Pflegebedürftig

Durch sorgfältige Planung, fachgerecht ausgeführte Handwerksleistung und Verwendung nachhaltiger Materialien kann man einem möglichen Dachschaden bereits beim Bau vorbeugen. Ebenso wichtig ist aber die regelmäßige und sorgfältige Prüfung aller Dachflächen. Dabei lassen sich kleinere Schäden sofort beheben und umfangreichere Reparaturen rechtzeitig planen. Ein Wartungsleitfaden für dichte Dächer.

18.08.2015
Wartungsvertrag
© Hans Jürgen Krolkiewicz

Da freuen sich die Bewohner: ein gepflegter Innenhof auf dem Dach eines ­Supermarktes.

Einstürze von Dächern, wie die der Eissporthalle in Bad Reichenhall im Jahr 2004, machten Immobilienbesitzer in erschreckender Weise darauf aufmerksam, dass alle Gebäude kontinuierlich kontrolliert werden müssen. Leider geraten solche tragischen Ereignisse schnell in Vergessenheit, und die Wartung wird wieder zum Stiefkind. Aber besonders Dächer sind Pflegebauteile. Ob deren Tragwerkskonstruktion aus Beton, Stahl oder Holz besteht, ob ihre Eindeckung aus Metall, Kunststoff, Naturbaustoffen, Holz, Beton, Ziegel, Schiefer oder bituminösen Deckmaterialen erstellt wurde – sie alle müssen regelmäßig kontrolliert, gewartet, repariert oder objektbezogen komplett saniert werden. Leider hat sich bei Bauherren und Planern die Forderung nach billigem Bauen so durchgesetzt, dass nicht nur die Qualität der Baustoffe, sondern auch die handwerkliche Qualitätsarbeit auf der Strecke blieb: Allein der Preis entscheidet, wie gebaut wird und ob ein Dach regelmäßig gewartet wird. 

Wirtschaftsfaktor Gebäudezustand

Dabei ist der Gebäudezustand wesentlich am wirtschaftlichen Gesamterfolg des Immobilienbesitzers beteiligt. Denn Schäden, etwa an der Dachfläche, können hohe Folgekosten durch zum Beispiel Betriebsunterbrechungen oder verminderte Mieteinnahmen durch Nutzungseinschränkung bis hin zu Personenschäden bewirken. Das trifft nicht nur für öffentliche Gebäude, sondern besonders auch auf private Bauherren beziehungsweise Hausbesitzer zu. Deshalb müssen nicht nur die Baukonstruktion, sondern insbesondere auch die Dachfläche von Fachhandwerkern beobachtet, regelmäßig begangen, gewartet und objektbezogen instand gehalten werden.
Wann immer man sich mit dem Dach beschäftigt – ob aus planerischer Sicht oder aus sanierungstechnischen Gründen –, immer bleibt im Hintergrund die Frage nach der wirtschaftlich vertretbaren Lösung, der persönlich objektiven Überzeugung einer technisch ausführbaren Konstruktion. 
Generell haben alle Dächer dieser Erde eines gemeinsam: Irgendwann werden sie undicht, müssen teilrepariert, saniert oder komplett erneuert werden. Eine wesentliche Rolle dabei spielt die persönliche Einstellung des Hauseigentümers zu seiner Immobilie. Für eigentlich notwendige Kontrollen des Gebäudezustands wird kaum Kapital angespart, und erst der konkrete Dachschaden wird zur Kenntnis genommen. 
Die Reparatur ist dann allerdings meist mit hohen Kosten verbunden. Paradox ist, dass beispielsweise ein Autobesitzer sein Fahrzeug regelmäßig wartet, um dessen Lebensdauer und Zuverlässigkeit zu erhöhen. Dagegen wird die Dachfläche, die verlässlich Schutz bieten soll, kaum gewartet und gepflegt. 

Alles eine Kostenfrage

Die allgemeine Geiz-ist-geil-Einstellung stiftet an, bei allem möglichst wenig Geld auszugeben. Im Gegensatz dazu steht die Erkenntnis des Fachmanns, zwar wirtschaftlich zu handeln, aber dabei auf Qualität zu achten. Solange jedoch nur der billigste Anbieter zum Zug kommt, wird der eigentliche technische Standard vernachlässigt. Keinem Gebäudebesitzer bringt es auf Dauer Sicherheit, wenn Baustoffe und Baukonstruktion allein über den Preis und nicht nach deren Qualität beurteilt werden. 
Hinzu kommt die Beurteilung der vom Anbieter dargestellten Leistung. Zu oft werden mit niedrigen Arbeitskosten Auftraggeber geködert, ohne die eigentliche Leistung fachgerecht darzustellen. Dazu eine Anmerkung: Bereits um die Jahrhundertwende ging man bei der Rechtsprechung (etwa im Bürgerlichen Gesetzbuch) davon aus, dass menschliche Leistung nicht mängelfrei sein könne – deshalb existierte bereits damals beim Werkvertrag der Hinweis auf Nachbesserung.
Heutige Bauleistungen werden fast nur noch nach kaufmännischen Kriterien beurteilt und in Auftrag gegeben. Unternehmen, die Dacharbeiten ausführen, müssen gezwungenermaßen auf Fremdkräfte ausweichen und oft billige Produkte einkaufen. Ein wesentlicher Grund, warum Dachflächen heute in kürzeren Zeitabständen zur Sanierung anstehen. Heute wird der Dachdecker erst dann gerufen, wenn es aus dem Dach ins Gebäude tropft. Werden solche Schäden beispielsweise an Dächern, Abdichtungen und Fassaden wahrgenommen, handelt es sich um reine Notfälle, die schnell bearbeitet werden müssen. Der daraus resultierende Zeitdruck lässt meist nur partielle und provisorische Lösungen zu. Diese Provisorien sind zwar auf den ersten Blick kostengünstig, auf Dauer jedoch kommen sie sehr teuer. Und doch sind sie das tägliche Brot vieler für Wartung und Instandhaltung zuständigen Dachhandwerker. Deshalb sollten gerade sie auf Qualität bei Materialien und Ausführung drängen.

Die Wahl der Baustoffe

Grundsätzlich müssen Baustoffe, die zur Dachkonstruktion, Dacheindeckung und -dämmung verwendet werden, den landesbezogenen bzw. europäischen Normen entsprechen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen noch die Berücksichtigungen der Regelwerke des Dachdeckerhandwerks hinzu. Diese entsprechen in der Rechtsprechung den „anerkannten Regeln der Technik“. Das im und auf dem Dach verarbeitete Material muss dem europäischen Regelwerk entsprechend für den objektbezogenen Anwendungsfall zugelassen sein.
Zu beachten gilt, dass viele unterschiedliche Baumaterialien nicht miteinander kombinierbar sind. Man kennt es aus dem Metallbereich: Werden unverträgliche Stoffe miteinander verbunden, kann sich ein Prozess bilden, der etwa zu Lochfraß führt. Was für Metalle gilt, ist im Prinzip auch bei Dachbaustoffen zu berücksichtigen. Beispielsweise dürfen auf weichmacherhaltigen Dachbahnen nur solche Produkte aufgebracht werden, welche die Weichmacherwanderung nicht begünstigen (z. B. Polystyrol wäre kontraproduktiv) oder gleiche Produkteigenschaften aufweisen. Auch bei bituminösen (alten) Abdichtungsbahnen darf man nicht einfach „mischen“, sondern muss sich vorher vom Bahnenhersteller die Verträglichkeit mit der vorhandenen (zu sanierenden) Dachabdichtung bestätigen lassen. Das gilt nicht nur für Dachbahnen, sondern für alle zur Dachkonstruktion und -sanierung angebotenen Stoffe und Systeme. Deshalb ist vor der Ausschreibung einer Sanierung sicherheitshalber ein Dachdecker oder Bauwerksabdichter, der für seine Beratung garantiert, heranzuziehen und nach dessen Vorgaben zu handeln. 

Genaue Kontrolle

Zur Abschätzung der notwendigen Dachreparatur sollte die Gesamtkonstruktion der Dachfläche kontrolliert werden. Es handelt sich dabei um drei Kon­struktionsebenen: die Tragwerkskonstruktion (oberste Geschoßdecke oder Dachtragwerk), der Bereich der Wärmedämmung und bauphysikalischen Feuchteschutz (innen nach außen); Voranstrich, Ausgleichsschicht, Dampfsperre, Wärmedämmung (ggf. Unterlage oder Dampfdruckausgleich) sowie die eigentliche Abdichtungsebene (Oberflächenschutz, Auflast) gegen Witterungseinfluss von außen (hier kann noch objektbezogen eine begehbare Dachfläche hinzukommen). 

Prüfung des Tragwerks

Im Industrie- und Gewerbebau, aber oft auch bei öffentlichen Hallengebäuden, ist die Tragwerkskon­struktion meist direkt vom Innenraum aus zugänglich. Geprüft wird hier zunächst auf angerostete (Metall) oder angefaulte (Holz-)Stellen, sichtbare Beschädigungen, Anrostung von Nieten, Nägeln, Schrauben und/oder Schweißnähte bzw. anderen Verbindungsstellen. Bei Betondecken bzw. Betonträgern wird auf Abplatzungen und Roststellen, die auf Schäden der Eisenarmierung hinweisen, kontrolliert. Im Einzelfall muss möglicherweise eine statische Überprüfung und Neuberechnung durchgeführt werden. Eine solche Überprüfung kann fallweise ergeben, dass sich eine „normale“ Sanierung (Auswechslung oder stellenweise Ausbesserung) nicht mehr lohnt und ein kompletter Neuaufbau notwendig wird. 

Die Dämmebene

Bei Altgebäuden ist oft eine zum Zeitpunkt des Neubaus normativ vorgeschriebene Dämmung nicht mehr den Anforderungen des heutigen Wärmeschutzes entsprechende Dämmung vorhanden. Auch kann es durch Schwund (Minderung der ursprünglichen Schichtdicke, Vergrößerung der Dämmstofffugen) der alten Wärmedämmschicht zu bauphysikalisch bedingten Feuchteschäden innerhalb des Konstruk­tionsaufbaus kommen. Durchfeuchtete Wärmedämmschichten weisen deshalb nicht immer automatisch auf eine beschädigte Dachabdichtung hin! Jedoch sind sie eine der Ursachen von Ablösungen im Dachtragwerk sowie ständig steigender Heizkosten durch unnötig hohen Wärmeverlust über die Dachfläche. Gänzlich durchfeuchtete Dämmstoffschichten sollte man aus bautechnischen und bauphysikalischen Gründen deshalb immer komplett entfernen und durch eine neue Wärmedämmung ersetzen. Dazu muss die Dachabdichtung (Witterungsschutz) entfernt werden. Dabei lässt sich auch die Dampfsperrebene kontrollieren. Wird auch sie entfernt, kann man die Oberfläche der Tragkonstruktion reinigen, ausbessern und schützen. 
Eine andere Variante des Flachdachs ist das Umkehrdach. Zur energetischen Verbesserung kann auf die vorhandene alte Dämmschicht eine feuchteresistente neue Wärmedämmschicht aus extrudiertem Polystyrolhartschaum aufgebracht werden. Wird die bestehende Wärmedämmung durch neue Dämmplatten ersetzt, kann auch die Abdichtungsebene überprüft und ggf. überarbeitet werden. Gegen Windsog werden üblicherweise Betonplatten, Kiesschüttungen oder Dachbegrünung eingesetzt. Auch bei Dämmstoffen kann man aus chemischen und/oder physikalischen Gründen nicht einfach unterschiedliche Stoffe in direktem Kontakt zueinander einbauen. Unterschiedliche Stoffe müssen durch eine wirksame Trennschicht so getrennt werden, dass sie nicht miteinander reagieren können. Anders liegt der Fall, wenn eine Ergänzung mit einem Dämmstoff gleicher Eigenschaften erfolgt. Falls Bewegungen in der Dachkonstruktion nicht auszuschließen sind, kann auf die Altdämmung zunächst eine Trennschicht, zum Beispiel aus Vlies, gelegt und darauf die Neudämmung eingebaut werden. So mindert man das Risiko der Übertragung von möglichen Formänderungen in die andere Ebene. 

Wasser auf dem Dach

Flächen, die als Basis einer Dachabdichtung und/oder den notwendigen Schichten vorgesehen sind, sollen für die Ableitung des Niederschlagswassers mit einem Regelgefälle von mindestens zwei Prozent ausgeführt werden (außer K1-Dächer). Bei dem nach der Planung vorgesehenen Gefälle einer Dachfläche können sich Abweichungen ergeben, die im Rahmen zulässiger Bautoleranzen durch unterschiedlich dicke Werkstoffe und/oder Überlappung entstehen. Auf Dächern mit einem Gefälle bis ca. drei Grad (ca. fünf Prozent) ist verbleibendes, oft stehendes, Wasser unvermeidbar. Dächer mit einer geringeren Regeldachneigung (im Neubau) sind Sonderkonstruktionen und erfordern besondere Maßnahmen, um Schadensbildung durch stehendes Wasser zu vermeiden. Innenliegende Rinnen müssen grundsätzlich ein ausreichendes Gefälle zur Wasserabführung, besonders wegen der Schneeschmelze, besitzen. Bei der Dachbegehung sollte der Dachhandwerker diese Bedingungen regelmäßig überprüfen. Besonders innenliegende Entwässerungen, Dachgullys und Regenrinnen müssen regelmäßig gewartet und gereinigt werden. Bei allen Dachflächen muss auch überprüft werden, ob die regional anfallenden Regenmengen bzw. Schneemengen wirksam abgeführt werden können. Dabei gibt es technisch keinen Unterschied, ob Flachdach oder geneigte Dachfläche. Wie zahlreiche Dacheinstürze durch Überlastung in den vergangenen Jahren zeigten, müssen wir uns auf größere, plötzlich auftretende Niederschlagsmengen einstellen, als sie nach den gültigen Normen und Bauvorschriften definiert werden. Die Abflussgeschwindigkeiten der eingebauten, handelsüblichen Gullys, Regenrinnen und Fallrohre sollte der Dachdecker deshalb kritisch überprüfen. Auch hier wurden in der Vergangenheit – meist aus Kostengründen – oft zu kleine Querschnitte eingebaut. 

Stark beansprucht 

Alle äußeren und inneren Einflüsse, die auf die Dachkonstruktion einwirken können, müssen berücksichtigt werden. Neben Wind, Regen, Wärme und Kälte, Eis und Schnee, Sonne und Wasserdampf zählen dazu auch Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Luftverschmutzung oder Laub, Moose und Algen. Aus dem Rauminneren können Wasserdampf oder aggressive Produktionsdämpfe sowie stark wechselnde Temperaturen der Dachkonstruktion zusetzen. Diese breite Belastungspalette macht deutlich, dass Dächer zu jenen Pflegebauteilen zählen, die mindestens einmal jährlich überprüft werden sollten. Die Temperaturbelastung flacher Dächer ist in unseren Klimabereichen sehr hoch. Jahresmittelwerte von bis zu 100 °C auf dem Dach sind durchaus möglich. Dadurch entstehen Längenänderungen in der Konstruktion, besonders in der „dünnen“ Dachabdichtung. Zusätzlich belastet die Oberflächentemperatur die Beständigkeit – und damit die Lebensdauer – von Dachabdichtungsbahnen. Intensive Sonneneinstrahlung führt nicht nur zur Aufheizung der Dachhaut, sondern kann chemische Prozesse in organischen Belägen bewirken wie etwa die Ausgasung von Treibmitteln oder Weichmachern bei Kunststoffen. Intensive Sonneneinstrahlung kann aber auch zur Versprödung der Abdichtungsbahn führen. Dachabdichtungen werden mechanisch hoch beansprucht durch flächige Spannungen, Bewegungen, Schwingungen und/oder hohe Punktlasten. Das kann z. B. über Dämmschichten, beweglichen Unterlagen, begeh- oder befahrbaren Belägen sowie Dachbegrünungen der Fall sein. Dringt Feuchtigkeit in Bauteile oder Baustoffe ein, können deren Eigenschaften und Funktion gemindert oder sie selbst beschädigt werden. Feuchte in Baustoffen kann zerstörerisch wirken und in angrenzende Schichten eindringen. Vor Beginn der Dacharbeiten ist deshalb die Oberfläche der Unterlage zu überprüfen. Die Flächen müssen im Rahmen zulässiger Bautoleranzen gemäß der Normung liegen. Bewegungsfugen sind bei der Sanierung einzuhalten und müssen entsprechend ausgebildet bzw. dürfen nicht überklebt werden. Unterkonstruktionen bzw. statisch tragende Unterlagen müssen den Flachdachrichtlinien entsprechen und die dort geforderten Eigenschaften besitzen.

Schichten des Dachaufbaus

Der Voranstrich soll die Klebehaftung auf dem Untergrund verbessern. Trenn- und Ausgleichsschichten helfen, geringfügige Schwind- und Spannungsrisse in der Tragkonstruktion zu überbrücken. Gleichzeitig schützen sie gegen Rauigkeit und chemische Einwirkungen aus der Unterlage. Eine Dampfsperre muss so ausgeführt sein, dass sie wirksam Wasserdampfdiffusion verhindert, der sich schädigend auf die Schichten des Dachaufbaus auswirken kann. In der Regel ist bei nichtdurchlüfteten Dächern eine Dampfsperre erforderlich. Die Bahnenstöße müssen langlebig sicher verklebt werden. Für die Wärmedämmung von Dächern dürfen nur genormte Dämmstoffe oder bauaufsichtlich zugelassene eingebaut werden. Eine Dampfdruckausgleichschicht ist eine zusammenhängende Luftschicht unter der Dachabdichtung. Sie soll örtlichen Dampfdruck verteilen und entspannen sowie die Eigenbeweglichkeit der Dachabdichtung bei Temperaturschwankungen ermöglichen. Gleichzeitig soll die Übertragung von Bewegungen und Spannungen aus den unteren Schichten vermindert werden. 

Dachabdichtung mit Bitumenbahnen

Überwiegend werden flache Dächer mit Bitumen- und Polymerbitumenbahnen eingedeckt. Dachabdichtungen mit Bitumenbahnen sollten neu mehrlagig, bei Reparaturen oder Sanierungen in der Regel einlagig ausgeführt werden. Als Oberlage werden Polymerbitumenbahnen, z. B. mit Splittbestreuung, verwendet. In aller Regel werden genormte Dachbahnen verarbeitet (auf deren Verpackung ersichtlich). Ich möchte aber darauf hinweisen, dass auch andere Dachbahnen, die beispielsweise der europäischen Normung entsprechen bzw. eine bauaufsichtliche Zulassung besitzen und nicht genormt sind, verwendet werden dürfen. Entsprechend ihrer Zuordnungsfähigkeit zu den Bahnengruppen können sie verarbeitet werden.

Abdichtung mit Kunststoffbahnen

Kunststoffdachbahnen sind heute nicht mehr mit jenen vergangener Jahrzehnte, die eine hohe Schadensanfälligkeit aufgrund chemischer und/oder physikalischer Zusammenhänge aufwiesen, zu vergleichen. Kunststoffbahnen mit thermoplastischen Eigenschaften erhalten eine einwandfreie Nahtverbindung durch Quellschweißen, Warmgasschweißen, Dichtungsbänder bzw. Abdeckbänder, Hochfrequenzschweißen oder Heizkeilschweißen. Bei Kautschukbahnen erfolgt die Nahtverbindung durch Kontaktkleber, Dichtungsbänder bzw. Abdeckbänder oder Heißvulkanisierung (Hot Bonding). Haben Kautschukbahnen zum Zeitpunkt der Verarbeitung thermoplastische Eigenschaften, wird die Nahtverbindung sachgemäß durch Quellschweißen, Warmgasschweißen oder Heizkeilschweißen hergestellt. Grundsätzlich sind bei Kunststoffbahnen besonders die Verlegehinweise der Hersteller zu beachten.

Wichtige Windsogsicherung

Die Sicherung von Dachabdichtungen und deren Schichtaufbau gegen Abheben durch Windlast kann durch Auflast, Verklebung und/oder mechanische Befestigung erfolgen. Zur Festlegung der Windlasten müssen die zuständigen Normen berücksichtigt werden. Dabei ist für die Dachabdichtung ein Sicherheitsfaktor einzurechnen. Das spezifische Problem der Dachabdichtungen ist das Zusammenspiel verschiedener Stoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften. Deshalb sollte die fachliche Grundregel auch auf dem Dach eingehalten werden: Nur Stoffe mit gleichem oder ähnlichem Verhalten zusammen bzw. in einem Dachaufbau verarbeiten. Beim Flachdach sind besondere Problembereiche Durchdringungen und Dachränder bzw. unterschiedliche Höhen. Hier stoßen oft unterschiedliche Materialien aufeinander: Holz, Metall, Kunststoffe, Beton, Mauerwerk, Bitumenbahnen, Dämmstoffe, usw. Durch verschiedenes physikalisches und/oder chemisches Verhalten kann dies Ursache von Schäden bis hin zur Materialzerstörung sein. Besonders schwierig wird es bei Sanierungen, wenn die Beschaffenheit und Produkteigenschaften alter Bahnen und vorhandener Untergründe nicht genau bekannt sind. Im Zweifelsfall sollte dann der alte Untergrund abgetragen und eine neue Kompletteindeckung erfolgen. 

Dach + Wand

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