empfänger der Garantie ist neben der raschen Abwicklung vor allem die Bonität des Garantiegebers von großer Bedeutung.

Abwicklung in der Praxis

In der Praxis werden zunächst der Bedarf des Unter­nehmens festgestellt, die bereits vorhandenen ­Garantielösungen evaluiert und bei den diversen ­Anbietern individuell angepasste Offerte eingeholt. Vor Unterbreitung der Angebote nimmt der Ver­sicherer in aller Regel eine Risikoprüfung vor und prüft das ­Unternehmen dabei hinsichtlich ­seiner ­Bonität. Die Bonität des Unternehmens bestimmt dabei zumeist auch die Höhe der zu zahlenden ­Prämie. In weiterer Folge wird zwischen dem Versicherer und dem anfragenden Unternehmen ein Rahmen­vertrag für die Zurverfügungstellung des Garantierahmens (oftmals auch Avalkredit­rahmen genannt) abgeschlossen. Die Mehrheit dieser Garantie­rahmen wird dabei ohne ­zusätzliche Sicherheiten zur Verfügung gestellt.

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