Interview

Fensterflächen werden größer

Georg Pehn, Geschäftsführer Roto in Österreich, im Gespräch mit Handwerk+Bau über die aktuellen Trends am Dachfenstermarkt.

01.10.2020
Dachfenster
Birgit Tegtbauer
28.01.2021
© Roto

Georg Pehn ist Geschäftsführer des Dachfensterherstellers Roto in Österreich.

Welche Dachtrends erwarten uns in nächster Zukunft?

Steildächer sind in Österreich traditionell noch stark vertreten, allerdings verlagert sich der Trend zunehmend zu Flachdächern, aber nicht komplett. Das Flachdach ist zwar architektonisch State of the Art, doch wir erleben bereits eine leichte Trendumkehr bzw. einen wachsenden Trend zum flachen Walmdach. Da viele Fertighaushersteller, welche sich an den aktuellen Trends ausreichten, Roto-Kunden sind, haben wir hier einen guten Einblick und sehen, in welche Richtung sich der Markt entwickelt.

Wie sieht es bei der Größe der Fensterflächen aus?

Die Fensterflächen werden zunehmend größer, was wahrscheinlich ästhetischen Gründen geschuldet ist. Das kleine Dachfenster, wie wir es von Bauten aus den 1980er/1990er Jahren kennen, gibt es fast nur mehr in der Sanierung. Mittlerweile sind Dachfenster in Größen bis zu 180 Zentimetern oder noch länger gefragt. Dort, wo wir von der Breite her nicht reglementiert sind, kommen zum Teil spektakuläre Größen oder Kombinationen zum Einsatz. Und wenn die Statik es zulässt, können Dachfenster in beliebiger Anzahl aneinandergereiht werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist allerdings auch die Beschattung. Es geht mir dabei nicht um den Umsatz oder den Absatz von Dachfenstern, wenn ich betone, dass bei Dachfenstern unbedingt auf den entsprechenden Sonnenschutz geachtet werden muss.

Wie teilt sich derzeit das Geschäft in Großobjekte und Einfamilienhäuser auf?

Der Bereich mit großen Dachfenstervolumen – der sogenannte Objektbereich mit 50, 100 oder sogar über 300 Stück in einem Bauvorhaben – ist naturgemäß ein Bereich, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber die Butter am Brot ist noch immer der tägliche Auftragseingang mit Aufträgen bis zehn Dachfenster. Wenn dieser Motor läuft, ist das für mich ein sehr guter Indikator für den Gesamtmarkt, an dem Objekte nur rund ein Viertel des Gesamtabsatzes ausmachen. Abgesehen davon nehmen wir zunehmend wahr, dass der starke Bautrend der letzten Jahre langsam ein Ende finden wird. Die Konsequenz sind fallende oder zumindest stagnierende Baukosten. Dementsprechend vorsichtig sind die Bauträger geworden.

Der Zubehörhandel am Dachfenstersektor boomt. Was sind die Gründe dafür, und was wird besonders nachgefragt?

Hier sind wir selbst noch in der Analyse. Wir verzeichnen einen absoluten Rekord an außen liegendem Hitzeschutz in Form von Rollläden oder Markisen. Die Sonnen­einstrahlung ist mit 900 bis rund 1.100 W/m² sehr hoch. Auch die Erderwärmung ist natürlich messbar, aber im Dachgeschoß sicherlich nicht allzu stark verändert spürbar. Wohingegen Hitzerekorde sehr wohl im Dachgeschoss deutlich spürbar sind. Förderungen für Beschattung gibt es zwar, aber diese werden nur sehr selten in Anspruch genommen. Fakt ist, dass es ohne Hitzeschutz einfach nicht geht. Leider werden Rollläden oder Markisen oft „nur“ nachgerüstet, da die Gesamtkosten der Investition gering gehalten werden – oder gering gehalten werden müssen. Sind nach einigen Monaten die ersten Eigentümer oder Mieter eingezogen, sind schnell die letzten Zweifel aus dem Weg geräumt, „ein Hitzeschutz muss her“.

Dauerbrenner Smart Home: Wie weit ist die Dachfensterindustrie hier? Wie gefragt sind entsprechende Produkte?

Roto verfolgt schon seit jeher eine offene Lösung für alle Bussyteme, ohne dass zusätzliche Schnittstellen nötig wären. Fenster oder Hitzeschutz lassen sich als Aktoren durch einen potentialfreien Kontakt aus der Hausautomatisation anspeisen. Können Kunden das Licht per Handy, Alexa oder Siri einschalten, können sie somit auch das Dachfenster ansteuern. Die einzige He­rausforderung liegt in der Schnittstellenabgrenzung: Wo hört Dachfenster auf, und wo fängt Hausautomatisierung an? Wenn Sie Alexa befehlen „Licht an“ und es bleibt dunkel, ist in 99 Prozent der Fälle nicht die Glühbirne kaputt. Verzeihen Sie mir den Sarkasmus.

Ist die Investitionsbereitschaft durch die verstärkte Wertschätzung des eigenen Wohnbereichs nach dem Shutdown gestiegen?

Wenn anfangs der Krise seitens Endkunden wegen extremer Unsicherheit gebremste Investitionsfreudigkeit zu spüren war, so ist diese nun dem Motto „My Home ist my Castle“ gewichen. Wir hatten 2020 ein schwieriges erstes Halbjahr. Der erste Lockdown war auch psychologisch dramatisch, und meine Mitarbeiter im Vertrieb und im Servicebereich konnten aufgrund von Kontaktbeschränkungen kaum Kundentermine wahrnehmen. Das haben wir natürlich deutlich an den Absatzzahlen gemerkt. Umso stärker war allerdings der Rebound-Effekt im zweiten Halbjahr. Ab August verzeichneten wir jeden Monat gute Umsätze, und insgesamt konnten wir 2020 einen Rekordumsatz generieren. Wie es 2021 weitergeht, bleibt spannend.

Dach + Wand

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