Alte Burg in neuem Glanz

Der mittlere Flügel des sogenannten „Neuen Palasts“ der Prager Burg bekam kürzlich – nach 60 Jahren – ein neues Dach. Am östlichen Dachbereich mit einer Fläche von rund 1.440 Quadratmetern bilden Tondachziegel die ursprüngliche Dacheindeckung aus dem Jahr 1951 originalgetreu nach.

05.11.2014
Tondach
© Tondach
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Text: Sabine Linner

Im Frühjahr stellte die Verwaltung der Prager Burg im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten der Fassade fest, dass eine Rekonstruktion des Dachs erforderlich geworden ist. Das Dach zeigte sich baufällig und konnte das Gebäude nicht mehr vor Witterungseinflüssen schützen. Ein teilweiser Austausch der bestehenden Dachdeckung wurde wegen zu hoher Kosten und der begrenzten Lebensdauer des ursprünglichen Materials abgelehnt. Die Verwaltung entschied sich also, die gesamte Dachfläche umfassend und entsprechend der historisch gegebenen Anforderungen zu sanieren.

Hochwertiges Unterdach

Der erste Schritt bei der Rekonstruktion war die Demontage des ursprünglichen Dachbelags. Nach dem Abbau der alten Dacheindeckung und der ursprünglichen Latten wurde auf die Betonschale des Dachstuhls eine dreischichtige Wasserschutzisolation mit wasserdichter Beschichtung verlegt. Für die sichere Ableitung des Wassers bei Versickerung oder abtropfendem Kondensat außerhalb der Gebäudekonstruktion sorgt eine Kupferabtropfleiste. Das Unterdach wurde mit der „Tondach Tuning Folie S“ ausgeführt, einer hochdiffussionoffene Schalungsbahn für regensichere Unterdächer. 
Die neue Lattung wurde mit Konterlatten ausgeführt, die zwischen der Konstruktion des Dachstuhls und der Dachdeckung die Hinterlüftung sicherstellen soll. Für die Lattung wurden rund 7.200 Meter imprägnierte Latten verwendet. Die Imprägnierung dient als vorbeugender Schutz gegen biotische Schädlinge, das behandelte Material weist außerdem eine höhere Beständigkeit und längere Lebensdauer auf. 

Maßgeschneiderte Tondachziegel

Die Tondachziegel „Prejz“ (Mönch und Nonne) wurden speziell für diese historische Dachsanierung angefertigt. Durch die spezielle Oberflächenbeschichtung mit der Farbe „Antik“ soll die Dachoptik möglichst originalgetreu an die Alteindeckung angeglichen werden. Das Produkt „Prejz“ ist ein Dachziegel, der aus zwei Teilen besteht, wobei der obere Teil (Mönch) in ein Mörtelbett gelegt und am unteren Haken befestigt wird. Diese Konstruktion und technische Ausführung des Dachziegels erlaubt auch die Verlegung auf Dächern mit komplizierten Rundformen und hoher Dachneigung. Deshalb wird dieser Dachziegeltyp sehr häufig im Zuge von historischen Dachsanierungen verwendet. 
Nach der Lattung für den richtigen Abstand der Dachdeckung wurden die Mönchhaken vermessen und in mehrere Reihen nebeneinander verlegt. Da der Mönchhaken im Unterschied zu den anderen Dachdeckungen nicht halbiert oder anders angepasst werden kann, ist es erforderlich, dass der Spengler Blechverkleidung exakt nachmisst. 

Bei diesem Projekt wurde die Blechverkleidung aus Kupfer mit der Gesamtfläche von etwa 280 Quadratmetern ausgeführt. Nach der Blechverkleidung der Dachdurchdringungen wurde die Verlegung der Mönch-Nonnen-Ziegel mit Mörtel in den Reihen umgesetzt. Diese Art der Verlegung ist in der tschechischen Dachdeckerzunft seit Jahrzehnten gleich geblieben und garantiert, dass die Eindeckung den ursprünglichen Charakter im historischen Stil behält.

Zügige Sanierungsarbeiten 

Nach termingerechter Lieferung der Dachziegel konnten auch die Dacharbeiten zügig erledigt werden. Am Dach wechselten sich ständig 15 Handwerker ab: „Drei Gruppen von Dachdeckern, Zimmerleuten und Spenglern zu je fünf Handwerkern wechselten sich 40 Tage lang bei den Arbeiten auf dem Dach ab. Während der Rekonstruktion haben wir insgesamt 189 Paletten Tondachziegel ‚Prejz‘ und 22 Paletten Mörtel verwendet“, erklärt Jiri Langner von der Dachdeckerei Krolan aus der Gemeinde Sestajovice bei Prag, die die gesamte Rekonstruktion ausgeführt hat. Der Mörtel für die Verlegung der Dachdeckung kam ebenfalls von Tondach. Er wird speziell für keramische Dacheindeckungen ohne Zementgehalt hergestellt. 

Sämtliche bei der Rekonstruktion der Prager Burg eingesetzten Materialien und Technologien wurden im Vorfeld mit dem Denkmalschutz des Büros des Präsidenten der Tschechischen Republik besprochen und abgestimmt. Ziel war es, dieses Objekt als Prager Kulturdenkmal zu erhalten und möglichst authentisch und umfassend zu sanieren. Die Tondachziegel „Prejz“ waren daher eine maßgeschneiderte Lösung.
Die Säle und Salons im Neuen Palast werden heute vor allem für repräsentative Zwecke genutzt. Sie dienen dem Präsidenten der Republik Tschechien etwa für Staatsempfänge. Hier finden aber auch wichtige gesellschaftliche Veranstaltungen statt. Mit Sicherheit ist die Burg einen Ausflug wert!

Dach + Wand

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