Rugged Smartphones

Harte Schale, smarter Kern

MarktĂŒbersicht
04.02.2021

Von: Dorian Kreicic
Aktualisiert am 10.02.2021

Robuste Smartphones vertragen nicht nur Staub, NÀsse oder eine ruppige Behandlung. Sie sind auch zuverlÀssiger, langlebiger und damit nachhaltiger.

Hart und Smart: Rugged Smartphones vertragen auch mal ein kurzes Bad.

Mobilhardware ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung im Handwerk und ein zentraler Baustein des Mobile Computing, der mobilen Nutzung von Hardware, Software und Dienstleistungen. FĂŒr EinsĂ€tze unter rauen Umgebungsbedingungen, etwa auf feuchten Baustellen oder in staubigen WerkstĂ€tten, offerieren einige Hersteller spezielle „Rugged Hardware“ (rugged; engl. fĂŒr „robust“, „stabil“). Welche Vorteile bieten „gehĂ€rtete“ Modelle? Lohnt sich die etwas teurere Technik oder ist konventionelle Mobilhardware mit zusĂ€tzlicher Schutzausstattung nicht genauso gut?

Smartphones machen mobil

Die mobile Erfassung von Daten und deren Austausch werden im BĂŒro- und Baustellenalltag immer wichtiger. Mobile Hard- und Software kann ArbeitsablĂ€ufe rationalisieren, beschleunigen und qualitativ verbessern, weil MedienbrĂŒche und Fehlerquellen entfallen: Arbeitszeiten, Tagesberichte oder Aufmaße werden an Ort und Stelle mit entsprechenden Apps digital erfasst, sodass handgeschriebene Notizen am BĂŒro-PC nicht mehr eingetippt werden mĂŒssen. Smartphones sind faktisch mobile Rechner mit Telefonfunktion, die sich im Hinblick auf die Leistungsdaten und das Einsatzspektrum kaum noch von anderen mobilen PCs unterscheiden. Was die „Rechenpower“ betrifft, stellen aktuelle Modelle mit Mehrkernprozessor sogar manche BĂŒro-PCs in den Schatten. Dank integrierter Mobilfunk-, WLAN- und Bluetooth-Funktion kann man mit Smartphones an jedem Ort und zu jeder Zeit auf BĂŒrodaten oder Internet-Dienste zugreifen oder Daten mit anderen GerĂ€ten oder Rechnern kabellos austauschen. Mit einem Laserdistanzmesser können beispielsweise erfasste Maße sofort in das Smartphone eingelesen, verarbeitet und, wenn nötig, per Mobilfunk an den BĂŒro-Rechner zur Weiterbearbeitung ĂŒbertragen werden. Baustellen lassen sich einfacher dokumentieren, BauschĂ€den oder BaumĂ€ngel rationeller erfassen. Bewegungs-, Lage-, Licht- oder NĂ€herungssensoren, GPS-EmpfĂ€nger und sogar Infrarotdetektoren (z. B. CAT S 62 Pro) erweitern in Verbindung mit spezieller Software die Funktions- und Einsatzpalette.

Rugged-Technik fĂŒr die Baustelle

Konventionelle Smartphones sind kompakter und leichter als ihre Rugged-Pendants. Sie sind aber nicht robust genug fĂŒr den rauen Baustellenalltag. Staub, NĂ€sse, StĂŒrze und StĂ¶ĂŸe können der filigranen Technik schnell den Garaus machen. Robuste Modelle, auch „Rugged Smartphones“ genannt, verfĂŒgen meist ĂŒber ein schlagfestes Metall- oder ein stabiles KunststoffgehĂ€use. Eine zusĂ€tzliche Gummierung federt StĂŒrze und StĂ¶ĂŸe ab und macht das Smartphone griffiger. Das GehĂ€use ist spritzwasser- und staubgeschĂŒtzt, Schnittstellen haben meist eine Gummiabdeckung. Viele Rugged Smartphones sind auch mit Arbeitshandschuhen oder in nassem Zustand bedienbar. Den Grad der Robustheit geben der sogenannte IP-Code und der aus dem MilitĂ€rbereich stammende US Military Standard (MIL-STD) an. IP steht fĂŒr Ingress Protection (Eindringschutz) und gibt den Schutzgrad des GehĂ€uses gegen BerĂŒhrung, Fremdkörper und Wasser an (siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Schutzart). Der vom US-MilitĂ€r definierte MIL-STD geht hĂ€rter zur Sache. Er unterzieht GerĂ€te Temperatur-, Feuchtigkeits-, Korrosions-, Fall-, Stoß- und anderen HĂ€rtetests. Semi-Rugged-Modelle widerstehen bestimmten Ă€ußeren Einwirkungen eingeschrĂ€nkt, wie etwa Spritzwasser, Staub oder StĂŒrzen. Das bedeutet, dass das GerĂ€t zum Beispiel nach IP 54 staub- und spritzwassergeschĂŒtzt, aber eben nicht dicht ist. Fully-Rugged-Hardware ist nahezu vollstĂ€ndig gegen Ă€ußere mechanische oder klimatische EinflĂŒsse abgeschottet. Sie ist nach IP65 staub- und strahlwasserdicht sowie nach den jeweiligen MIL-Standards (MIL-STD 810F, MIL-STD 810G, MIL-STD 461F etc.) getestet und zertifiziert. StĂŒrze aus HĂŒft- oder gar Kopfhöhe werden klaglos hingenommen, ebenso wie extreme Temperaturen (-20 °C bis +60 °C). Einen Absturz aus grĂ¶ĂŸerer Höhe auf Stein oder Beton kann dagegen auch robuster Technik den Garaus machen. Bedenken sollte man auch, dass der Zusatzschutz Rugged Hardware nicht nur robuster, sondern auch grĂ¶ĂŸer und schwerer macht. Rugged Smartphones sind etwa doppelt so dick und schwer wie konventionelle Modelle. Semi-Rugged-GerĂ€te sind etwas kompakter und leichter.

Auch auf die „inneren Werte“ kommt es an

Neben der Robustheit sollte man bei Rugged Smartphones auch auf allgemeine Merkmale und die „inneren Werte“ achten – beispielsweise die DisplaygrĂ¶ĂŸe. Diese reicht bei Rugged-Modellen von etwa drei bis sechs Zoll, was einer Bildschirmdiagonale von acht bis 14 Zentimetern entspricht. Je grĂ¶ĂŸer das Display, desto bequemer ist die Bedienung, aber desto grĂ¶ĂŸer ist auch das GehĂ€use und der Stromverbrauch. Das nĂ€chste Auswahlkriterium ist die Displayauflösung (zwischen 320 x 480 und 1.080 x 1.920 Pixel und mehr), die Farbbrillanz und der Kontrast. Entscheidend fĂŒr den Outdoor-Einsatz ist die Displayhelligkeit, denn der Bildschirminhalt sollte im Freien auch an sonnigen Tagen noch ablesbar sein. Angegeben wird meist die Leuchtdichte in cd/qm (Candela pro Quadratmeter), die mindestens 700, besser 800 cd/qm und mehr betragen sollte. Spezielle mobile Mehrkern-Prozessoren sparen Strom und sorgen fĂŒr ein flĂŒssiges Arbeiten. Insbesondere Dual-, Quad- und Octacore-Prozessoren, die in vielen aktuellen Smartphones verbaut sind, ermöglichen auch rechenintensive Anwendungen. Beim Speicher unterscheidet man zwischen dem flĂŒchtigen Arbeitsspeicher (RAM), in den nur gerade verarbeitete Arbeitsdaten geladen werden, sowie dem internen Flash-Speicher, auf dem Anwendungs- und Programmdaten abgelegt werden. Aktuelle RAM-Speicher sind zwischen vier und sechs GB groß, interne Speicher zwischen 32 GB und 256 GB. Hier gilt: Je grĂ¶ĂŸer, desto besser. Bei vielen, aber nicht bei allen Modellen lĂ€sst sich der interne Speicher extern per Micro-SD-Karte erweitern. Damit kann man zusĂ€tzlich Daten von bis zu 128 Terabyte (SDUC) mitfĂŒhren, sodass aus datentechnischer Sicht ein komplettes BĂŒro bequem in eine Hosentasche passt. Eine Digitalkamera-Funktion auf der GehĂ€use-RĂŒckseite ist ab einer Auflösung von 5 Megapixeln sinnvoll, darunter sind Baustellenfotos unbrauchbar. Eine zusĂ€tzliche Frontkamera kann man geschĂ€ftlich beispielsweise fĂŒr die Videotelefonie nutzen. Drahtlose Schnittstellen wie WLAN oder Bluetooth ermöglichen den Zugang zu lokalen Funknetzen respektive den kabellosen Datentransfer mit anderen GerĂ€ten. Wichtig ist auch eine Micro-USB-Schnittstelle, die einen schnellen Anschluss an PCs, Notebooks oder PeripheriegerĂ€te ermöglicht. Bei der Telefonfunktion sollte man auf die TonqualitĂ€t achten und darauf, dass sich die LautstĂ€rke den UmgebungsgerĂ€uschen automatisch anpasst. Grundlage der mobilen Sprach- und Datenkommunikation sind Mobilfunk-Standards. Zu den wichtigsten Standards zĂ€hlen GSM, UMTS, HSDPA und der neue LTE-Standard. LTE steht fĂŒr den nĂ€chsten Mobilfunkstandard der vierten Generation, der mit bis zu 300 bzw. 75 Mbit/s (Download/Upload) deutlich höhere Datentransferraten ermöglicht, allerdings ist die LTE-Netzstruktur noch im Aufbau.

Lohnt sich Rugged Hardware?

In der Rugged-Version kosten Smartphones schnell mal das Doppelte bis Dreifache dessen, was man von vergleichbaren konventionellen Modellen gewohnt ist. Der Mehrpreis macht sich aber schnell bezahlt, weil Rugged Hardware robuster und zuverlĂ€ssiger ist. Defekte Netz-Anschlussbuchsen, kaputte Netzteile oder Ladekabel, gesprungene DisplayglĂ€ser oder defekte Akkus sind Schadensbilder, die bei konventioneller Mobilhardware schon nach kurzer Nutzungsdauer auftreten können. Das kommt bei Rugged-GerĂ€ten praktisch nicht vor – dank hochwertiger, langlebiger Bauteile und Materialien, einer guten Verarbeitung und dem besonderen Rugged-Schutz. Wer in diesem Preisniveau allerdings auch die neueste Prozessortechnik erwartet, wird enttĂ€uscht: Rugged-GerĂ€te hinken aktuellen Prozessorstandards technisch immer ein wenig hinterher. Das liegt daran, dass Rugged-Modellzyklen langfristiger angelegt sind als die von Prozessoren. Wer also immer das neueste Smartphone-Modell besitzen muss, wird Rugged-GerĂ€te eher meiden und sich mit einer zusĂ€tzlichen Schutzausstattung behelfen. FĂŒr konventionelle Smartphones offerieren diverse Anbieter eine reiche Auswahl an staub- und wasserdichten SchutzhĂŒllen aus Neopren oder anderen Materialien, die auch vor StĂ¶ĂŸen und Kratzern schĂŒtzen. Allerdings werden einige Funktionen und die Bedienbarkeit dadurch teilweise eingeschrĂ€nkt.

Fazit: Rugged ist nachhaltiger

Wer Wert auf ein zuverlĂ€ssiges Arbeitswerkzeug legt, das nahezu allen Widrigkeiten trotzt und ĂŒber viele Jahre klaglos seinen Dienst tut, findet in speziellen Rugged Smartphones treue und zuverlĂ€ssige Begleiter. Meist sehr gute Verarbeitungs- und MaterialqualitĂ€ten sowie der Service machen die GerĂ€te langlebiger und damit auch nachhaltiger. Doch nicht alles, was als „rugged“ offeriert wird, ist es auch. Bezeichnungen wie „ruggedized“ können auf eine niedrigere Robustheitsstufe hindeuten, und Anbieter konventioneller GerĂ€te, die auch Rugged-Modelle offerieren, verfĂŒgen nicht immer ĂŒber das Know-how von ausschließlich auf die Rugged-Technik spezialisierten Herstellern. Deshalb sollte man den Hersteller, dessen Zielgruppe und Modellpalette und natĂŒrlich das jeweilige GerĂ€t unter die Lupe nehmen. Leider setzen Prozessor- und Betriebssystemzyklen der Langlebigkeit von Rugged-GerĂ€ten Grenzen. Wird eine bestimmte App nur noch mit der neuesten Betriebssystem-Version unterstĂŒtzt, ist man letztlich doch zu einem Wechsel gezwungen, obwohl die Hardware noch viele Jahre durchhalten wĂŒrde. Das ist zwar gut fĂŒr den Hersteller-Umsatz, ethisch und ökologisch aber problematisch. (dd)

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