Richtlinie

Anschlüsse an bodentiefe Fenster und Türen

Bauwerksabdichtung
28.09.2021

Seitdem der Zugang auf Terrassen nahezu schwellenfrei zum Standard erhoben wurde, gibt es häufig Probleme im Bereich der Fenster- und Türprofile und der Bauwerksabdichtung. Die Richtlinie "Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen" räumt mit Unklarheiten in der Planung und Ausführung auf.

Schlagregen und Spritzwasser werden durch ein Rigol und Metallrost mit Gitterstruktur um ca. 90 Prozent reduziert.

Nach jahrzehntelangen Problemen beim Thema Tür- und Fensteranschlüsse und zahlreichen Folgeschäden ist es der Fenster- und Türindustrie und den Bauwerksabdichter*innen in den letzten vier Jahren gelungen, sich anzunähen. Das konstruktive Ergebnis ist eine fortschrittliche Richtlinie in zwei Teilen, die "Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen", erschienen am 1.5.2020. Dieses Regelwerk stellt den Stand der Technik dar und wird in der Planung und Ausführung von beiden Sparten empfohlen. Zudem sind die beiden Teile die Grundlage für die Ausbildung von Handwerker*innen und Monteuren*innen.

Wichtige Normen und Regelwerke

Die "Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen", Teil 1 + 2, legt die Anforderungen an die Planung und Ausführung des Anschlusses von Dach- und Bauwerksabdichtungen an bodentiefe Fenster und Türelemente Außentüren sowie Fixverglasungen dar. Ganz konkret wurde auf die Schnittstellen zu den Anschlussgewerken eingegangen. Folgende Normen und Richtlinien sollten in diesem Zusammenhang u. a. noch beachtet werden:

  • ÖNORM B 5320 "Einbau von Fenstern und Türen in Wände" – für Planung und Ausführung des Bau- und des Fenster-/Türanschlusses
  • "Richtlinie Fensterbank" – für deren Einbau in WDVS- und Putzfassaden sowie in vorgehängten Fassaden

Begriffe und Grundinhalte der Richtlinie

Die Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen definiert, zusätzlich zu ÖNORM B 3691, ÖNORM B 3692 und ÖNORM B 5320, häufig verwendete Begriffe, wie unter anderem folgende:
Anschlusskeil: Am Rahmen- und Bodeneinstandsprofil wasserdicht angebrachtes Ausgleichsprofil um den Versatz zwischen diesen auszugleichen.
Seitlicher Anschlussflansch: Am Fenster- oder Türelement seitlich wasserdicht angebrachte Anschlussmöglichkeit für die Abdichtung.

In Betrachtung der Anschlussmöglichkeiten ergibt sich der Regeleinbau:
"Wird die Abdichtungsoberkante der Abdichtung als max. WAH definiert, sind keine weiteren Abdichtungsmaßnahmen am Fenster- bzw. Türelement erforderlich. Die Möglichkeit für einen seitlichen Hochzug muss gegeben sein. Beim Regeleinbau muss die Höhe des Abdichtungshochzuges die Anforderungen der ÖNORM B 3691 erfüllen und über den Anstauhöhen von Not- und Regelentwässerung liegen." (Aus der Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen)

Und für den vertieften Einbau:
"Befindet sich das untere Fenster- oder Türrahmenprofil (z.B. Stockprofil, Türschwelle, Bodeneinstandsprofil, Unterbauprofil) oder Teile davon unter der max. WAH ist dies mit dem Bauherrn, Abdichter, Fensterhersteller und Fenstereinbauer abzustimmen." (Aus der Richtlinie)

Der Abdichtungsanschluss

Speziell für Handwerker*innen ist das Thema Abdichtungsanschluss relevant. Diese Kapitel hat sicherlich 80 Prozent des gesamten Diskussionszeitaufwands in der Ausarbeitung beider Richtlinien-Teile in Anspruch genommen.
Nun wird unterschieden in:

  • Anschluss direkt am Fenster- oder Türelement
  • Flächenbündiger Anschluss
  • Anschluss mit Anschlusskeil
  • Anschluss mit seitlichem Anschlussflansch
  • Anschluss hinter dem Fenster- und Türelement

Ein seitlich am Fenster- oder Türrahmen angebrachter Anschlussflansch ermöglicht dem/der Abdichter*in, die Anbindung der Abdichtung am Anschlussflansch mit den erforderlichen Anschlussbreiten anzubringen. Der Anschluss zwischen Anschlussflansch und Fenster- bzw. Türrahmen muss entsprechend den Herstellerangaben Stauwasserdicht ausgeführt werden. Viele Skizzen in den Richtlinien verdeutlichen die Anschlussmethoden.

Zu beachten:

  • Für eine funktionstaugliche Abdichtung ist ein ausreichend dichter Anschluss an die Fenster- und Türelemente bzw. angrenzenden Bauteile erforderlich.
  • Die Anschlussmethode bestimmt in vielen Fällen ganz wesentlich die mögliche Mindesteinbauhöhe des Fenster- oder Türelementes, daher ist die Anschlussmethode bereits bei der Auswahl des Fenster- und Türelements zu berücksichtigen.
  • Anschlüsse der Dach- und Bauwerksabdichtung können mit unterschiedlichen Methoden hergestellt werden. Bei Auswahl der Methode sind die jeweiligen Einbausituation und sonstigen Anforderungen zu berücksichtigen.

Ein fachgerechter Flüssigabdichtungsanschluss ist nur an einem für schwellenfreie Terrassenkonstruktionen geeigneten Türprofil möglich.

Einbindung von außenliegende Anbauteilen

Kopfzerbrechen bereiten oft die Einbindungen von vormontierten Sonnen- oder Insektenschutzsystemen. Diese außenliegenden Anbauteile auf Fenster- und Türrahmen, (z. B. Führungsschienen von Sonnen- bzw. Insektenschutzsystemen u. dgl.) können bei fehlender Planung die Anbindung der Bauwerksabdichtung erschweren bzw. gänzlich unmöglich machen. Um die Abdichtung auch in diesem Bereich ordnungsgemäß anschließen zu können, dürfen diese Anbauteile den Anschluss der Abdichtung nicht behindern. Auch dazu sind Ausführungsbeispiele in den beiden Richtlinien-Teilen skizziert.

Stauwasser-Prüfmethode

Gänzlich neu ist die in Zusammenarbeit mit der von der Holzforschung Austria (HFA) entwickelten Stauwasser-Prüfmethode, die als Nachweis für die Dichtheit von Fenster- und Türelementen gegen anstauendes Wasser herangezogen werden kann. Diese wird wie folgt durchgeführt:
Ein Fenster- oder Türelement ist in einem Betonrahmen gemäß ÖNORM B 5321 Standardfensteranschluss zu montieren. Der untere Fenster- oder Türanschlussbereich ist zusätzlich gegen anstauendes Wasser abzudichten.
Wenn bei Fenster- oder Türkoppelungen Wasser über die Abdichtungsoberkante reichen soll (Vertiefter-Einbau), sind diese Situationen ebenfalls bis zur maximalen Wasseranstauhöhe zu prüfen. Dazu sind gekoppelte Fenster- oder Türelemente in die Normöffnung von 1,26 x 1,51 m zu montieren.
Zuerst erfolgt eine Prüfung gemäß ÖNORM B 5321 für einen Standard-Fensteranschluss, wobei auf die Prüfung der Luftdichtheit verzichtet werden kann. Direkt im Anschluss daran ist eine zusätzliche Stauwasserprüfung durchzuführen. Dazu ist über den gesamten unteren Fenster- oder Türanschlussbereich ein Behälter vorzusetzen, der bis zur maximalen Wasseranstauhöhe für 30 Minutens mit Wasser zu füllen ist. Die maximale Wasseranstauhöhe wird vom Auftraggeber vorgegeben.

Sonderfall vertiefte Anschlüsse

Vertiefte Anschlüsse sind als Sonderkonstruktionen zu bewerten und können weder in der ÖNORM B 3691 noch in den beiden Richtlinien definiert werden, weil sie besonders intensiv von den örtlichen Gegebenheiten beeinflusst werden.
Trotzdem haben sich die Herausgeber der Richtlinie Gedanken zu diesem Thema gemacht, mit folgenden Empfehlungen:
"Die in Aussicht genommenen Anschlüsse an Fenster- und Türelemente sind grundsätzlich gemäß der vorliegenden Richtline und den bestehenden nationalen Regelwerken – allen voran der ÖN B 3691 – zu planen und auszuführen. Können einzelne Mindestanforderungen nicht erfüllt werden, (z. B. bei Sanierungen oder Fenstertausch) müssen gegeben falls Sonderlösungen geplant und ausgeführt werden."

Lösungen, die von den geltenden Normen abweichen, müssen jedoch nicht zwangsweise zu einer schlechteren technischen Funktionsfähigkeit bzw. zu einer reduzierten Dauerhaftigkeit führen. Vielmehr ist das objektbezogenen (Rest-)Risiko unter Einbeziehung aller Faktoren abzuschätzen und im Vergleich zu den standardisierten Lösungen zu bewerten.

Bei Bewertung von Sonderlösungen bei Fenster- und Türanschlüssen sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Klimatische Anforderung (schneereiches Gebiet, Niederschlagsmenge)
  • Exposition des Anschlusses (Vordachsituation, geographische Ausrichtung, Windexposition)
  • Feuchteempfindlichkeit der tragenden Bauteile rund um das Detail
  • Nutzung des Gebäudes bzw. der angrenzenden Gebäudeteile
  • Verwendeter Fenster- und Türrahmenwerkstoff
  • Höhe des Abdichtungshochzugs zum Fenster- und Türelement im Verhältnis zur Belagshöhe und zu den Rückstauhöhen des Entwässerungssystems bzw. des Notüberlaufes
  • Art/Technologie des Abdichtungsanschlusses an die Fenster- und Türelemente
  • Bauart des Fenster- und Türrahmenprofils hinsichtlich Wasserdichtheit und Anschlussmöglichkeit
  • Art und Größe der Entwässerungsrinne vor dem Anschluss
  • Drainagefähigkeit, Retentionsvermögen und Gefälle des Belages bzw. der Umgebung
  • Intervall und Umfang der Pflege/Wartung in der Nutzungsphase

Neue App "Türanschluss"

Die App Türanschluss wurde von Zechner Software, Ing. Werner Linhart und dem IFB-Team entwickelt und ist für Handwerker*innen konzipiert, die vor Ort auf der Baustelle mit Türanschlüssen konfrontiert werden und überprüfen müssen, ob ein Abdichtungsanschluss gemäß ÖNORM B 3691 überhaupt möglich sein wird. Mit wenigen Eingaben am Smartphone erhält man entweder eine positive Bestätigung oder die "Auforderung zur Umplanung", die dann an der Planer weitergegeben werden kann.

Welche Angaben benötigt man für die App?

  • Standortbedingte Schneelast und Regenmenge
  • Fassadenanteil
  • Frage, ob es sich um einen Regelfall od. erhöhte Anforderungen handelt
  • Höhe des Terrassenschichtaufbau
  • Dimensionierung des Vordaches
  • Abmessungen des Rigols (Kastenrinne)
  • Beschaffenheit des Gehbelags

Richtlinie und App für Planung und Ausführung

Informationen zur App erhält man beim IFB – Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung.
Die Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen sollte in keinem Betrieb, der sich mit der Planung und Ausführung dieses Themas befasst, fehlen. Sie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung (siehe Infobox).

Richtlinie Bauwerksabdichtung – Anschluss an bodentiefe Fenster und Türen

Ausgabe: 01.05.2020
Teil 1: Planung
Teil 2: Ausführung
Herausgeber: Plattform Fenster Österreich, IFB – Institut für Flachdach und Bauwerksabdichtung

Die Richtlinie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung:
Teil 1
Teil 2

Branchen
Dach + Wand