Dachkompetenz

Dichte Balkone und Terrassen

Flachdachabdichtung
31.08.2021

Die Beläge von Balkonen und Terrassen übernehmen auch eine wichtige Schutzfunktionen für die darunterliegende Abdichtung. Wie die jüngsten Starkregenereignisse und deren Folgeschäden gezeigt haben, ist speziell der Entwässerung sowie Wand- und Türanschlüssen besonderes Augenmerk beizumessen.

Die Beläge von Balkonen und Terrassen übernehmen eine wichtige Schutzfunktion für die darunterliegende Abdichtung.

Beispiel Plusdach mit zusätzlicher Schutzschicht aus Wärmedämmung (XPS).

Flachdächer können durch ihre geringe Neigung optimal als Balkone und Terrassen genutzt werden. Für deren Belag gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Höhenverstellbare Terrassenlager dienen insbesondere zur Verlegung von Holzrosten und Steinplatten. Plattenbeläge können ebenso mit einer zusätzlichen Drainagebahn auf Split verlegt werden. Gehwegplatten aus Gummigranulat werden ohne Unterbau für besonders niedrige Aufbauten direkt verlegt. Besonders trittschalldämmende Aufbauten sind immer mehr gefragt.
Als Schutzlagen für Dächer sind beispielsweise Vliese (z. B. 150 g als Filter bei Umkehrdach oder 300 g als Schutzlage) sowie Gummigranulatmatten ab 6 mm Stärke möglich. Bei der Verlegung ist es wichtig, dass diese gemäß ÖNORM B 3691 bei einer Stärke von 6 mm überlappend verlegt werden. Lediglich stärkere Matten können stumpf gestoßen werden. Ebenfalls können Dämmplatten mit mindestens 30 mm wie beim Dachaufbau Plusdach als Schutzlage fungieren. Dieser Aufbau eignet sich besonders, um die fertige Dachabdichtung schon während der Bauphase vor Beschädigung zu schützen. Durch eine dicke Schutzlage sind nachfolgende Arbeiten gefahrloser möglich.

Durch die Anordnung der Drainagebahnen unter Belägen auf Splitt wird die Entwässerung auf der Abdichtungsbahn ermöglicht und sichergestellt.

Marius Amann

Wichtige und richtige Entwässerung

Beispiel Warmdachaufbau mit Nutzbelag (Platten/Begrünung) auf Drainageschicht

Unter Terrassenbelägen mit Splittschüttung sind Drainagebahnen zur Entwässerung der Abdichtungsebene und ggf. zur Entwässerung der Terrassenrinnen anzuordnen. "Bei Terrassen, Loggien und Balkonen muss die Entwässerung sowohl in der Abdichtungsebene als auch in der Belagsoberfläche sichergestellt sein" – das fordert die ÖNORM B 3691 – Dachabdichtungen. Durch die Anordnung der Drainagebahnen unter Belägen auf Splitt wird die Entwässerung auf der Abdichtungsbahn ermöglicht und sichergestellt. Die Belagsoberfläche wird in der Regel durch das Platzieren von Einlaufrosten auf den Gully entwässert. Gerade bei Starkregen und relativ schmalen Fugen rinnt viel Wasser auf dieser Ebene ab. Durch die abnehmbaren Deckel ist durch den Einlaufrost auch eine Wartung und Reinigung der Entwässerungsanlage möglich.
Eine andere Möglichkeit bieten die Gummigranulat-Platten. Diese besitzen unterseitige Drainagerillen und können somit ohne zusätzliche Drainageelemente und Splitt direkt auf die Abdichtung verlegt werden. Bei einer Verlegung auf einer PVC Abdichtung sollten diese mit einer Trennlage (z. B. Vlies) kaschiert sein, um eine Weichmacherwanderung zu verhindern. Auch bei der Verlegung von Rasenteppich direkt auf die Dachabdichtung ist auf eine mögliche Wechselwirkung zur Abdichtung zu achten. Hier wird ebenfalls fast keine Schutzwirkung erzielt.

Trittschallschutz bei Terrassen und Balkonen

Aufbau mit Trittschalldämmender Gummigranulatmatte mit Drainagefunktion.

Trittschallverbesserungen bis zu 40 dB und höher sind mit speziellen, geprüften Gummigraulatmatten möglich. Dadurch werden Bereiche unter Terrassen und Laubengängen optimal vor störendem Lärm, insbesondere vor Einflüssen durch Trittschall geschützt.
Im Wohnungsbau sind in den letzten Jahren die Anforderungen an erhöhtem Schallschutz immer weiter gestiegen. Trittschallschutzmaßnahmen sind an und in Gebäudeteilen anzuwenden bzw. zu planen, deren Decken begehbar sind und an Gebäudeteilen angrenzen. Dazu gehören auch Decken, die im Außenbereich liegen, wie beispielsweise Terrassen, Loggien, Balkone, Laubengänge usw.
Auf gedämmten Decken sind die erforderlichen Maßnahmen relativ einfach durchzuführen, da bereits schallschluckende Materialien, wie z. B. Wärmedämmungen, Dachabdichtungen oder Trennlagen, eingebaut sind. Hier ist die Anforderung nach erhöhtem Trittschallschutz mit zusätzlich verlegten schallschluckenden Matten, wie zum Beispiel mit speziellen geprüften Produkte aus Gummigranulat, einfach zu erfüllen.

Diese werden dazu in klassischen Aufbauten mit Betonplatten in Splittbettung (dort in Kombination mit einer Drainagematte bzw. bereits drainagefähig) oder Stelzlagern und einer Wärmedämmung verlegt. Eine Schallschutztechnische Verbesserung ist je nach Aufbau bis zu 40 dB (mit bereits darunterliegender Dämmung) und bis zu 60 dB auf harten Untergründen (direkt auf Beton) möglich.

Wenn der Wandanschluss direkt an der Fassaden-Außenkante hergestellt wird, ist der Anschluss oftmals nur mit einer Fuge und einem Befestigungsprofil möglich. Hier ist eine dauerelastische Fuge zu ziehen, welche regelmäßig gewartet und erneuert werden muss.

Marius Amann

Anschlüsse bei Terrassen

  • Wandanschluss

Bei der Gestaltung des Wandanschlusses muss neben der Randfixierung der Dachbahn besonders auf ein mögliches Hinterlaufen des Abdichtungshochzuges geachtet werden. Die Hochzugshöhen von 15 bzw. 20 cm sind einzuhalten. Durch die Anordnung eines Vordaches oder Rinnen können diese reduziert werden. Beim Anschluss der Flächenabdichtung sollte der Hochzug hinter die Putzfassade beziehungsweise die hinterlüftete Fassade gezogen werden. Hier ist es optimal, wenn dies im Bauablauf bereits so berücksichtigt wird und die Flächenbahn an die Rohwand randfixiert werden kann. Im Anschluss wird eine Dämmung an die Wand gestellt und die Hochzugsbahn darüber und nach hinten zur Wand gezogen und dort sicher verwahrt. Durch die anschließende Fassade wird der Abschluss optimal vor Wind und Wetter verdeckt und Feuchtigkeit kann nicht über die Wand in den Dachaufbau hineinlaufen.
Wenn der Wandanschluss direkt an der Fassaden-Außenkante hergestellt wird, ist der Anschluss oftmals nur mit einer Fuge und einem Befestigungsprofil möglich. Hier ist eine dauerelastische Fuge zu ziehen, welche regelmäßig gewartet und erneuert werden muss. Wenn es konstruktiv irgendwie möglich ist, zum Beispiel bei Wärmedämmfassaden und vorgehängten Fassaden, dann sollte der Anschluss immer auf die Rohwand geführt werden. Ebenfalls müssen natürlich bei Kunststoffabdichtungen alle Wandanschlüsse oder Durchdringungen ab einer Kantenlänge von 50 cm mit einer Randfixierung in der Kehle fixiert werden, um ein Abziehen der Abdichtungsbahn und somit einen Wassereintritt in diesem Bereich zu verhindern.

Türanschluss barrierefrei mit Hochzug aus folienkaschiertem Blech.
  • Türanschluss

Durch Einbau von Entwässerungsrinnen an Hochzügen können die geforderten Hochzugshöhen reduziert werden. Das ist bei Terrassentüren der häufigste Fall, aber auch bei Wandhochzügen möglich. Dies wird gemacht, um Spritzwasser und Oberflächenwasser daran zu hindern, sich direkt vor dem Anschluss aufzustauen.
Vor einer Reduktion der Anschlusshöhen ist an die Entwässerung und Notentwässerung und deren maximale Anstauhöhen zu denken. Die Anschlusshöhen müssen über der Anstauhöhe der Notentwässerung (r5/100) liegen. Je nach Beurteilung der Lage: ungeschützte Lage (ohne Vordach), teilgeschützte Lage (50 % der Höhe auskragend, in der Regel mindestens 1,20 m) oder geschützte Lage (100 % der Höhe auskragend, in der Regel mindestens 2,40 m) können die Anschlusshöhe reduziert werden.
Eine weitere Reduktion ist mit einer Anordnung von Terrassenrosten vor den Türanschlüssen möglich. Für eine barrierefreie Ausführung ist in der Regel ein 20 cm breiter Terrassenrost notwendig. Für eine geringere Reduktion reicht auch ein 12 cm breiter Rost. Dieser kann einfach über Drainageschlitze und die Drainagebahn zu den Dachentwässerungselementen entwässern. Ein direkter Anschluss an Gullys oder die Ausführung von Stichkanälen ist möglich, aber nicht zwingend notwendig und vorgeschrieben. Bei Holzrosten kann die Gestaltung des Holzrostes (Fugenbreite 7 mm, Fugenanteil 5 %, 20 mm Abstand zum Anschluss) die Anordnung eines zusätzlichen Terrassenrostes ersetzen.
Eine Gefälleausbildung zu Wand-, Tür, und Fensteranschlüssen sollte grundsätzlich vermieden werden. Es sollte daher immer das Gefälle von der Tür weggeführt werden. Das heißt, Gullys sind mittig oder auf der gegenüberliegenden Seite von Balkonen zu positionieren. Eine Entwässerung über Speier gibt dies bereits vor. Dadurch ist es gerade bei Sanierungen durch die vorgegebenen Anschlusshöhe oft nicht möglich das normgerechte Gefälle von 2 % einzuhalten. Eine Gefällereduktion nach ÖNORM B 3691 ist dadurch gerade bei Sanierungen möglich. Als Gegenmaßnahme sollte aber die Abdichtung und der Dachaufbau nach K3 für erhöhte Anforderung gestaltet werden.

Fazit

Mit einer exakten Ausführung der Anschlussbereiche und den richtigen Aufbauten ist auf Terrassen und Balkonen eine zusätzlich Wohnnutzung gut realisierbar. Diese kann wunderbar mit Gründachbereichen kombiniert werden, wodurch neben dem Menschen auch die Natur profitiert.

Branchen
Dach + Wand