Tageslichtsysteme

Belichtung am Flachdach

Flachdach
20.09.2021

Fällt Tageslicht in Gebäuden über Oberlichter ein, bringt das Vorteile gegenüber der Belichtung durch Seitenfenster. Neben der gelichmäßigeren Beleuchtung erhalten auch die von den Außenwänden weit entfernten Bereiche ausreichend natürliches Licht. Beim Einbau von Tageslichtsystemen sind allerdings einige wichtige Details zu beachten.

Lichtkuppeln schaffen gleichmäßige Belichtung in Räumen.

Die Verteilung der Dachoberlichter bestimmt die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung durch Tageslicht. Hierbei wirken sich mehrere kleine Lichtöffnungen mit einer opalen Verglasung günstiger auf die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung als wenige große aus. Sie können als einzelne Lichtkuppeln, zusammenhängende Lichtbänder oder Sheddächer ausgeführt sein. Neben der Gesamtgröße spielt die Verteilung der Belichtungselemente für eine regelmäßige Beleuchtung eine große Rolle. Eine ungleichmäßige Verteilung sorgt für harte Licht- Schattenwechsel und eine unzureichende Gesamtausleuchtung des Raumes verbunden mit starken Kontrasten und Blendungen. Als Faustregel gilt: Der Abstand der einzelnen Tageslichtelemente/Oberlichter sollte nicht größer sein als die Raumhöhe bzw. der Abstand zum Boden
Zusätzlich sind lichtstreuende Verglasungsmaterialien (opales "milchiges" Acrylglas oder Stegplatten) einer klaren/transparenten Ausführung vorzuziehen, da sie durch die bessere Streuung angenehme Lichtverhältnisse und eine Reduzierung der Blendwirkung mit einer Reduktion der harten Licht- und Schattenzonen ermöglichen. Zusätzlich sind zur Entgegenwirkung von sommerlicher Überhitzung Ausführungen mit einer Hitzeschutzverglasung (Acrylglas mit Heatstop) immer häufiger gefragt. Zur Verbesserung des Dämmwertes wird die Schalenanzahl erhöht (z. B. 4-schalige oder 5-schalige Ausführung) bzw. wird zusätzlich Isolierglas eingebaut.

Öffnungsmechanismen: Richtige Positionierung und Dimensionierung

Die Positionierung der Lichtkuppel ist genau zu betrachten. So sollte der Abstand zu anderen Einbauteilen oder Wandhochzügen mindestens 50 cm betragen, um eine gute Einbindung zu gewährleisten. Ebenfalls ist darauf zu achten, dass die Öffnungsmechanismen und allen voran die Rauchabzüge nicht am Öffnen gehindert werden bzw. bei maximaler Öffnung an anderen Bauteilen anstehen. Dies ist besonders bei Industrieentrauchungen zu beachten, die 165°, also fast bis auf die Dachfläche, öffnen. Hier sind bereits Solaranlagen direkt neben der RWA-Klappe im Weg. Das führt zu Schäden an der PV-Anlage und an der Lichtkuppel. Zudem muss das Öffnen zu jeder Zeit uneingeschränkt von Auf- und Einbauten möglich sein.
Wichtig für die Planung der korrekten Öffnungsmechanismen, besonders der Rauch und Wärmeabzüge, ist die Lage des Objekts. Standard-Lüftungen sollten von der Wetterseite abgewandt öffnen. Rauchabzüge müssen auch bei maximal anzunehmender Schneelast als RWA-Anlagen jederzeit öffnen. Da das Gewicht der Schneelast auf die Kuppel drückt, müssen die Motoren bzw. die Pneumatik entsprechend stark sein. Dies wirkt sich auch direkt auf die Dimensionierung der beweglichen Teile aus.

Schlechte Positionierung der Lichtkuppel: Der Rauchabzug steht an der aufgehenden Wand an.

Sicherheit vor Durchsturz

Dachflächen müssen immer ausreichend gegen Absturz und Durchsturz geschützt sein und den täglichen Witterungseinflüssen sicher standhalten. Das gilt natürlich auch für alle Lichtsysteme. Alle Dächer ab einer Fläche von 150 m² – oder wenn diese kleiner sind und für Anlagen wie PV, Solar, Lüftung, etc. genutzt werden – dürfen nur mit durchsturzsicheren oder mit Durchsturzsicherungen ausgerüsteten Tageslichtelementen ausgestattet werden.
In Lichtkuppeln integrierte Durchsturzsicherungen sind simpel und wirkungsvoll. Wichtig ist, dass diese Systeme von einer kompetenten, unabhängigen Prüfstelle geprüft sind und für jahrelange Sicherheit sorgen. Jährlich zu wartende Systeme sind nicht zielführend und bergen ein hohes Gefahrenpotential. Daher ist von Lichtkuppeln, die zwar in fabriksneuer Form teilweise durchsturzsicher sind, aber über die Jahre aufgrund von Materialalterung an Stabilität verlieren, ohne zusätzliche Sicherheitsausstattungen abzuraten bzw. sind diese auch nicht zugelassen.
Mit unter Lichtkuppeln eingebauten Durchsturzsicherungen oder zusätzlichen Lösungen aus VSG/ESG-Verglasungen kann ebenso für Durchsturzsicherheit gesorgt werden. Grundsätzlich gilt: Durchsturzsicherungen müssen nach EN 1873 und GS Bau geprüft sein. Polycarbonat, das im Einbau durchsturzsicher ist, gilt nicht als dauerhafte Durchsturzsicherung, da es mit der Zeit seine Funktion aufgrund Versprödung verliert und somit keine ausreichende, geprüfte Sicherheit mehr darstellt.

Durchsturzsichere Lichtkuppel mit integriertem Edelstahlnetz.

Anschluss der Lichtkuppel

Detail: Anschluss Lichtkuppel

Auch bei einer Lichtkuppel muss der Anschluss wie bei einem Wandhochzug hergestellt werden. So gelten die in der ÖNorm B 3691 definierten Grundsätze, dass ab einer Kantenlänge von 50 Zentimeter eine Randfixierung zu positionieren ist. Das betrifft in der Praxis auch alle Tageslichtelemente, bei denen die Randfixierung entweder in den aufsteigenden Rahmen, sofern er stabil genug ist, oder auch in den Untergrund erfolgt. Bei vielen Aufsatzkränzen darf die Randschiene nicht direkt in diesen befestigt werden, sondern muss in den tragfähigen Untergrund erfolgen. Die aufzunehmenden Zuglasten der Randfixierung können oftmals nicht direkt eingeleitet werden.
Außerdem ist der Hochzug regensicher am oberen Abschluss zu verwahren und zu fixieren. Das passiert in vielen Fällen mit Abdeckprofilen und auch Verblechungen vor Ort. Durch die Geometrie der Lichtkuppel mit Tropfnase wird in der Regel eine „Überdachung“ des Anschlusses und somit ein Schutz vor Niederschlag von oben gestaltet. Die Hochzugshöhen sind wie bei anderen Anschlüssen auch mit mindestens 15 cm bzw. 20 cm Höhe (erhöhte Anforderung) auszuführen.
Wichtig ist, zu beachten, dass gerade die oft mittig in der Nähe des Tiefpunktes des Daches positionierten Lichtkuppeln im Anschlussbereich höher sind als die Anstauhöhe der Notentwässerung. Damit ist die Einbindung und die Positionierung der Lichtkuppeln perfekt hergestellt und es Tageslicht kann optimal genutzt werden. (bt)

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Dach + Wand