Neue Standards beim Fenstereinbau

Fensterkonstruktionen haben sich in den vergangenen Jahren gerade im Bereich der Energieeffizienz enorm verbessert und zu Hightechprodukten am Bau entwickelt. Diese ausgeklügelten Fenstersysteme können aber ihre hervorragenden Eigenschaften hinsichtlich der Wärme- und Schalldämmung nur dann entfalten, wenn sie auch bauphysikalisch richtig eingebaut werden. 

09.01.2015
Dachfenster
© Velux
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Text:Heinz Hackl, Birgit Tegtbauer

Beim Fenstereinbau steigen die Anforderungen bei Planung und Ausführung permanent. Ein luftdichter und schallschutztechnisch optimierter Einbau sowie die Kondensat- und Schimmelfreiheit in der Bauanschlussfuge erfordern besonderes Know-how, viel Erfahrung und optimierte Konstruktionen. Das Kooperationsprojekt „Bauanschluss“ des ecoplus Bau.Energie.Umwelt-Cluster Niederösterreich liefert nun neue, wissenschaftlich untermauerte Erkenntnisse zum Fenstereinbau. 

Im Kooperationsprojekt „Bauanschluss“ – initiiert und durchgeführt vom Unternehmensberatungs- und Sachverständigenbüro Rudolf Exel und begleitet vom ecoplus Bau.Energie.Umwelt-Cluster Niederösterreich – erarbeiten 24 Unternehmer aus vier Bundesländern seit Mai 2013 gemeinsam bauphysikalisch und statisch optimierte Einbaulösungen von Fenstern. In diesem Fachbereich geht die Entwicklung rasant voran. Steigende Element­lasten (Glasgewicht) und Windlasten dominieren beispielsweise die statische Verankerung der Fensterelemente, zudem wird die Anforderung an Wärmedämmung und Dichtheit der Bauanschlussfuge (Gefahr von Kondensat und Schimmel) durch die umgebende Gebäudehülle zunehmend thematisiert. Weiters waren die effektiven Schalldämm­eigenschaften der Fenster im eingebauten Zustand (bewertetes Bau-Schalldämm-Maß R´w) für Fenstermontagebetriebe bisher nicht „planbar“. 

Im Rahmen des Projekts wurden Wärmeschutz, Diffusion, Schallschutz und Dichtheit in der Bauanschlussfuge sowie die Befestigung der Fenster analysiert und optimiert. Daraus wurden Montagevorschläge entwickelt. Dazu wurden übliche Neubausituationen (Außenwände in den Bauweisen Beton, Porenbeton bzw. Ziegelmauerwerk – mit/ohne Wärmedämmverbundsystem, Holzriegelkonstruktionen sowie Holzdachkonstruktionen) mit Fensterelementen der Projektpartner (Alu, Holz/Alu, Kunststoff) kombiniert und die Wirkung verschiedener Bauanschlusssituationen (Fugenmaterialen, Lage des Fensters in der Leibung, Breite der Fuge etc.) sowohl wärmeleittechnisch als auch schallschutztechnisch untersucht. Auch gängige Einbausituationen aus der Gebäudesanierung wurden unter die Lupe genommen und Empfehlungen zum Fenstertausch erarbeitet.
Für die Erfüllung der verbindlichen Anforderungen an den Wärmeschutz (OIB-Richtlinie 6, ÖNorm B 8110-2) wurden für alle Einbaukombinationen wärmeschutztechnische Nachweise bis –11,5 °C geführt. Als weiteres Ergebnis des Projekts können auch ausreichend sicher Schalldämmprognosen in Abhängigkeit von Einbauposition, Fugenbreite und -material sowie der bekannten Schalldämmcharakteristik der Fenster erstellt werden.

Wissenschaftlich fundierte Lösungen 

Um für seine Kunden optimale Lösungen in diesem Bereich anbieten zu können, hat sich Dachfensterhersteller Velux am Projekt „Bauanschluss“ des Bau.Energie.Umwelt-Clusters NÖ beteiligt. In enger Abstimmung mit den Experten hat Velux drei Einbauvarianten mit teilweise völlig neuen Produkten und Technologien entwickelt, die im Bereich der Bauanschlussfuge neue Standards setzen sollen. Diese Einbauvarianten entsprechen den einschlägigen Normen ÖNorm B 5320 (Bauanschlussfuge für Fenster, Fenstertüren und Türen in Außenbauteilen), der ÖNorm B 8110-2 (Wärmeschutz im Hochbau – Teil 2: Wasserdampfdiffusion und Kondensationsschutz), der ÖNorm B 4119 (Planung und Ausführung von Unterdächern und Unterspannungen) und der ÖNorm B 8115 (Schallschutz und Raumakustik im Hochbau).

Bauanschluss: dichten – dämmen – dichten

Das Prinzip der Bauanschlussfuge gemäß ÖNorm B 5320 lautet: „dichten – dämmen – dichten“. Für Dachflächenfenster bedeutet dies: außen gegen Schlagregen, Flugschnee und Wind abdichten. Dazwischen ist die Wärme- und Schalldämmung vorzusehen. Innen luftdicht abdichten, um zu verhindern, dass feuchtwarme Luft in die Konstruktion eindringen kann. Neben allen diesen zweifellos äußerst wichtigen bauphysikalischen Anforderungen stand bei der Entwicklung der Einbaumethoden besonders die Praxistauglichkeit und Verarbeitungssicherheit für die Handwerker im Vordergrund. Diese Attribute garantieren den Kunden Sicherheit, Komfort und Behaglichkeit durch hohe Oberflächentemperaturen im Anschlussbereich des Fensters und den bestmöglichen Schallschutz in diesem Bereich.

Der Handwerker hat die Wahl

Jede der drei entwickelten Montagemethoden (Details siehe Seite 42) wird den höchsten bauphysikalischen Ansprüchen gerecht. Je nach Einbausituation und auch persönlichen Präferenzen, aber auch Arbeitsmethoden kann der Dachhandwerker seine bevorzugte Einbauvariante auswählen. Bei all den beschriebenen Einbauvarianten sind Tauwasser und Schimmelbildung – korrekte Verarbeitung vorausgesetzt – praktisch ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil: Die hohen Oberflächentemperaturen, selbst bei extrem tiefen Außentemperaturen, schaffen Behaglichkeit und Komfort.
Fazit: Hochwertige Fensterkonstruktionen brauchen auch entsprechende Einbauqualität.

Drei praxisgerechte Einbaumethoden

  1. Einbaumethode für den universellen Einsatz. Diese Montagevariante eignet sich sowohl für den Neubau, nachträglichen Fenstereinbau als auch für den Fensteraustausch. Abdichtung außen: durch den Eindeckrahmen und die Unterdachschürze gegen Schlagregen, Flugschnee und Wind. Dämmung: Raum für Wärmedämmung durch die Velux-„Stockverlängerung“; Dämmung mittels auf Winddichtheit geprüften Spezialschaums. Abdichtung innen: Die Velux-„Dampfbremsen-Manschette“ verhindert in der Bauanschlussfuge und im Laibungsbereich das Eindringen von feuchtwarmer Luft in die Konstruktion.
  2. Montage mittels Staffelrahmens aus Holz und vorgefertigten Dämmrahmens. Diese Montage­variante eignet sich eher für den Neubau. Bei Sanierungen nur dann, wenn die Konterlattungen und Dachlatten im ­Bereich des Fensters entfernt werden. Abdichtung außen: durch den Eindeckrahmen und die Unterdachschürze gegen Schlagregen, Flugschnee und Wind. Die Unterdachschürze wird zusätzlich noch mit geeigneten Klebebändern verklebt.Dämmung: Raum für Wärmedämmung durch die ­Velux-„Stockverlängerung“; Dämmung mit Velux-„Dämmrahmen BDX“ (Wärmeleitgruppe 040). Abdichtung innen: Die Velux-„Dampfbremsen-Manschette“ verhindert in der Bauanschlussfuge und im Laibungsbereich das Eindringen von feuchtwarmer Luft in die Konstruktion.
  3. Dachhautebener Einbau mittels Puren-Dämm- und -Montagezarge und vorgefertigten Velux-Dämmrahmens. Das wärmetechnische Nonplusultra. Durch den dachhautebenen Einbau sitzt das Fenster kompakter im Dach. Dadurch reduziert sich die äußere Hüllfläche, was generell zu reduziertem Wärmefluss führt. Diese Montagevariante eignet sich eher für den Neubau; bei Sanierungen nur dann, wenn die Konterlattungen und Dachlatten im Bereich des Fensters entfernt werden. Abdichtung außen: durch den Eindeckrahmen und die Unterdachschürze gegen Schlagregen, Flugschnee und Wind. Die Unterdachschürze wird zusätzlich noch mit ­geeigneten Klebebändern verklebt. Dämmung: Raum für Wärmedämmung durch die ­Velux-„Stockverlängerung“; Dämmung mit Velux-„Dämmrahmen BDX“ (Wärmeleitgruppe 040). Rund um die Bauanschlussfuge zusätzlich durch die Puren-Zarge. Abdichtung innen: Die Velux-„Dampfbremsen-Manschette“ verhindert in der Bauanschlussfuge und im Laibungsbereich das Eindringen von feuchtwarmer Luft.
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