Initiative Steildach

Steildach
27.08.2014

Von: Redaktion Dach Wand
Hintergründe zur Popularität von geneigten Dächern.

Wenn Kinder Häuser zeichnen, dann ist es meist ein ähnliches Bild: ein schöner Garten, Fenster, Türen und obendrauf ein geneigtes Dach. Die Tradition aus Kindheitstagen macht es vor: Österreicher leben gern unter einem steilen Dach. Dies fand auch eine Studie des Marktforschungsinstituts meinungsraum.at für die Initiative Pro Steildach heraus. 

„Wenn man an ein Haus denkt, kommt einem zuerst in den Sinn, wie Kinder Häuser zeichnen: mit einem Satteldach. Dieses Bild ist seit Generationen tradiert und somit meiner Meinung nach – neben herstellungstechnischen Aspekten – der Grund, warum geneigte Dächer in unseren Breiten bevorzugt werden. Flachdächer werden nach wie vor oft mit Nebengebäuden und Hallen assoziiert“, weiß Architekt DI Franz Leuthner. Roswitha Wachtler, die die Befragung im Juni 2014 geleitet hat, resümiert: „Bei Hausformen und Dächern sind die Österreicher sehr traditionsbewusst – es ist ja auch eine Entscheidung fürs Leben, die man nicht gern kurzfristigen Modeerscheinungen unterwerfen möchte. Die Österreicher finden Flach- und Pultdächer zwar modern, ihnen gefällt aber meist ein Steildach besser, und sie würden beim eigenen Haus mehrheitlich auch ein solches wählen.“ 

Viele Vorteile. Das geneigte Dach passt sich optimal an die Anforderungen der österreichischen Klimazone an. Die Einsturzgefahr und Gewichtsbelastung – wie zum Beispiel durch Schnee – pro Quadratmeter sind geringer. Auch Tau- und Regenwasser kann besser abfließen. meinungsraum.at-Studienleiterin Wachtler weiß, welche Vorteile Steildächer aus der Sicht der Österreicher haben: „Langlebigkeit, Energieeffizienz und Klima- bzw. Witterungsbeständigkeit sind die Kriterien, die den Österreichern beim Dach am wichtigsten sind.“ Bauphysikalische Argumente für Steildächer hat Architekt Leuthner: „Geneigte Dächer können wesentlich einfacher diffusionsoffen ausgeführt werden. Auftretender Wasserdampf kann durch die Konstruktion des Steildaches nach außen diffundieren und im Bauteil keinen Schaden verursachen. Regenwasser wird auf schnellstem Wege abgeleitet, und Beschädigungen können besser vermieden werden. Die Hinterlüftung sorgt im Sommer zusätzlich für den Abtransport von solarem Wärmeeintrag und wirkt somit der Überhitzung entgegen“.

Richtiges Planen. Als Architekt weiß Leuthner die wichtigsten Fakten bereits beim Planen zu beachten: „Formal gesehen ist darauf zu achten, dass sich das Gebäude in die umgebende Landschaft gut integriert. Je nach Anforderung und Umgebung kann das Objekt ein Flachdach oder Steildach erfordern. Das ist meiner Ansicht nach keine Prinzipfrage, sondern die Überlegung, was die Umgebung, das Grundstück, die Nutzer und schlussendlich auch die Bauordnung erfordern.“ Beim Bauen ist allerdings einiges zu beachten: „Ein beliebter Ausführungsfehler ist die lückenhafte Winddichtheit bei Steildächern. Oft wird auf den Anschluss der Unterdeckbahn mit der aufgehenden Wand vergessen. Die Folge daraus ist, dass die Wärmedämmung durch den Wind ausgeblasen wird und somit ihre Wirkung zu einem beträchtlichen Teil aufgehoben wird. Mit richtiger Planung kann das aber gut und einfach vermieden werden“, berichtet Leuthner.

Dachtrend Österreich. Vor allem das umwelt- und energiebewusste Leben wird in Österreich immer wichtiger, auch dies spricht für den Bau von geneigten Dächern. „Energie zu sparen und wenn möglich auch selbst zu produzieren sind beim eigenen Haus wesentliche Trends, die sich voraussichtlich noch verstärken werden“, weiß Leuthner. Dazu entgegnet die Studienexpertin: „Interessant finde ich allerdings, dass viele ihre Pläne, zum Beispiel zur Energiegewinnung, nicht umsetzen und das Dach – entgegen aller Konzepte – oft ungenutzt bleibt.“ Auch das steigende Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung werden dazu führen, dass vor allem Dachböden wieder Verwendung finden, prognostiziert Leuthner: „Der gute alte Dachboden, der meist nur als Stauraum dient, wird in Zukunft vielfältiger genutzt werden. Sei es, wie schon erwähnt, zur Energiegewinnung oder als lichtdurchfluteter Wohnraum.“ 
Steildächer sind laut der meinungsraum.at-Studie aktueller Trend in Österreich. „Wichtig ist, sich im eigenen Haus wohlzufühlen und auf die Sicherheit bedacht zu sein. Steildächer bieten all das – Sicherheit, Gemütlichkeit und Platz, und das alles unter einem Dach“, ist sich Architekt Franz Leuthner sicher.

Über die Initiative Steildach. Zur Initiative Pro Steildach haben sich im Frühjahr dieses Jahres die Firmen Bramac, Eternit, Tondach, Velux sowie Holzbau Austria zusammengeschlossen. Ziel der Initiative ist es, die Nutzungsvorteile von geneigten Dächern – in bauphysikalischer sowie wirtschaftlicher Hinsicht – aufzuzeigen und das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Daches und der Dachform in der österreichischen Gesellschaft zu schärfen.

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