Blechanschlüsse und Detailausbildungen

Werden die Anschlüsse gut gemacht, ist auch das Bauwerk gelungen. Der Spengler gehört zu jenem Gewerk, das oft als wichtiges Bindeglied zwischen unterschiedlichen Gewerken fungiert. Daraus resultierend, wird häufig vorausgesetzt, dass er nicht nur in seinen fachspezifischen Normen und Regelungen sattelfest ist, sondern auch über die wichtigsten Anforderungen anderer Gewerke Bescheid weiß.

02.06.2016
Spengler
© Rheinzink, Jörg Seiler

Ein wichtiges Detail ist der Übergang zwischen Dach und Wärmedämmverbundsystem (WDVS). In der Regel hat der Spengler diesen Übergang sicher herzustellen (Abb. 1) – und steht hier oft vor sehr schwierigen Aufgaben. Früher wurden diese Bereiche entweder mit Kittputz- oder Z-Putzleisten ausgeführt. Die Tage der Kittputzleiste sind jedoch gezählt. 

Häufig wurden die Einzellängen im Stoßbereich fest miteinander verbunden, wodurch sich die Dehnungsproblematik deutlich verschärft hat – Dehnungsrisse im Bereich der Kittputzleiste bzw. Überbeanspruchung der Kittfuge waren die logischen Folgen. Im Neubaubereich sind Kittputzleisten auf WDVS-Fassaden nur mehr bei kurzen Anschlusslängen (z. B. stirnseitiger Anschluss von Mauerabdeckungen) zulässig. Im Bestandsbereich hingegen sind Kittputzleisten bei Anschlüssen an bestehende Fassaden  (z. B. Nachbargebäude) unter Einhaltung der Wartungsvorschriften zulässig (Fachregeln für Bauspenglerarbeiten, 09/2014). Später haben sich Kunststoffprofile am Markt etabliert, die einen fertigen Schlitz zur Anbindung der Blechprofile bereitstellen. Die baupraktische Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass schon allein in der Abwicklung (Herstellung durch die beiden Gewerke Spengler/Fassader) große Herausforderungen liegen. Um Innen- und Außenecken bis zur Oberkante regensicher herstellen zu können (Lötnähte als bevorzugtes Verbindungsmittel), kann man die Steckprofile erst nach Montage der Einfassungsprofile anbringen. Andernfalls wären die Eckbereiche ab Unterkante Steckprofil offen und somit nicht mehr regensicher. 

Parallel hat die Baupraxis gezeigt, dass Stoßbereiche zur Dehnungsaufnahme so große „Aufdickungen“ zur Folge haben, dass die Bleche im Spalt des Kunststoffprofils nicht mehr ungehindert gleiten können. Die möglichen Folgen sind massive Verformungen der Kunststoffprofile und Risse bzw. in weiterer Folge Wassereintritte im darüber angeordneten Wärmedämmverbundsystem (Abb. 2 + 3). Somit werden mittlerweile auch von der Güteschutzgemeinschaft WDVS Fachbetrieb Kunststoffprofile nicht mehr empfohlen (Vortrag Univ.-Lekt. Christian Lautner, MSc. beim Klosterneuburger Dachtag 2014). Damit bleibt als einzige funktionierende Lösung die Z-Putzleiste, auch wenn diese noch vor einiger Zeit aus thermischer Sicht (Wärmebrücke) verpönt war. Wurden Z-Putzleisten früher noch unmittelbar auf Mauerwerk oder Betonoberflächen montiert, so werden auch hier in den Vertikalbereichen Trennlagen als technische Trennung zwischen dem Untergrund (Beton, Ziegel) und dem Metall empfohlen. Diese Trennlagen verringern gleichzeitig auch die zu erwartende Wärmebrücke. Fallweise werden auch Thermostopps – wie man sie im Bereich der Konsolenbefestigung bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden kennt – verwendet. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass die zu erwartenden Wärmeverluste und mögliche Folgen im Innenraum hauptsächlich hochgedämmte Konstruktionen betreffen (siehe auch Fachregeln für Bauspenglerarbeiten, Punkt 11.2 [5] „Rohrschellenbefestigung“).

Gesimsabdeckung im Althausbereich

Früher wurden Gesimsabdeckungen nur in Verbindung mit Trennlagen zwischen Mörtelrösche und Abdeckung mit Scharnierdrahtsplinten zur Lage- und Windsogsicherung montiert. Heute erfolgt die Verlegung zumeist klebetechnisch in Verbindung mit Lagesicherungspunkten im hinteren Hochzugsbereich.Gerade bei denkmalgeschützten Bauwerken wird vom Bundesdenkmalamt in der Regel eine eingeputzte Gesimsabdeckung bevorzugt. Hier muss ganz besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass eine Aufstellung von zehn Millimeter beim hinteren Hochzug nicht überschritten werden darf. Werden größere Hochzugshöhen direkt eingeputzt hergestellt, sind zumeist Rissbildungen im Putz in unmittelbarer Höhe des oberen Endes vom Hochzug aufgetreten und diese Teile lose geworden und in weiterer Folge ausgebrochen (Abb. 4, nächste Seite). Hingegen kann davon ausgegangen werden, dass bei ausreichenden Putzdicken (mind. 25 Millimeter) und der geforderten Maximalaufstellhöhe von zehn Millimeter der Putzkörper trotz der thermischen Längenänderung der Gesimsabdeckung intakt bleibt. Zusätzlich gilt es zu beachten, dass Einzellängen von drei Meter nicht überschritten werden dürfen und die Längsstöße regensicher, z. B. mithilfe von unterlegten Stoßblechen oder Flachschiebenähten auszuführen sind. 

Häufig sind im Altbestandsbereich überbreite Gesimsabdeckungen vorzufinden, wo streng genommen nach Fachregel und Norm aufgrund der Zuschnittsbreite die Ausführung als Blechdach zu erfolgen hätte. Sonderlösungen sind denkbar, aber unbedingt mit Auftraggeber, Planer, Denkmalamt und Industrie abzustimmen. Eingeputzte Lösungen werden in den Fachregeln für Bauspenglerarbeiten und einschlägigen Normen auch für den Bereich der Laibungen beschrieben. So darf auch hier mit einem seitlichen Eingriff in die Putzfläche von mindestens 25 Millimeter und einer maximalen Aufkantung von zehn Millimeter gearbeitet werden. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass schon bei Fensterbanklängen von etwas mehr als einem Meter und Fertigstellung der Putzfassade an heißen Sommertagen (größte Länge der Fensterbank) die auf die Rückseite der Putzfläche einwirkenden Kräfte im Winter durch die Bauteilverkürzung so hoch sein können, dass selbst bei zehn Millimeter Aufkantung Risse im Laibungsbereich möglich sind (Abb. 5). Die einzige Möglichkeit, Risse 100-prozentig zu vermeiden, sind C-Vorköpfe, die schon seit Jahrzehnten erfolgreich zur Anwendung kommen.

Bei der klebetechnischen Herstellung von Gesimsabdeckungen haben sich zwei Arten der Verarbeitung etabliert. Einerseits werden Abdeckungen vollflächig mittels Bitumenkaltkleber verarbeitet, wobei auf eine Verträglichkeit des Untergrunds mit den Lösemitteln des Klebers zu achten ist. Die vollflächige Verklebung stellt einerseits die Trennfunktion zum Untergrund dar (Mörtelrösche) und garantiert eine dauerhafte Windsogsicherung und Dehnungsaufnahme der Einzelbauteile. Bei Klebe- und Dichtmassen auf Polymerbasis wird durch eine Verklebung linear in Gefällerichtung und eine entsprechende Dicke des Klebebetts ein entsprechender Abstand zum Untergrund hergestellt. Auch wenn die Dichtmassen sehr große Klebekräfte übertragen können, ist darauf zu achten, dass die maximalen Lastaufnahmen vom Untergrund (Netzung inklusive Spachtelung bei WDVS) nicht überschritten werden. Zusätzlich ist eine Erhöhung der Materialdicke der Fensterbank auf mindestens 1,0 Millimeter bei Titanzink empfehlenswert. Schließlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass zwischen den linearen Auflagern beispielsweise Blumentöpfe aufgestellt werden, die durch die Durchbiegung wiederum zu einem direkten Kontakt zweier nicht verträglicher Materialien führen können. 
Auch bei Werkstoffen, die gegen Mörtelangriff unempfindlich sind, muss bei Verwendung von Materialmindestdicken laut Norm mit massiven bleibenden Verformungen gerechnet werden, die neben einer Pfützenbildung und der Verringerung der Mindestneigung auch zu Diskussionen mit Bauherren führen werden. Auf eine luft- und winddichte Ausführung der Fenster ist unbedingt zu achten.

Schutzfoliertes Material

Nachdem der Putz erst nach der Montage der Gesimsabdeckung aufgebracht wird, muss ein entsprechender Schutz des Materials erfolgen. Früher wurden Verunreinigungen an Gesimsabdeckungen unmittelbar nach Putzaufbringung mit Wasser abgewaschen. Heute wird erst die ganze Putzoberfläche fertiggestellt, was zu großen Mengen an Mörtelresten im Bereich der Gesimsabdeckungen führt. Aus diesem Grund werden die Oberflächen entweder seitens der Fassadenbaufirma mit Schutzfolien versehen oder werkseitig schutzfolierte Werkstoffe verwendet. Da Fassadenbaufirmen nicht immer sehr sorgfältig mit Schutzfolien umgehen, hat sich vor mehr als zehn Jahren bei vorbewitterten Oberflächen schutzfoliertes Material am Markt etabliert und seither bestens bewährt .

Walzblanke Oberflächen mit werkseitiger Schutzfolie (Abb. 6+7) haben sich aber in der Praxis nicht wirklich bewährt, da hier die Schutzfolien unmittelbar nach der Montage abgezogen werden müssten. Schutzfolien haben aber auch ihre Belastungsgrenzen. Beispielsweise kann die Reinigung von Zierteilen mittels Sandstrahlung oder große Mengen an trockenen Mörtelresten, die mit scharfkantigen Werkzeugen abgeschert werden, zu mechanischen Beschädigungen der Schutzfolie führen, wodurch sich das Abziehen der Schutzfolie zu einem wahren Desaster entwickeln kann. Vorbeugung in diesen Bereichen erleichtert das nachträgliche Abziehen. 

Fazit

Der Spengler fungiert oftmals als wichtiges Bindeglied zwischen den Gewerken. Leider sitzen heute sehr häufig nicht mehr alle Gewerke an einem Tisch, um gemeinsam eine Detaillösung zu erarbeiten. Stattdessen werden E-Mails durch die Gegend geschickt. Dabei wäre es gerade hier sehr wichtig, miteinander zu reden. Jede Reklamation verursacht bei allen Beteiligten Kosten. Kosten, die in aller Regel wesentlich höher sind, als wenn von Anfang an qualitätsvoll gearbeitet worden wäre. Wird mit Liebe zum Detail gearbeitet, sollte es normalerweise funktionieren.

Dach + Wand

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